Schulmeister

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Schulmeister, ein als französischer Polizeiofficiant durch seine Anhänglichkeit an die bonapartische Sache, und besonders durch seine neuesten Schicksale merkwürdig gewordener Mann, war der Sohn eines Specials (eines protestantischen Geistlichen erster Classe) aus der jetzt großherzoglich badischen Gemeinde Neu-Freistatt bei Bischofsheim am hohen Steg.

Nachdem seine erste Erziehung vollendet war, wurde er in einer badischen Landschreiberei angestellt, und widmete sich darauf dem Handel. Er lebte eine Zeitlang in dem oberelsassischen Marktflecken Markirch, wo er sich in der Folge mit der Tochter eines vormaligen Berginspectors verheirathete. An der französischen Revolutionsangelegenheiten nahm er keinen Antheil. Er wurde nachher Eigenthümer eines Etablissements in dem damaligen österreichischen Gebiet bei Kappel, hatte im Jahr 1799 lebhaften Theil an der Organisation des ortenauischen Landsturms, bei dem er eine bedeutende Stelle bekleidete, und sich in mehreren Gefechten mit den französischen Truppen im renchner Walde durch Geistesgegenwart und Gewandtheit auszeichnete.

Nach hergestelltem Frieden oder kurz vor demselben ließ er sich in Strasburg nieder, und errichtete dort eine Tabaksfabrik. Diese ging einige Jahre nachher wieder ein, und von jener Zeit scheint er bedeutende Geschäfte mit Einschwärzung von Waaren, deren Einfuhr in Frankreich verboten war, gemacht zu haben. Diese Speculation mißlang, und seine meisten Waarenvorräthe wurden confiscirt. Er selbst mußte Frankreich, nachdem er einige Zeit als Beförderer des Schleichhandels verhaftet gewesen war, 1805 wieder verlassen.

Bald darauf im Herbste brach der Krieg zwischen Oesterreich und Frankreich aus. Schulmeister, der sich wieder im Badischen aufgehalten hatte, brachte es dahin, daß er als geheimer Agent bei der französischen Armee angestellt wurde. Als solcher benutzte er seine Bekanntschaften, um sich Zutritt bei dem General Mack zu verschaffen, was ihm um so mehr gelungen zu seyn scheint, da er das Zutrauen einiger Personen von dessen Generalstabe besaß, und daher verschiedene Male von diesem Feldherrn mit geheimen Missionen beauftragt ward. Hier soll er Napoleon Bonaparte wichtige Dienste geleistet und dessen Gunst erworben haben. Im Publicum schreibt man ihm das Gelingen einiger merkwürdigen Unternehmungen zu, welche auf die Operationen und den Gang des Feldzugs in Schwaben großen Einfluß hatten. Besonders soll er dem General Mack die unglückliche Idee beigebracht haben, daß die französische Armee ihre Hauptangriffe vom kinzinger Thal und dem rechten Ufer der Donau her bewerkstelligen werde, und daß alle auf dem linken Donauufer gemachten Bewegungen nur Demonstrationen seyen, um Mack dahin zu bringen, die Stellung von Ulm zu verlassen, und sich nach Bayern zurückzuziehen. Dadurch ward Mack bewogen, bei Ulm so lange zu verweilen, bis seine Armee umzingelt war.

Als später Schulmeisters Rolle entdeckt wurde, fiel er den Oesterreichern in die Hände und wurde nach Wien transportirt, wußte aber durch besondere Kühnheit und Geistesgegenwart zu entkommen. Darauf ging er mit der französische Armee nach Wien, wo er bei der militärischen Polizei angestellt wurde.

Im Kriege gegen Preußen war er im Gefolge des Generals Savary und leistete diesem wichtige Dienste, um die Capitulation von Nienburg und Hameln schnell zu befördern. Zur Zeit des Treffens bei Heilsberg in Ostpreußen (1807) war er bei Savary als Adjutant, dann wurde er eine Zeit lang französischer Polizeidirector in Königsberg.

Im Feldzuge von 1809 begleitete er abermals die französische Armee nach Oesterreich, und war dann mehrere Monate lang französischer Polizeidirector in Wien.

In den folgenden Jahren hatte er mehrere Missionen in Norddeutschland, und wegen Licenzgeschäfte in englischen Häfen.

Seine Arrestation erfolgte im Herbst 1815 auf Befehl des preußischen Staatsraths von Gruner, in seiner Qualität als oberster Polizeidirector der verbündeten Heere. Die nähern Umstände von Schulmeisters Freilassung sind noch nicht bekannt. Als er dieselbe erhalten, kehrte er nach Paris zurück, und wohnt jetzt auf seinem schönen Gute in der Nähe dieser Hauptstadt ruhig, wiewohl dem Vernehmen nach unter Polizeiaufsicht. Er soll daselbst bedeutende Etablissements errichtet haben, und sich mit Landbau beschäftigen. Seine Güter in der Gegend von Straßburg soll er verkauft haben.


Quellen und Literatur.

Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.