Seeschlacht von Abukir

Aus NapoleonWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Abukir.

Abukir, im Mittelalter eine Stadt, gegenwärtig aber ein Dorf mit einem festen Schlosse an der Westseite eines geräumigen, durch eine Landspitze und mehrere Inselchen gedeckten Meerbusens, an der ägyptischen Küste, vier Stunden östlich von Alexandrien. Mehr als ein Mal ist dieser Ort in der neuern Kriegsgeschichte berühmt geworden, vorzüglich aber durch die große Seeschlacht, in welcher Nelson vom 1. bis 3. August 1798 die französische Flotte vernichtete.

Sobald die Nachricht von dem Auslaufen der Touloner Flotte, welche Bonaparte mit einer Armee nach Aegypten führte, zu dem vor Cadix kreuzenden englischen Admiral St. Vincent gekommen war, detaschirte derselber Nelson mit elf Linienschiffen und sechs Fregatten nach dem mittelländischen Meere und gab ihm Befehl, die feindliche Flotte aufzusuchen, und wo er sie finden würde, anzugreifen.

Nelson suchte die französische Flotte an den Südküsten von Klein-Asien, und da er sie hier nicht fand, richtete er seinen Lauf nach Sicilien, wo er am 19. Juli in den Hafen von Syrakus einlief. Da er hier vernahm, daß die französische Flotte weder im Archipelagus, noch im adriatischen Meere gesehen worden, auch nicht das Mittelmeer hinabgegangen sey, schloß er, daß sie doch ihre Richtung nach Aegypten müsse genommen haben. Am 25. Juni verließ er Syrakus und erfuhr an der Küste von Morea, jene Flotte sey vor etwa vier Wochen von Candia südostwärts gesegelt.

Sogleich ließ er alle Segel aufspannen; schon den 1. August war er im Angesicht von Alexandrien, und erblickte zu seiner Freude die feindlichen Schiffe auf der Rhede von Abukir; denn der Held brannte von Begier, ihnen die Spitze zu bieten. Augenblicklich gab er das Signal zur Schlacht, und kaum hatten die französischen Capitains, die eben auf dem Admiralschiff versammelt waren, sich auf ihren Posten begeben können, als schon die ersten englischen Schiffe den Angriff begannen.

Wiewohl sich die französische Flotte in eine krumme Linie gestellt, so nahe als möglich an eine kleine Insel anschloß, die durch eine Batterie von Kanonen und Mörsern gedeckt war, ließ dennoch Nelson plötzlich mit einer unerhörten Verwegenheit die Hälfte seiner Flotte zwischen der Insel und der französischen Schlachtlinie durchbrechen und an der Landseite im Rücken derselben hinuntersegeln, während die andere Hälfte sich auf ihre Fronte zog und sich einen Pistolenschuß weit davon vor Anker legte, so daß die französischen Schiffe sowohl von beiden Bords, als vom Spiegel her angegriffen wurden.

Abends halb sieben Uhr mit Sonnenuntergang begann die fürchterliche Schlacht. Um sieben Uhr lag schon volle Nacht auf dem Meere, aber das Feuer der beiden Flotten erleuchtete mit unaufhörlichen Blitzen den Himmel. Nach einer Stunde waren fünf französische Schiffe entmastet und genommen. Admiral Brueys ward durch eine Kanonenkugel zerschmettert. Sein Schiff l'Orient aber setzte das Feuer noch mit großer Lebhaftigkeit fort, als es plötzlich vom Brande ergriffen ward, der rasch mit verzehrender Wuth um sich griff und durch keine Anstrengung gelöscht werden konnte. Um zehn Uhr flog das prächtige Gebäude mit 120 Kanonen unter fürchterlichen Krachen in die Luft auf. Eine gräßliche Pause von drei Minuten folgte, indeß die emporgeschleuderten Trümmer auf die umherstehenden Schiffe herabfielen. Nur 70 bis 80 Menschen von 1000 konnten durch Nelson gerettet werden. Darauf setzten die übrigen Schiffe die Kanonade noch bis zum Morgen fort, der die völlige Niederlage der französischen Flotte beschien.

Nur zwei Linienschiffe und zwei Fregatten entkamen nach Malta und Corfu; neun Linienschiffe waren genommen, eins in die Luft geflogen, und ein anderes nebst einer Fregatte von den Franzosen selbst verbrannt, eine Fregatte aber in den Grund gebort worden.

So war zum zweiten Male Frankreichs Seemacht im mittelländischen Meere vernichtet; die brittischen Flaggen wehten von Gibraltar bis Alexandrien, und Bonaparte's Verbindung mit Frankreich war abgeschnitten, dessen Feinde, von kühnen Hoffnungen beseelt, durch eine neue Coalition sich verbanden.

Operationen der brittischen Flotte.

Authenthische Erzählung von den Operationen der brittischen Flotte unter Anführung des GegenAdmirals, Horatio Nelson, von ihrer Abfahrt von Gibraltar an bis zum Ende der Schlacht am Nil.

(Aus dem TageBuche eines OberOffiziers auf der Flotte gezogen.)

Der Graf St. Vincent schikte den GegenAdmiral Horatio Nelson in das MittelMeer mit folgenden Schiffen: dem Vanguard von 74 Kanonen, auf welchem die GegenAdmiralsFlagge aufgestekt war, dem Orion und Alexander, gleichfalls von 74 Kanonen, den Fregatten Emerald und Terpsichore, und der KriegsSchaluppe la bonne Citoyenne.

Von dem Tage ihrer Abfahrt an, den 9 Mai, begegnete der Flotte nichts Merkwürdiges bis zum 22, wo, in dem MeerBusen von Lyon, ein sehr heftiger WindStoß den Vanguard ergrif, der ihm seine TapMaste, und bald darauf auch einen VorderMast wegnahm. Auch die übrigen Schiffe erfuhren die Wuth des Sturms, aber nicht in gleichem Grade wie der Vanguard, den ein besonders starker WindStrich gefaßt hatte. An dem nemlichen Tage verloren die LinienSchiffe die Fregatten aus dem Gesichte, und im Augenblike dieses Unglüks, das den Vanguard befiel, war die englische Flotte nur wenige Meilen von der fränkischen unter Buonaparte entfernt, die um dieselbe Zeit von Toulon abgesegelt war. Nun lenkte sich die englische gegen Sardinien. Der Alexander zog den Vanguard nach, während der Orion ein Vorgebirge suchte, um Piloten zu finden, damit die Schiffe die Rhede der Insel San Pietro (südwestlich von Sardinien) erreichen möchten.

Am 24 kamen wir mit groser Mühe an den AnkerPlaz, wo wir mit derjenigen Leutseligkeit aufgenommen zu werden hoften, die unser Unglük von einer neutralen Macht erwarten zu dürfen schien. Allein der Gouverneur der Insel hatte Befehl von Frankreich, kein brittisches Schiff aufzunehmen. Doch hinderten alle feindseligen Anstalten uns nicht, in der Rhede zu ankern. Die HilfsMittel, die der englische SeeMann in sich selbst findet, kamen uns hier sehr zu statten. Dem Kapitain Berry, von den Kapitains Saumarez und Ball unterstüzt, gelang es durch seine grose Geschiklichkeit, den Vanguard sehr schnell wieder mit einem VorderMaste, einem grosen Maste und BesamMaste, die alle zur Noth hielten, zu versehen, und das Bogspriet, das an mehreren Orte Sprünge hatte, auszubessern. Vier Tage nach unsrer Ankunft auf der Rhede, liefen wir mit vollen Segeln wieder aus. Es ist zu bemerken, daß der Gouverneur, wegen der strengen Befehle der Franken, uns zwar öffentlich die Aufnahme versagte, unter der Hand aber uns in der Stille jede Hilfe leistete, die in seiner Gewalt war.

Der Admiral eilte nun, die empfangenen Befehle zu vollziehen, und dachte nicht daran, nach Neapel oder einem andern Hafen zu schiffen, wo er freundschaftliche Unterstüzung hoffen konnte, um das Schiff so auszubessern, wie es seine Beschaffenheit zu erfordern schien. Er steuerte gerade nach dem bestimmten VereinigungsPlaze, und äusserte nicht die geringste Absicht, seine Flagge auf eines der andern Schiffe aufzusteken, welches doch vielen Offizieren die Umstände des Vanguard zu erfordern schienen; denn der Admiral und die Offiziere desselben hatten das Vergnügen, zu bemerken, daß der Vanguard, troz seiner scheinbaren Beschädigung, eben so gut segelte und manövrirte wie die übrigen Schiffe.

Am 4 Jun. erreichte die Flotte den SammelPlaz. Am folgenden Tage sah sie die Mutine, unter dem Kapitain Hardy, ankommen, die dem Admiral Befehle, und die äusserst angenehme Nachricht brachte: "der Kapitain Trowbridge sey von dem Grafen St. Vincent mit zehn LinienSchiffen und einem Schiffe von 50 Kanonen abgeschikt worden, um ihn zu verstärken." Unsre ganze kleine Flotte empfieng diese Nachricht mit ausserordentlicher Freude. Nelson erklärte nun dem Kapitain Berry, "izt sey er jeder feindlicher Flotte im MittelMeer gewachsen, und wünsche sich, einer zu begegnen."

Am 6 Jun. breitete sich die Flotte aus, um sorgfältig die erwartete Verstärkung auszukundschaften. Durch ein Schiff, das wir an diesem Tage sprachen, erfuhren wir, die Schiffe, die uns im Gesichte waren, seyen reichbeladene spanische: aber GeldPrisen waren nicht der Zwek des Admirals; aller Eigennuz verschwand vor der grosen Aussicht auf die Ehre und das Interesse der Nation, und seine ängstliche Aufmerksamkeit war nur darauf gerichtet, die erwartete Verstärkung an sich zu ziehen, um den Feind, von dessen Abfahrt aus Toulon er sichere Nachrichten hatte, verfolgen zu können. Der Alexander stieß auf eines der bemerkten Schiffe, und fand, daß es achtzig bis neunzig Geistliche am Bord hatte, die den Verfolgungen und Grausamkeiten der Franken aus Rom entflohen waren. Aus Menschenliebe erlaubte ihnen der Kapitain des Alexander, ihren Lauf fortzusezen, stieß wieder zum Admiral, und brachte einige Freiwillige vom spanischen Schiffe, besonders Genueser mit, die sich die Ehre wünschten, in der brittischen Flotte zu dienen, und zugleich ihren Abscheu und Unwillen über die Behandlung ausdrükten, die sie von den Franzosen erlitten haben.

Den 8, um Mittag, waren wir so glüklich, vom MastKorbe aus zehn Segel zu entdeken, und erkannten in ihnen bald brittische KriegsSchiffe; sie standen in geschlossener SchlachtOrdnung mit beigelegten Segeln vor dem Winde. Man gab wechselweise Signale, und noch vor SonnenUntergang kam die so gewünschte Vereinigung zu Stande.

Der Admiral hatte keine Instruction empfangen, was er für einen Lauf halten sollte, auch keine sichere Nachricht von der Bestimmung der feindliche Flotte; er war mithin seinen eigenen Einsichten überlassen. Doch entdekte er bald, daß er so glüklich war, in seiner Flotte Kapitains zu haben, bei denen es nicht nöthig war, Befehle zu geben, daß sie sich beständig zu einer Schlacht bereit halten sollten. Ihr Eifer kam seinen Wünschen zuvor, und jeder Mann war bereit, sich jeden Augenblik auf seinen Posten zu stellen. Eben so gereichte es ihm zu grosem Vergnügen, daß die Mannschaft auf allen Schiffen täglich im Dienste der Kanonen und des KleinGewehrs geübt wurde, und alles für den wirklichen Dienst im besten Stande war.

Er hatte erfahren, daß der Feind mit einem NordWestWinde gesegelt war. Daraus schloß er, daß er sich im MittelMeer befinde. Er schikte deswegen die Mutine nach Civita-Vecchia und längst der römischen Küste hin, um Nachricht einzuziehen, und richtete seinen Lauf nach Corsika, welches er am 12. Jun. erreichte. Auf der Fahrt dahin hatte er mit verschiedenen Schiffen gesprochen, aber nichts durch sie erfahren.

Am 13 segelte er zwischen Corsika und Elba durch, sogar auch zwischen den Inseln Elba und Planosa, obgleich grosse Schiffe diesen Weg zu nehmen nicht gewohnt sind. An der römischen Küste kam die Mutine wieder zu ihm, die, troz aller Bemühungen des Kapitain Hardy, nichts in Erfahrung gebracht hatte. Nun hofte der Admiral, in Neapel nähere Nachweisung zu erhalten, und steuerte dahin. Man hatte erzählt, die Plünderung von Algier sey die Absicht der fränkischen Ausrüstung; allein dieser Bericht war zu unbestimmt, als daß Nelson sich darnach richten sollte.

Am 16 Jun. erblikten wir den Vesuv. Trowbridge ward mit der Mutine abgeschikt, um von dem Gesandten Hamilton alle mögliche Nachrichten einzuziehen, brachte aber nur diese: "der Feind sey gegen Malta geschift." Nun beklagte der Admiral, daß er über dem Besuche der Bay von Neapel einen Tag verloren, und beschloß, den kürzesten Weg nach Messina zu nehmen.

Am 20 segelten wir mit günstigem Winde durch die MeerEnge. Die Freude, welche die Sizilianer bliken liessen, als sie in unsrer Flotte eine brittische entdekten, gereichte uns allen zu grosem Vergnügen. Eine Menge Boote kamen herbei, und ruderten mit den lautesten Glükwünschen und den aufrichtigsten Freudenbezeugungen rund um uns herum, weil sie gefürchtet hatten, die fränkische Expedition werde sich, nach der Wegnahme von Malta gegen sie wenden.

Hier empfiengen wir Nachricht von dem englischen Consul, daß Malta sich ergeben habe. Noch hatten wir Hofnung, die feindliche Flotte bei der Insel Gozo, wo sie, wie man uns sagte, vor Anker liege, angreifen zu können. Also steuerten wir mit eingezogenen Segeln und einem frischen Winde von NordWesten dahin; die Mutine aber vernahm am Morgen des 22 Jun. von einem genuesischen Brik: die Franken seyen bereits am 18 wieder von da abgesegelt. Sogleich war der Admiral entschlossen, alle Segel gegen SüdOsten zu richten; noch aber konnten wir nicht wissen, ob der Feind sich nicht in's Adriatische Meer gewendet hätte. Von dem Tage an, da wir aufbrachen, bis zum 29 Jun. waren uns nur drei Schiffe begegnet. Zwei derselben kamen von Alexandria, und hatten nichts vom Feinde gesehen; das dritte vom Archipel, gleichfalls ohne etwas gesehen zu haben. Am besagten Tage erblikten wir den Pharus von Alexandria, und fuhren fort, uns mit eingezogenen Segeln dem Lande zu nähern, bis wir beide Hafen vor uns hatten, wo wir zu unserm Erstaunen kein einziges fränkisches Schiff sahen. Der Kapitain der Mutine besprach sich mit dem Statthalter von Alexandria, der sich nicht weniger wunderte, eine brittische Flotte zu sehen, da er Nachricht hatte, es werde eine fränkische dahin kommen. Nun stellte der Admiral tiefe Betrachtungen an, was diese wohl für einen Lauf genommen, und was ihre endliche Bestimmung seyn möchte? Troz dieser Verlegenheit wollte er doch keinen Augenblik vor Alexandria verlieren. Er beschleunigte daher seinen Lauf nordwärts gegen die Küste von Karamanien *, um, wo möglich, bald einen Plaz zu erreichen, wo er wahrscheinlich nähere Erkundigung einziehen, und die Schiffe mit Wasser, was zu fehlen anfieng, versorgen könnte.

* So heißt izt das südliche Land VorderAsiens, das sonst Cilicien, Kappadocien, Carien xc. hieß.

Am 4 Jul. bestrichen wir die Küste von Karamanien, stenerten an der SüdSeite von Candia hin, mit eingezogenen Segeln Tag und Nacht, bei einem widrigen Winde. Am 18 erblikten wir Sizilien. Der Admiral beschloß, in Syrakus einzulaufen, und obgleich niemand auf der Flotte mit diesem Hafen bekannt war, brachte doch die Geschiklichkeit der Offiziere alle Schiffe, wohlbehalten, in denselben hinein. Nun versahen wir uns so schnell, wie möglich, mit Wasser. In fünf Tagen war alles geschehen, so wenig Bequemlichkeit auch Syrakus zu einer solchen Operation darbot, und am 25 fuhren wir wieder aus.

In Syrakus hatten wir nur unbestimmte Nachrichten eingezogen: "die feindliche Flotte sey weder im Archipel noch im Adriatischen Meere gesehen worden, auch nicht das Mittelländische Meer hinab gegangen." So muste also doch wohl die aegyptische Küste der Ort ihrer Bestimmung seyn! Daher schrekte weder unser bisheriges Misgeschik, noch die Hize, die wir ausgestanden hatten, den Admiral ab, schien gleich unsre Verfolgung nur auf's Ohngefähr zu gehen, nach demjenigen Punkte hin zu steuern, wo wir den Feind durch einen Zufall finden möchten.

Izt, da es entschieden ist, daß die Absicht des Feindes auf Alexandria gerichtet war, entsteht die Frage: wie es kam, daß wir die fränkische Flotte zweimal verfehlten, einmal auf der Hinfahrt, und dann wieder auf der Rükfahrt nach Syrakus? Es erhellt nun, daß die Franken gerade gegen Candia segelten, und von da in der Richtung eines Winkels gegen Alexandria ausliefen, während wir gerade auf diesen Ort zuschiften, ohne uns, um unsern Weg abzukürzen, Candia zu nähern. Die Schwäche unsrer Flotte machte es uns nothwendig, in geschlossener Ordnung zu segeln; daher nahmen wir nur wenig Fläche ein. Ferner, da der Admiral auf Entdekung aussenden konnte, und da in diesem Striche immer Nebel ist, so läßt sich's wohl erklären, warum wir den Feind nicht entdekten. Endlich, da wir bei der Rükfahrt nach Syrakus gegen Norden segelten, indeß er sich gegen Süden wandte, so konnten wir ihn dann noch weniger finden.

Am 25 Jul. verliessen wir Syrakus, immer noch ohne sichere Nachricht von dem Feinde. Dem Admiral fiel ein, er werde sie wohl in Morea erhalten können. Wir kamen daher am 28 in dem MeerBusen von Coron an, hielten uns aber nicht über drei Stunden auf. Der an der türkischen Statthalter abgeschikte Offizier brachte die Nachricht: man habe die fränkische Flotte vor ohngefähr vier Wochen von Candia südostwärts absegeln sehen. Trowbridge, der sich dahin begeben hatte, erfuhr zugleich, daß die Einwohner vor den Franken eben so grose Angst hatten, als sie dieselben verabscheuten. Izt beschloß der Admiral, wieder nach Alexandria zu segeln, und spannte daher alle Segel auf. Am 1 August, Morgens, entdekten wir den Ort zu unsrer grosen Freude, statt, wie neulich, leer zu seyn, zeigte er sich nun voll von Schiffen, an denen wir zum Theil die fränkische Flagge erblikten. Bey dieser Ansicht erhob sich die Brust jedes Mannes auf der ganzen Flotte; aber niemand war freudiger als der Admiral, der nun sicher wuste, welche Operationen er vorzunehmen hatte.

Mit Recht sezte er das gröste Vertrauen in den Muth und das Betragen aller Kapitains seiner Flotte. Während des Kreuzens hatte er sie, wenn irgend die Umstände und das Wetter es erlaubten, zu sich an den Bord kommen lassen, und ihnen seine Ideen über die verschiedenen und besten Arten des Angrifs, und diejenigen Plane mitgetheilt, nach denen er beschlossen hatte, in den Feind einzudringen, sey's Tag oder Nacht, und in welcher Stellung er ihn fände; denn es kan keine Stellung geben, die Nelson nicht berechnet und in Betrachtung gezogen hatte, um den Angriff auf die beste Art dagegen einzurichten. Daher war jeder Kapitain in die Ideen des Admirals, in Rüksicht der SeeTaktik, ganz eingeweyht, und beim Anblike der feindlichen Stellung wuste jeder bestimmt, ohne weitere Hilfe oder Instruction, was der Plan des Admirals war. Darum wurden dann Signale unnöthig, viele Zeit erspart, und die Aufmerksamkeit jedes Kapitains durfte, unzerstreut, sich nur auf die Führung seines eignen Schiffes concentriren; ein Umstand, von dem die Vortheile für den allgemeinen Dienst nicht zu berechnen sind!

Ich muß doch von den Ideen Nelson's, auf die er seinen Plan baute, hier etwas angeben, weil es für den SeeDienst von grosem Nuzen seyn kan. Um so in die fränkische Flotte einzudringen, daß er gegen denjenigen Theil derselben, der am leichtesten zu beschädigen oder anzugreifen war, mit dem grösten Nachdruk wirken könnte, theilte er seine Macht in drei UnterGeschwader ein, nemlich

1. 2. 3.
Vanguard. Orion. Culloden.
Minotaur. Goliath. Theseus.
Leander. Majestic. Alexander.
Audacious. Bellerophon. Swiftsure.
Defence.
Zealous.

Zwei der UnterGeschwader waren zum Angriff der KriegsSchiffe, das dritte gegen die TransportSchiffe bestimmt, um deren so viele, als möglich, zu versenken oder zu zerstören.

Die Bestimmung der fränkischen Rüstung war in Zweifel und Ungewißheit gehüllt. Folgenden Punkt muste der Admiral vorzüglich bedenken. Da der Anführer dieser Rüstung ein Mann war, den man mit den Titel "Besieger Italiens" beehrt hatte, und er so viele LandTruppen mit sich nahm, so muste es ein Plan seyn, der durch die LandMacht, auch ohne Hilfe der Flotte, ausgeführt werden konnte, wenn es den TransportSchiffen gelang, zu entrinnen, und an ihrem SammelPlaze sich einzufinden. Es war daher wesentlich, das Convoy auch mit in seinem Plan zu umfassen. -- Nun zur Erzählung zurük!

Am 1 August Vormittags erblikten wir also den Pharus von Alexandria. Der Alexander und Swiftsure waren Abends vorher vorausgeschikt worden, um den Hafen von Alexandria auszukundschaften, indeß das HauptGeschwader die offene See hielt. Der Zealous entdekte die feindliche Flotte zuerst, und sein Kapitain, Hood, meldete durch Signale die Zahl der Schiffe, sechszehn, die vor Anker am BakbordBuge * in einer Bay lägen, die sich in der Folge als die Bay von Abukir fand. Der Admiral zog alsbald die Segel nach dem Winde auf, welches die Flotte im Augenblik nachahmte, und rief zugleich den Alexander und Swiftsure zurük. Der Wind war Nord-NordWest, und bließ, was die Seefahrer eine BramseegelKühlte nennen.

* Bakbord ist die linke Seite des Schiffs, und Bug derjenige Theil desselben, wo es am stärksten gebogen.

Nun gab der Admiral das Zeichen: sich zum Treffen zu rüsten, und daß es seine Absicht sey, das VorderTreffen und den MittelPunkt des Feindes, wie er vor Anker lag, und nach dem zuvor entwikelten Plane, anzugreifen. Bei dieser Eintheilung seiner Macht war die HauptIdee, zuerst sich des Sieges zu versichern, und dann weiter zu thun, was die Umstände gestatteten. Bald standen wir alle vor dem Feinde in SchlachtOrdnung, und da wir die Tiefe der Bay nicht kannten, so sondirte sie jeder Kapitain auf dem Plaze, wo er stand. Die Feinde zeigten sich, vor Anker liegend, in starker und gedrängter SchlachtLinie, nahe am Strande. Ihre Linie beschrieb, ihrer Gestalt nach, einen stumpfen Winkel. Zahlreiche KanonenBoote, vier Fregatten und eine, auf einer Insel an dem VorderTreffen angelegte, Batterie von Kanonen und Mörsern umgaben sie. Dieses Stellung schien ihnen die entschiedensten Vortheile zu gewähren, daß sie nur ihrer Artillerie sich bedienen durften, in deren Gebrauche sie sich selbst, so vorzüglich zu seyn, rühmen, und dem auch in der That die glänzende Reihe ihrer LandSiege, im Ganzen, hauptsächlich zuzuschreiben seyn mag.

So furchtbare Hindernisse auch diese Lage der Sachen darstellte, betrachtete sie der Admiral doch nur mit den Augen eines zum Angrif entschlossenen SeeMannes -- und alsbald erhob sich in ihm der Gedanke: wo Raum für ein feindliches Schiff sey, sich zu schwenken, da müsse auch, für ein englisches, Raum zum Angrif seyn. Nun bedurfte es keiner Signale mehr, als des schon gegebenen, und das ganze Geschwader wuste nun den Plan des Admirals so gewiß, als Er entschlossen war, zu siegen oder zu sterben.

Der Goliath und Zealous hatten die Ehre, die vordersten nach der innern Seite zu seyn, und empfiengen das erste Feuer, sowohl von den feindlichen Schiffen, als von den Batterien und KanonenBooten, welche das VorderTreffen des Feindes unterstüzten. Diese zwei Schiffe, nebst dem Orion, Audacious und Theseus, nahmen ihre Stellung innerhalb der feindliche Linie, und geriethen alsbald in Kampf, Schiff mit Schiff. Der Vanguard ankerte zuerst auf der AussenSeite des Feindes, und stand dem Spartiate, dem dritten Schiffe in des Feindes Linie, bis auf einen halben PistolenSchuß entgegen. Bei dieser Stellung musten unsre vordersten Schiffe die vollen Lagen des feindlichen Feuers in ihrem Buge aushalten, bis sie sich gehörig ordnen konnten. Zur verdienten Ehre des Feindes bemerken wir, daß er uns mit groser Standhaftigkeit und Entschlossenheit erwartete. Keine Flagge ward aufgezogen, keine Kanone abgefeuert, bis die Schiffe des VorderTreffens auf einen halben KanonenSchuß nahe waren.

Nachdem indessen die zum weitern Kampfe nöthige Vorbereitungen mit dem Kappen der Segel xc. gemacht wurden, damit man den Anker werfen konnte, so eröfnete der Vanguard das Feuer, und dekte die Annäherung der Schiffe des HinderTreffens, welche in geschlossener Linie folgte. Nach und nach kamen der Minotuar, Defence, Bellerophon, Majestic, Swiftsure und Alexander an, und giengen, unter dem Feuer des Vanguard, durch, um ihren Posten einzunehmen. Alle unsre Schiffe ankerten so, daß die brittische Linie eine umgekehrte Richtung vom VorderTreffen nach dem HinderTreffen erhielt. Kapitain Thompson auf dem Leander von 50 Kanonen, rükte auf der AussenSeite gegen des Feindes Linie an, durch welche Bewegung er seinen Ruhm eines guten SeeOffiziers bestätigte, und senkte seinen Anker so vor den Klüsen * des Franklin, daß er diesen mit grosem Erfolge beschoß, ja sogar die Kugeln von der vollen Lage des Leanders, durch den Franklin, das HauptAdmiralsSchiff, den Orient, trafen.

* So heissen die beiden Oefnungen vorn am Schiffe, zu beiden Seiten, durch welche die AnkerTaue gehen.

Mit SonnenUntergang, 6 Uhr 31 Minuten Abends, begann die Schlacht mit einer Hize und Tapferkeit, die unbeschreiblich sind. Um 7 Uhr ward es ganz finster; allein das Feuer der feindlichen Flotten erleuchtet. Beim Einbruch der Finsterniß stekten unsre Schiffe, auf ein Zeichen des Admirals, alle ihre verschiedenen Beleuchtung aus. In weniger als zwölf Minuten, war das vorderste feindliche Schiff, der Guerrier, entmastet; in zehn Minuten darauf das zweite, der Conquerant, und das dritte, der Spatiate, fast um die nemliche Zeit. Der Aquilon und Souverain-Peuble, das vierte und fünfte in der feindliche Linie, wurden nach halb 8 Uhr von uns genommen. Kapitain Berry schikte um diese Zeit den Lieutenant Galwey vom Vanguard mit einem Theile des SchiffsVolks ab, um vom Spartiate Besiz zu nehmen. Galwey brachte, bei seiner Rükkehr auf einem Boote, den Degen des fränkischen Kapitains, und überlieferte ihn den Admiral, der wegen einer, in der Hize des Gefechts erhaltenen, starken Wunde am Kopfe unter im Schiffe war.

Izt schien der Sieg für uns entschieden; denn obgleich der Orient, Heureux und Tonnant noch nicht in unsrer Gewalt waren, so waren sie doch schon als solche anzusehen, und Kapitain Berry hatte das Vergnügen, selbst dem Admiral diese angenehme Nachricht zu überbringen. -- Zehn Minuten nach 9 Uhr bemerkte man Feuer am Bord des Orients; es schien von dem hintern Theile der Kajute zu kommen, und nahm so schnell zu, daß der ganze hintere Theil des Schiffes sogleich in Flammen stand. Auch diesen Umstand meldete Berry dem Admiral, der, so sehr er auch an seiner Wunde litt, doch alsbald auf das Verdek kam, und auf der Stelle den Entschluß faßte, so viele Menschen, als möglich, zu retten. Kapitain Berry erhielt den Auftrag von ihm, alle Mittel hierzu anzuwenden. Das einzige Boot des Vanguard, das die See halten konnte, ward in dieser Absicht abgeschikt; andre Schiffe, die es konnten, thaten das nemliche, und so wurde das Leben von ohngefähr 70 Franken gerettet.

Das Feuer vom Orient erleuchtete alles rund umher so hell, daß man die verschiedenen Flaggen unterscheiden, und daher die Stellung der beiden Flotten desto sicherer beobachten konnte. Die Kanonade dauerte indeß nur theilweise im Mittelpunkte leewärts fort bis ohngefähr um 10 Uhr, wo der Orient mit schreklicher Erschütterung aufflog. Eine fürchterliche Pause und TodesStille erfolgte nun drei Minuten lang, da Wrak, Segel und Stangen xc. in's Wasser, oder auf die umherstehenden Schiffe herabfielen. Noch feuerte man nach dieser furchtbaren Szene auf's neue bis 20 Minuten nach 10 Uhr, hörte zehn Minuten wieder auf, und fieng dann abermals an, bis 3 Uhr Morgens, wo es wieder aufhörte.

Als der Sieg im VorderTreffen nun gesichert war, griffen diejenigen brittischen Schiffe, die sich in Bewegung sezen konnten, die frischen Schiffe des Feindes an. Um 5 Uhr 5 Minuten, Morgens, waren die äussersten Schiffe der fränkischen Linie, der Wilhelm Tell und der Genereux, die einzigen in der Linie, deren Flaggen noch weheten. Kurz vor 6 Uhr gab uns die fränkische Fregatte Artemisia noch eine volle Lage, und strich dann ihre Flagge; aber welch unverantwortliches und schändliches Betragen ihres Kapitains! Nachdem er sich ergeben hatte, legte er Feuer an, und entrann mit einem Theile seiner Mannschaft an die Küste! Eine andre Fregatte, die Serieuse, sank durch unser Feuer; doch da das Hinterschiff noch über Wasser blieb, retteten wir die Mannschaft, die wir Morgens in unsre Boote aufnahmen.

Um 4 Uhr kappten der Wilhelm Tell und der Genereux, nebst zwei Fregatten, der Justice und Diana, ihre AnkerTaue, und liefen in die See hinaus. Der Kapitain Hood verfolgte sie mit dem Zealous, und gab sich, wie der Admiral selbst bemerkte, alle Mühe, diese Flucht zu verhindern; da aber kein andres Schiff im Stande war ihn zu unterstüzen, so wurde er zurükgerufen.

Der ganze andre Tag wurde damit zugebracht, die fränkische Schiffe, die gestrichen hatten, in Sicherheit zu bringen. Wir nahmen von allen Besiz, ausser dem Tonnant und Timoleon, die nicht mehr entrinnen konnten, weil sie entmastet, und daher die lezten waren, die wir besezten. Am Morgen des dritten Tages kam Feuer im Timoleon aus, und der Tonnant kappte die AnkerTaue, und trieb nach der Küste hin; aber der thätige Kapitain Theseus, Miller, holte ihn alsbald wieder ein, und brachte ihn zwischen die brittischen LinienSchiffe.

Die in dieser Schlacht kämpfende brittische Flotte bestand aus zwölf Schiffen von 74 Kanonen, und dem Leander von 50. Aus groser Eile und Eifer zum Treffen zu kommen, stieß Kapitain Trowbridge, vor dem feindlichen VorderTreffen, unglüklicherweise auf das Ende einer Untiefe, die sich von der Insel her zieht, auf welcher die feindlichen Kanonen- und MörserBatterien standen. Troz aller Anstrengung des erfahrenen Kapitains und seiner Mannschaft konnte er nicht wieder flott werden. So unangenehm dieser Umstand dem Admiral und allen Offiizieren der Flotte war, so war ihr Gefühl doch nicht mit demjenigen zu vergleichen, was Trowbridge litt, als er vor seinen Augen solche Thaten sehen muste, ohne daran Theil nehmen zu können. Sein einziger Trost war, daß nun sein Schiff den nachfolgenden, Alexander, Theseus und Leander, zur Bake * diente, die dicht hinter ihm folgten, und ohne seinen Unfall, vielleicht gleiches Misgeschik gehabt hätten. Erst am Morgen des zweiten Tags konnte der Culloden losgemacht werden; das lebendige Werk ** war so beschädigt, daß alle Ruder zerbrachen, und kaum durch's Gehen aller Pumpen das Schiff flott wurde. In vier Tagen war, Dank Trowbridge's Thätigkeit und Geschiklichkeit! sein Schiff, obgleich ziemlich lek, zum Dienste wieder tüchtig.

* So nennt man die Zeichen für die Schiffenden, damit sie wissen, wo die sichere Anfuhrt oder Einfahrt, oder das Fahrwasser ist.
** D. i. derjenige Theil des Schifs, der im Wasser geht.

Da der Admiral wuste, daß die Verwundeten seiner Schiffe wohl besorgt waren, so richtete er seine Sorgfalt auch auf die verwundete Feinde. Zu dem Ende schloß er einen WaffenStillstand mit dem Kommandanten von Abukir, der dann dem von Alexandria die Nachricht mittheilte: Nelson wollte den verwundeten Franken gestatten, sich in ihre eignen Spitale zu begeben. Der Antrag ward angenommen, und den folgenden Tag ausgeführt. Sobald Trowbridge im Stande war, wieder zu wirken, verschafte er der Flotte von den Einwohnern der Küste mancherlei Lebensmittel, die besonders den Kranken erwünscht waren.

Am 2 August sahen wir, wie die Araber und Mameluken, die während der Schlacht am Ufer der Bay gestanden hatten, eine ausserordentliche Freude über unsern Sieg bezeugten. Sie nahmen an demselben so großen Antheil, als wir selbst. In dieser und den folgenden Nächten war Küste und Land so weit man sehen konnte, zur SiegesFeuer beleuchtet. Unsre Gefangenen waren darüber um so mehr bestürzt, da sie erfuhren: diese FreudensBezeugungen seyen die Folge nicht blos unsers Siegs, sondern auch eines Vortheils, den sie Araber und Mamluken über Buonaparte erhalten hätten.

So sehr aber auch der Admiral und alle Offiziere damit beschäftigt waren, den Schaden der Flotte auszubessern, und sich der eroberten Schiffe zu versichern, so vergaß doch der grose und gute Mann nicht, auch dem Höchsten Wesen für den entscheidenden Erfolg zu danken, womit es seine Unternehmungen für sein Vaterland gekrönt hatte. Daher erließ er folgende Zeilen an die SchiffsKapitains.

"Vanguard an der Mündung des Nil, 2 Aug. 1798.
"Da der Allmächtige die Waffen des Königs durch einen Sieg gesegnet hat, so ist der Admiral gesonnen, heute um 2 Uhr eine öffentliche Danksagung dafür anzustellen, und empfiehlt jedem Schiffe, sobald wie möglich, das nemliche zu thun."

Wirklich wurde um die bestimmte Zeit auf dem Verdek des Vanguard durch den ehrwürdigen Herrn Comyn öffentlicher Gottesdienst gehalten, eben so auch auf den andern Schiffen, doch wohl nicht auf allen zu gleicher Zeit. Diese feierliche DankErgiesung gegen Gott schien auf mehrere von unsern Gefangenen, Offiziere und Gemeinen, eine tiefen Eindruk zu machen. Einige von jenen bemerkten: "es sey kein Wunder, daß wir solche Ordnung und Zucht hätten, da wir unsern Leuten, nach einem so großen Siege, in dem Augenblike wo noch so viele Verwirrung zu herrschen scheine, solche Gefühle einflößten!"

An eben diesem Tage ward auch folgendes DanksagungsSchreiben an die Offiziere und Mannschaft der Flotte ausgefertigt, um ihnen die Gesinnungen des Admirals darzulegen.

"Vanguard, am 2 Aug. 1798.
"Der Admiral wünscht den Kapitains, Offizieren, Seesoldaten und Matrosen der Flotte die er die Ehre hat anzuführen, zu dem Erfolg der Schlacht von Herzen Glük, und freut sich, wenn sie insgesammt seinen aufrichtigen und warmen Dank für ihr tapferes Verhalten in diesem ruhmvollen Kampfe wohl aufnehmen. Stark muß jeden brittischen Seemann von selbst der Gedanke rühren, wie sein Betragen bei Ordnung und Disciplin über das ausschweifende Benehmen der gesezlosen Franzosen die Oberhand gewinnt. Die Flotte darf versichert seyn, daß der Admiral nicht versäumen wird, ihr wahrhaft verdienstvolles Betragen dem OberAdmiral in den stärksten Ausdrüken zu schildern."

Das dieses Lob jedem Mitgliede der Flotte äusserst angenehm war, läßt sich leicht denken. Zugleich aber sah auch Jeder den Beweis dessen, was der Admiral sagte, neu und auffallend vor sich: welche grose Vortheile aus Ordnung und Disciplin entspringen. Die Wahrheit dieser Behauptung muß jeder brittische SeeMann unter allen HimmelsStrichen fühlen, und wer den Ruhm und die Vortheile seines Vaterlandes liebt, wird sich überzeugen, das Tapferkeit nicht allein entscheidet. Der SeeMann seze das vollste Vertrauen in den Muth, die BeurtheilungsKraft und Erfahrenheit seiner OberOffiziere, und führe dann die von ihnen entworfenen Plane einmüthig mit Gehorsam und Unterwürfigkeit aus -- dann wird Britanniens SeeMacht bis an's Ende der Tage nicht aufhören, die Bewunderung der Welt zu seyn!

Sogleich nach der Schlacht boten die Spanier Genueser und Malteser, die sich auf der fränkischen Flotte befanden, der unsrigen ihre Dienste an, welche angenommen wurden, und sie äusserten sie gröste Freude, daß sie izt -- dis sind ihre eignen Worte -- von der fränkische Tyrannei und Grausamkeit frei seyen.

Am vierten Tage nach dem Siege segelte der Kapitain des Vanguard, Berry, auf dem Leander zu dem Grafen von St. Vincent, der mit der Flotte vor Cadiz stand, mit der Nachricht davon ab.


Augenzeugenbericht.

E. Poußielgue, Controleur der Ausgaben der Armee des Orients, und General-Verwalter der Finanzen.

Rosette in Ägypten, den 17ten Thermidor 6ten Jahrs.

Wir sind eben, meine liebe Freundinn, Zeugen von dem blutigsten und unglücklichsten Seetreffen gewesen, das seit Jahrhunderten vorgefallen ist. Wir kennen davon noch nicht alle Umstände; die wir aber davon kennen, sind schrecklich.

Die französische Flotte von 13 Linienschiffen, worunter ein Dreydecker von 120 Kanonen und drey von 80 waren, lag in der schlechten Bay von Aboukir oder Comopus, der einzigen die es auf der Küste von Aegypten gibt, vor Anker. Seit 8 Tagen zeigten sich häufig englische Schiffe und Fregatten, welche die Stellung unserer Flotte recognoscirten, so daß diese jeden Augenblick einen Angriff erwartete. Von Rosette und Aboukir sind in gerader Linie vier und eine halbe Stunde; von den Anhöhen bey Rosette konnten wir unsere Escadre sehr gut unterscheiden. Den 14ten Abends um halb sechs Uhr hörten wir Kanonenschüsse; dieß war der Anfang der Schlacht. Wir stiegen auf die Terassen der höchsten Häuser und auf die Anhöhen, und unterschieden deutlich zehen englische Schiffe; die übrigen konnten wir nicht sehen. Das Kanonenfeuer war sehr heftig, bis wir ein Viertel auf zehn Uhr in der Dunkelheit eine sehr große Flamme sahen, die uns anzeigte, daß ein Schiff brannte. Die Kanonenschüsse folgten einander darauf noch einmahl so schnell; um 10 Uhr flog das brennende Schiff mit einem fürchterlichen Knall, den man zu Rosette, wie zu Paris die Explosion des Pulvermagazins zu Grenelle, hörte. Hierauf folgte finstere Nacht und eine Todtenstille von zehn Minuten. Die Zwischenzeit zwischen dem Sehen und Hören dieses Aufliegens war für uns von zwey Minuten; das Kanonenfeuer ging wieder an und dauerte bis 3 Uhr des Morgens; es hörte dann bis 5 Uhr beynahe ganz auf, um welche Zeit es mit mehr Lebhaftigkeit als je wieder anfieng. Ich stieg auf einen Thurm, der einen Kanonenschuß weit von Rosette entfernt ist, und Abul Mandur heißt, von diesem sah ich die Schlacht deutlich. Um 8 Uhr ward ich ein Schiff im Brand gewahr; nach Verlauf einer halben Stunde sah ich auf einmahl ein anderes Schiff in die Luft fliegen, das vorher nicht brannte. Das Auffliegen desselben war wie das des Abends vorher. Das im Brand gerathene Schiff entfernte sich von der Küste, das Feuer nahm allmählig ab, und wir vermuthen, daß es gelöscht wurde.

In dieser Zeit nahm das Kanonenfeuer wieder zu: ein großes Schiff, das alle Masten verloren hatte, war an der Küste gestrandet; zwischen beyden Flotten sahen wir andere, die gleichfalls entmastet waren, beyde Flotten aber schienen durch einander gemischt, und wir konnten nicht die Engländer von den Franzosen unterscheiden, noch wissen, auf welcher Seite der Vortheil war. Das Kanonenfeuer war gleich heftig bis nach 2 Uhr Nachmittags am 14ten; zu dieser Zeit sahen wir zwey Linienschiffe und zwey Fregatten alle Segel ausspannen und nach Osten steuern; wir erkannten an allen 4 Schiffen die französische Flagge; kein anders Schiff ging aus der Stelle, und das Feuer hörte auf.

Abends gegen 6 Uhr ging ich wieder nach dem Thurm Abul Mandur, um die Stellung beyder Flotten zu untersuchen; sie war dieselbe wie um 2 Uhr. Die vier segelnden Schiffe waren bey der Mündung des Nils. Wir wußten nicht, was wie daraus machen sollten; 24 Stunden waren vergangen, ohne das jemand uns den Hergang der Sache gemeldet hatte, und uns war es unmöglich, Nachricht zu hohlen; zu Lande, der Araber wegen, die zwischen Rosette und Abukir standen, und zu Wasser wegen der Schwierigkeit, über den Bogatsch zu kommen.

Du kannst Dir unsere Ungeduld und Verwirrung leicht vorstellen. Dieß Stillschweigen war uns eine üble Vorbedeutung. Noch mußten wir in dieser Ungewißheit die Nacht vom 15ten zum 16ten zubringen. Endlich am 16ten Morgens brachte uns ein Boot, *) das in der Nacht von Alexandrien abgegangen war, einige Nachrichten, aber traurige; es sagte aus, einige Officiere, die in einer Schaluppe nach Alexandrien geflüchtet wären, hätten berichtet, Admiral Brueys habe gleich im Anfange des Treffens drey schwere Wunden, eine am Kopf und zwey am Leibe bekommen; er habe auf seinen Posten bleiben wollen und ein vierter Kanonenschuß habe ihn in der Mitte des Körpers getroffen. Der Flaggen-Capitän Casabianca sey in demselben Augenblick von einer Kanonenkugel hingerafft worden; dann erst habe man entdeckt, daß das Schiff brannte, und es sey endlich, nach vergeblichen Bemühungen, das Feuer zu löschen, um 10 Uhr in die Luft geflogen. Unsere Flotte, setzten sie hinzu, sey vernichtet und verloren, daß jedoch sich vier Schiffe geflüchtet hätten; die übrigen wären aber verloren.

*) Dasjenige, worin der General Loyer ankam. S. dessen Schreiben Nro. XXVIII.

Ich kehrte wieder nach dem Thurm zurück. Ich fand die Sachen noch in dem nämlichen Zustande als am vorigen Abend; auch gestern Abend und heute früh waren sie noch eben so.

In folgender Ordnung zeigte sich das Ganze unsern Augen, wenn man rechter Hand des Thurms von Abukir anfängt und rechts dem Horizonte folgt.

Das erste Schiff hat keinen Mast und führt englische Flagge.
Das 2te und 3te sind beyde in gutem Stande. Wir konnten die Flagge nicht unterscheiden.
Das 4te hat einen Mast verlohren.
Das 5te ist in gutem Stande und führt englische Flagge.
Das 6te hat seinen Topmast verlohren. Diesen Morgen wurde ein dreyeckiges und ein viereckiges Segel gehißt.
Das 7te hatte alle seine Stengen verlohren.
Das 8te ist ganz entmastet.
Das 9te gleichfalls, sein Bogsprit ausgenommen.
Das 10te hat die drey Masten verlohren. Diesen Morgen befestigte man ein Segel an das Bogsprit.
Das 11te mit dem 12ten und 13ten Schiffe machten eine Gruppe, in welcher für diese 3 Schiffe nur 7 Masten gezählt wurden.
Das 14te hat nur seinen Fockmast.
Das 15te hat die Stengen von dem Fockmast und dem Hintermast verlohren.
Das 16te ist ganz entmastet.
Das 17te hat die Stengen vom Hintermast verlohren.
Das 18te war ohne Fockmast.
Das 19te, 20te und 21ste bilden eine Gruppe mit 4 Masten ohne Stengen.
Das 22ste ist ganz entmastet und gestandet; es führt englische Flagge und es wird daran gearbeitet, es flott zu machen und mit kleinen Masten zu versehen.
Das 23ste ist im guten Stande, es führt englische Flagge.
Das 24ste ist in gutem Stande.

Dieß ist alles, was ich habe unterscheiden können. Hieraus folgt, daß die Engländer, ob sie gleich den Sieg davon trugen, erstaunend mitgenommen worden sind, da sie sie am 15ten geflüchteten Schiffe nicht haben verfolgen können.

Seit 2 Tagen sind diese Schiffe unthätig, und scheinen vernichtet zu seyn.

Diesen Morgen erhielten wir Nachrichten von Alexandrien, die unsern Verlust bestätigen. Der Contre-Admiral Decrets ist getödtet, so wie der Vice-Admiral Blanquet Duchaila.

Der Tonnant war der letzte der sich schlug. Dupelit Thouars, der dieß Schiff kommandirte, verlor beyde Beine durch einen Kanonenschuß. Die geflüchteten Schiffe sind Wilhelm Tell, der . . . . die Fregatten die Diane und la Jüstice. Es heißt, es sey die Artemise, die vorgestern aufflog.

Es sind noch viele Dinge über diese Schlacht unbekannt. Man sagt, der englische Admiral habe ein Parlementarschiff nach Alexandrien geschickt, welches forderte, mir sollten seine Verwundeten, die bis zu fünfzehn hundert Mann steigen, aufnehmen und versorgen. Er gibt uns alle unsere Gefangenen wieder zurück. Ich weiß nicht, was entschieden werden wird.

In Frankreich wird man officiele Berichte von uns und den Engländern erhalten. Ich weiß nicht, was sie sagen werden, Du kannst aber sicher auf das rechnen, was ich Dir schreibe, weil ichs gesehen habe.


Theile der Bürgerin Corancez meinen Brief mit. Ihr Sohn enthält sich daher, ihr diese Details zu geben. Ich beschäftige ihn übrigens mit andern Sachen. Schon hat er sechs Briefe geschrieben und noch keinen erhalten. Ich habe noch keine Nachrichten von dem Bürger Mony, den ich zum Agenten zu Demanhur ernannt habe. Derancés, welcher krank war, ist wieder hergestellt und bey mir. Martin befindet sich sehr wohl, hat aber keine Sylbe Nachricht von seiner Familie. Ich bin der einzige glückliche, weil ich drey Briefe von Dir erhalten habe, seitdem ich in Ägypten bin. Sicher sind verschiedene verlohren gegangen, weil die Engländer uns viele Packete weggenommen haben.

Ich habe mein Portrait hier von einem geschickten Künstler, dem Bürger Denou machen lassen. Man findet es sehr ähnlich; wir haben aber so viele Engländer um uns, daß ich es Dir aus Furcht, es möchte nach England oder in den Meeresgrund gehen, nicht habe schicken wollen. Ich möchte es Dir gern selbst bringen. Sey versichert, daß ich abreisen werde, sobald ich die Erlaubniß, um die ich ohne Unterlaß bitten werde, dazu habe. Die glücklichste Aussicht soll mich nicht davon abhalten. Ich würde damit zufrieden seyn, selbst von allem entblößt zu Dir zu kommen.

Ich befinde mich übrigens sehr wohl. Morgen früh reise ich nach Cairo in einem schönen Fahrzeuge mit dem Schatz und dem Generalzahlmeister mit zwey Advisschiffen und einer Bedeckung von zwey hundert fünfzig Mann und mehr als vierzig Passagieren. Ich nehme ein prächtiges arabisches Pferd mit, das mir ein Scheik hier zum Geschenk gab. Wir reisen auf dem Nil. Adieu, meine liebe Kleine, liebe mich immer recht und empfiehl mich dem Andenken aller unserer Freunde. Ich umarme Dich und meine Kinder xc.

Poußielgue *).
*) Dieser Poußielque war vor diesem ein Kaufmann zu Marseille; da er aber ein Talent zur Intrigue hatte, so wurde er von dem Directorium auserkohren, welches häufig von seiner Feinheit Gebrauch machte, um die Malteser-Ritter zu bestechen und zu revolutioniren. Die neuliche Uebergabe dieser Insel beweiset nur zu deutlich, wie gut ihm seine Bemühungen gelangen. Er war indeß bey den Maltesern zu übel berüchtigt, als daß er hätte daran denken sollen, dort zu bleiben; und Bonaparte, welcher, wie der Kardinal Antici irgendwo bemerkt, "sich darauf versteht, Auszeichnungen zu ertheilen," beförderte zur Vergeltung seiner außerordentlichen Dienste ihn zu dem einträglichen Posten, in dem wir ihn hier finden.
Er ist offenbar ein sehr geschickter Mann; und sein Schreiben, welches wir hier dem Leser vorlegen, gibt eines der unerwartetsten Beyspiele von genauer Beobachtung und getreuer Darstellung, die wir und je erinnern, gefunden zu haben. Es ist vielen unserer Officiere, die bey dem Treffen gewesen sind, gezeigt worden; und sie stimmen alle darin überein, daß sie es für einen ganz vortrefflichen Aufsatz erkennen.
Poußielgue konnte den Scenen, die er so richtig und so umständlich beschreibt, nirgends näher kommen, als auf sieben (englische) Meilen; eine Bemerkung, die das gute Vorurtheil für Poußielgue noch bestärken muß.


Noch ein französischer Bericht über die Schlacht bei Aboukir, gegeben von Denon in dem ersten Bande seines Werkes über Aegypten.

"Als wir den Thurm erreicht hatten, der das Kloster beherrscht, entdeckten wir eine Flotte von 20 Segeln. Ankommen, sich in Schlachtordnung stellen, und angreifen, war das Werk einer Minute. Der erste Schuss fiel um 5 Uhr; bald darauf ward unsere Aussicht auf beide Flotten durch den Rauch unterbrochen. Als die Nacht einbrach, konnten wir die Gegenstände etwas besser unterscheiden, erhielten aber doch keine deutliche Idee von dem was eigentlich vorging. Die Gefahr, der wir ausgesetzt waren, in die Hände irgend einer herumstreifenden Truppe Beduinen zu fallen, war nicht im Stande, unsere Aufmerksamkeit von einer Scene abzuziehen, bei der wir so sehr interessirt waren. Das Feuer, das unaufhörlich aus den Mündungen der Kanonen strömte, gab zu erkennen, wie mörderisch das Gefecht, wie hartnäckig der Kampf auf beiden Seiten sey. Als wir nach Rosette zurück kamen, stiegen wir auf die Dächer der Häuser, und bemerkten um 10 Uhr eine starke Erleuchtung, woraus auf einen Brand zu schliessen war. Wenige Minuten nachher hörten wir einen fürchterlichen Knall, auf den eine tiefe Stille folgte. Da wir ein anhaltendes Feuer von den linken nach der rechten Seite zu, auf den in Flammen stehenden Gegenstand bemerkt hatten; so schlossen wir, dass diess ein feindliches Schiff seyn müsse, das von unsern Leuten in Brand gesteckt worden sey; und aus der erfolgten Stille folgerten wir, dass die Engländer sich zurück gezogen hätten; denn da unsere Schiffe vor Anker lagen, waren die Engländer ausschliesslich im Besitz der ganzen Bay, und konnten als nach Belieben den Kampf fortsetzen oder aufgeben. Um 11 Uhr hörten wir eine schwache Kanonade; aber um Mitternacht ward das Gefecht wieder allgemein, und dauerte bis 2 Uhr des Morgens. Bei Anbruch des Tages befand ich mich bei den Vorposten, und 10 Minuten nachher waren die Flotten wieder engagirt. Um 9 Uhr flog wieder ein Schiff auf. Um 10 Uhr spannten 4 Schiffe, die ich für französische erkannte -- die einzigen, die noch etwas leisten konnten -- ihre Segel weit aus, und verliessen das Schlachtfeld, in dessen Besitz sie zu seyn schienen, da sie weder angegriffen noch verfolgt wurden. So war das Phantom, das von enthusiastischer Hoffnung erzeugt war.

"Ich nahm hierauf meinen Standort auf dem Thurme zu Abumandur, und zählte 25 Schiffe, die zur Hälfte zertrümmert, und zur Hälfte unfähig waren, eine Bewegung zu machen, um jenen Beistand zu leisten. Drei Tage lang blieben wir in der peinlichsten Ungewissheit. Durch Hülfe meines Fernglases hatte ich eine Zeichnung der tragischen Scene entworfen, um am folgenden Tage desto richtiger urtheilen zu können, ob ein Wechsel vorgegangen sey. So gefielen wir uns in unserm Wahne, aller Evidenz zum Trotz, bis wir endlich durch die erfolgte Hemmung der Fahrt, und die Unterbrechung der Communication mit Alexandria, belehrt wurden, dass unsere Situation nicht mehr die vorige sey, und dass wir, von dem Mutterlande getrennt, die Einwohner einer entfernten Colonie geworden seyen, wo wir für unsere Subsistenz bis zum Frieden keine andere Hülfsquellen, als uns selbst, haben würden. Wir erfuhren, dass das erste in die Luft geflogene Schiff der l'Orient, und das andere der Hercule war; und dass die Capitains der Linienschiffe Guillaume Tell und Genereux, und der Fregatten la Diane und la Justice, als sie wahrnahmen, dass die übrigen Schiffe der Flotte in die Hände des Feindes gefallen seyen, einen Augenblick der Erschlaffung und Unthätigkeit auf Seiten der Engländer dazu benutzten, zu entkommen. Wir erfuhren endlich, dass der 1te August die Einheit unserer Operationen zerstört, und die Vernichtung unserer Flotte, wodurch der Glanz unsers Ruhms verdunkelt wurde, dem Feinde die Herrschaft über das mittelländische Meer zurück gegeben habe, -- eine Herrschaft, die ihm durch die beispiellosen Grossthaten unserer Heer entrissen worden war, und die nur durch die Existenz unserer Kriegsschiffe uns hätte gesichert werden können.


Nelson dankt dem Parlament für die erhaltene Dankaddresse wegen des Sieges bei Aboukir, in einem Schreiben an Henry Addington, Sprecher der Unterhauses.

"Vanguard, Palermo, den 31. Jänner 1799.

"Sir,

"Glauben Sie mir, ich fühle den Werth der grossen Belohnung, die mir von unserm Vaterlande durch seinen Dank zugedacht wurde, in seinem ganzen Umfange; haben Sie die Güte, bei dem hochzuverehrenden Hause der Dolmetscher meiner Gefühle zu seyn. Für die Dankbarkeit meiner braven Bürger, die mit mir in der Schlacht am Nil fochten, bin ich Bürge. Sie, Sir, haben mir die Resolutionen des Hauses auf eine so schmeichelhafte und elegante Art mitgetheilt, dass es mir an Worten fehlt, Ihnen meine Gefühle auszudrücken; seyn Sie aber überzeugt, dass ich stets mit Gesinnungen der reinsten Hochachtung und Verbindlichkeit seyn werde

"Ihr ergebenster Diener,
"Nelson."


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Europäische Annalen Jahrgang 1799.
  • Orginalbriefe von der Armee des Generals Bonaparte in Aegypten, nebst der Einleitung und den Anmerkungen des englischen Herausgebers. Nebst einer Charte von Aegypten.
  • Nelson's Leben nach dem Englischen des John Charnock. Bremen, bey Johann Heinrich Müller. 1807.