Sidney Smith

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Sidney Smith.

Sir Sidney Smith.

Dieser bekannte Englische Seeheld, Wilhelm Sidney Smith, ist der Sohn eines Hauptmanns, welcher in der Schlacht bei Minden Adjutant bei dem berüchtigten Germanie war, und durch sein Zeugniß diesem strafbaren Generals bei dem Kriegsgerichte durchhalf. Er ist in London, im Jahr 1764, gebohren.

Er besuchte die Trubridgeschule, wo der bekannte D. Vincentius Knox Unterricht ertheilte, aber nur kurze Zeit, denn das Verlangen, ein Seemann zu werden, trieb ihn frühe fort an Bord eines Kriegsschiffs. Die untern Stufen des Seedienstes durchlief er so schnell, daß er schon im 16. Jahre seines Alters zum fünften Lieutenant auf dem Alcides und im Jahr 1783 zum Postkapitain befördert wurde. Als im Jahr 1788 der Krieg zwischen Schweden und Rußland ausbrach, ging er, mit Erlaubniß der Englischen Regierung, in die Dienste Gustavs, von dem er ein angesehenes Kommando und zur Belohnung seines Wohlverhaltens, die Ritterwürde erhielt. Nach Endigung der Fehde ging Smith in sein Vaterland zurück, und machte dann Reisen in verschiedene Europäische Länder.

Eben war er in Italien, als die Nachricht erscholl, daß seine Landleute Toulon weggenommen hätten. Sofort eilte er zum Admiral Hood, und nahm als Freiwilliger Dienste auf dessen Flotte. Hood übertrug ihm, als Toulon geräumt werden mußte, das gefährliche, aber höchst wichtige Geschäft: das Zeughaus zu zerstören, die Schiffswerfte zu vernichten und die französischen Schiffe, die nicht fortzubringen wären, im Feuer aufgehen zu lassen. Smith vollzog diesen Auftrag mit solch einer Kühnheit und Geschicklichkeit, daß Hood, im Berichte an die Admiralität, demselben die größten Lobsprüche ertheilte. Officiell wurde er für die Erreichung des großen Nationalzwecks, um derentwillen man die Räumung von Toulon in England als einen Sieg betrachtete, gepriesen. Die Franzosen hingegen gaben ihm den Beinahmen l'Incendiaire.

Bei seiner Zurückkunft nach England erhielt er das Kommando der Fregatte Diemond. Mit dieser Fregatte richtete er an der Französischen Küste so vielen Schaden an, daß die Regierung es für nützlich hielt, ihm noch mehrere Schiffe zuzugeben. Wirklich that er auch mit diesem kleinen Geschwader der wesentliche Dienste: unter andern griff er bei Herquin eine Französische Convoi an, landete daselbst und zerstörte die aufgeworfenen Befestigungen. Um die nämliche Zeit schlich er sich auch mit seiner Fregatte allein in den Hafen von Brest, und kundschaftete die Stärke der dort liegende Flotte aus. Mehr seinem guten Glücke, als seiner Fertigkeit in der Französischen Sprache hatte er es zu danken, daß er aus dem Hafen wieder wohlbehalten entschlüpfte.

Doch dies gute Glück begleitete ihn nicht beständig bei seinen immer kühnern Unternehmungen. Auf einer Kreuzfahrt bei Havre de Grace, dessen Magazine er zu verbrennen die Absicht hatte, nahm er, am 18. April 1796, ein bewafnetes Fahrzeug in dem äussern Hafen hinweg, ward aber durch die Gewalt der Strömung, da die Fluth der Seine zugieng, gegen die Forts hingetrieben. Gleichwohl bestieg er das eroberte Schiff und versuchte, es am Schlepptau den Fluß herunterbringen zu lassen. Inzwischen entstand an der Küste Lärmen; es segelten mehrere französische Kanonierschalupen herbei, und umzingelten den verwegenen Smith. Eine Zeitlang wehrte er sich auf das hartnäckigste; am Ende mußte er sich mit drei seiner Offiziere und sechzehn seiner Leute zu Gefangenen ergeben.

Frohlockend, endlich einmal einen so gefürchteten Feind in die Hände bekommen zu haben, führten ihn die Franzosen nach Paris. Hier ward er in den Tempelthurm eingesperrt. -- Alle Versuche bei dem Direktorium, um ihn auswechseln oder auf sein Ehrenwort frei zu lassen, waren vergebens. Ja, eine Zeit über stand man im Begriff ihn als Kriegskundschafter und Mordbrenner zu behandeln. Wer hätte damals, als nach geschlossenem Frieden zu Campo Formio, Bonaparte siegprangend, ruhmtrunken und vergöttert in Paris auftrat, wer hätte es gedacht, daß der streng bewachte, engverhaftete Smith den Franzosen in wenigen Monden nach diesem Zeitpunkte, noch ungleich größern Schaden zufügen, und in einem fremden Welttheile sieggewohnten Helden die Lorbeern vom Haupte reißen würde?

Das Interesse, womit die Nachwelt ohne Zweifel mehr noch, als die Zeitgenossen, die geringsten Umstände von den Männern, welche die ersten Rollen in dem schrecklichen Trauerspiele der Revoluzion gehabt haben, aufsammeln wird, läßt mich hoffen, daß meine Leser vielleicht mit Vergnügen den Brief, oder vielmehr die Art Adresse, lesen werden, welchen Sir Sidney Smith an Bonaparte, mit Bleistift an die Mauern im Tempel schrieb, wo er eingesperrt saß, und der sich an Originalität so auszeichnet. -- an der Aechtheit desselben läßt sich um so weniger zweifeln, da vier Gefangene, die nach Sidney Smith in diesem Zimmer sassen, den Kerkermeister, bei ihrem Eintritte zum Zeugen riefen, daß diese Schrift vor ihrer Ankunft da gewesen wäre.

Der Kommodere Sidney Smith an den General Bonaparte.
Aus dem Tempel zu Paris, am 26. Oktober 1796.


"Das Glücksrad macht seltsame Revoluzionen; um aber den Namen Revoluzion zu verdienen, muss der Unschwung vollkommen seyn. Sie stehen jetzt so hoch, als Sie stehen können. Gut; ich beneide Ihnen ihr Glück nicht, weil ich das noch größere Glück habe, auf der Laufbahn des Glücks so niedrig zu stehen, als man herabsteigen kann, so daß ich, wenn diese launische Dame ihr Rad wieder drehet, durchaus hinaufsteigen muß; aus demselben Grunde müssen Sie aber herab."

"Ich mache Ihnen diese Bemerkung nicht in der Absicht, um Ihnen wehe zu thun, sondern um Ihnen denselben Trost zu geben, den ich fühle, wenn Sie auf denselben Punkt gekommen seyn werden, auf welchem ich stehe. Ja! auf welchem ich stehe. Sie werden einst dasselbe Gefängniß bewohnen. Warum nicht eben so gut, als ich? Ich habe eben so wenig daran gedacht, als Sie vielleicht daran denken, -- ehe ich hier eingesperrt wurde. In einem Partheikriege ist es in den Augen der Gegner ein Verbrechen, sein Pflicht gehörig zu thun; Sie thun sie jetzt, und sogleich schleifen Sie die Dolche Ihrer Feinde gegen sich. Sie werden mir antworten: "Ich fürchte Ihren verschworenen Haß nicht; die Stimme des Volks hat sich für mich erklärt." -- Ich weiß es wohl; so muß man sprechen. Schlafen Sie ruhig; und bald werden Sie erfahren, was man im Dienste eines solchen Herrn gewinnet. Dieser Unbeständige wird Sie, wenn nicht sogleich, doch wenigstens bald, für alles das Gute strafen, das Sie jetzt für ihn thun. Wer -- sagt ein alter Schriftsteller -- seine Hoffnung auf die öffentliche Freundschaft setzt, lebt selten ohne Unruhe und ohne Verdruß, und hat nie ein glückliches Ende genommen."

"Zwar brauche ich Ihnen nicht zu beweisen, daß Sie hieher kommen werden, weil dieses ja geschehen muß, wenn Sie diese Zeilen lesen sollen. Ohne Zweifel werden Sie dies Zimmer erhalten, weil der Kerkermeister, ein rechtschaffener Mann ist, und er Ihnen gewiß das beste Zimmer geben wird, wie er es mir gegeben hat." -- --


Wer hätte in dem Augenblicke, da dieser Brief geschrieben wurde, voraus sagen mögen, daß der Sieger von Lodi und Arcole das weitgreifende Projekt, das die Kühnheit seiner Einbildungskraft entworfen hatte, durch den thätigen Widerstand eines Mannes scheitern sehen würde, den er bei seiner Abreise aus Frankreich in den Fesseln hinterlassen hatte, und dessen bekannte Unerschrockenheit die Regierung zur äußersten Wachsamkeit aufforderte?

Und doch hat der Lauf der Dinge diese kaum geträumte Begebenheit gefügt. Smith wußte seinem Kerker zu entwischen, am hellen Tage durch die Straßen von Paris zu kommen, und sich mit Hülfe eines Ausgewanderten bis an die Seeküste zu stehlen.

Smith hat in der Folge selbst einen Bericht gegeben, wie er aus dem Tempel unter folgenden Umständen gerettet wurde.

Der Ingenieur-Oberste Philipeaux, der schon mehrere Mahle aus französischen Gefängnissen entkommen war, und zwar einmahl nur wenige Stunden vor dem ihm anberaumten Termin der Hinrichtung, begab sich im Jahr 1796 von neuem nach Paris, in der Absicht, den Sir Sidney Smith nebst dessen braven Freunde, dem Lieutenant Wright aus dem Thurme des Tempels zu befreien, weßhalb er gegenüber ein Zimmer miethete, aus welchem er sich mit dem Gefangenen durch Zeichen verständigte. endlich brach er mit Hülfe zweier Freunde in den Hofraum des Gefängnisses; die Schildwache wurde sie gewahr, machte Lärm und nöthigte sie zu flüchten.

Nach der Revolution am 10. Fruktidor wandte er sich nach der Schweiz. Hier hörte er, daß Sidney Smith hingerichtet werden sollte, und kehrte deßwegen nach Paris mit dem Entschlusse zurück, dessen Befreiung durch den Beistand zweier Freunde abermals zu versuchen. -- Zu diesem Ende bestellte er unterlegte Pferde auf zwei Landstrassen, und machte einen Befehl des Direktoriums nach, worin der Aufseher des Tempels beordert wurde, ihm den Sir Sidney Smith und Herrn Wright auszuliefern, damit sie beide nach der Konciergerie gebracht werden möchten. Philipeaux verkleidete sich dann sammt einem seiner Freunde in die Uniform der Nazionalgarde, zeigte den angeblichen Befehl vor, und da dieser auf der Stelle befolgt wurde, so übernahm er die vermeintlichen Schlachtopfer und ließ sie in seinen Fiacker steigen. Man weiß schon, daß der Kutscher eine Frau umfuhr, welches eine Menge Leute zusammenbrachte, die sich aber bloß mit dem Zufalle beschäftigten und den vier Fliehenden Zeit liessen, aus der Kutsche zu steigen und entfernte Nebenstrassen einzuschlagen. Nach zweimaliger Verirrung gelangten sie endlich vor die Barriere, wo sie ein Wagen erwartete, der sie nach der ersten Stazion brachte. Die stätigen Pferde, welche sie hier bekamen, zogen einen Haufen Leute herbei; daher verliessen die Flüchtigen (jetzt nur noch drei, nämlich Sir Sidney Smith, Philipeaux, und Wright) die Stadt zu Fuße, bis bessere Pferde nachkamen; von hier an erfuhren sie weiter kein Hinderniß bis nach Rouen. Hier mußten sie acht Tage lang verborgen bleiben. Endlich als sie in die Stadt wollten, nachdem die Nachtwachen schon auf ihren Posten waren, befragte man sie um ihre Nahmen. Sir Sidney Smith, der eine Dame aus der Stadt unterm Arme hatte, ging voran und kam nebst ihr und Herrn Wright glücklich durchs Pförtchen. Allein als Philipeaux durch wollte, faßte die Schildwache aus irgend einem Umstande Argwohn, und verlangte seinen Paß zu sehen. Dieser Vorfall zog einige Personen herbei; doch Sir Sidney Smith kehrte um und sagte zu dem Soldaten mit derjenigen Kaltblütigkeit, und Besonnenheit, die ihn so sehr auszeichnen: "Laßt ihn nur durch; er ist ein guter Büger; ich stehe für ihn." -- Sogleich ließ man Philipeaux durch. Tags darauf erreichten sie die Seeküste und kamen glücklich nach England hinüber.

Sir Sidney Smith, ein eben so guter Mensch, als vortreflicher Offizier, behandelte seinen Befreier wie einen Bruder. Sie waren immer beisammen; Philipeaux nahm in London den Namen Perrin an, unter welchem man ihn wegen seinem liebenswürdigen Charakter und seiner Unerschrockenheit überaus schätzte. -- Er begleitete Sir Sidney Smith nach Konstantinopel im Tiger und wurde auf seines Freundes Verwenden von der Pforte zum Obersten gemacht und erhielt ein Regiment. Man weiß, was für Dienste er vor Acre leistete. Aber seine von Natur zarte Constitution, die im Kerker zu Orleans gelitten hatte, konnte die Beschwerlichkeiten bei Vertheidigung einer belagerten Stadt nicht aushalten; er mußte in einem Alter von 32 Jahren einer geschwächten Constitution erliegen. Vielleicht ist nirgends ein so guter und braver Offizier zu finden, als er war!

Als Smith in sein Vaterland zurückkommt, erhält er zur Belohnung seiner Dienste das Kommando des Tigers, eines den Franzosen abgenommenen Linienschiffes von 80 Kanonen. Mit diesem Schiffe begiebt er sich zu Ende des Jahrs 1798 nach Konstantinopel und übernimmt dann, nachdem er in Verbindung mit seinem Bruder, dem Brittischen Gesandten allda, die gehörigen Einleitungen zur Bekämpfung der Franzosen in Egypten getroffen hatte, den 3. März 1799 den Oberbefehl über das kleine Englisch-Türkische Geschwader an der Syrischen und Egyptischen Küste.

Wachsam kreuzt er damit in jenen Gewässern herum, und ist auch so glücklich mehrere französische Zufuhrsschiffe aufzufangen, unter andern am 16. März desselben Jahrs, Eidaus gesammte Flottille, welche dem Bonapartischen Heere zur Belagerung der Stadt Acre (St. Jean d' Acre) vier und vierzig Stück schweren Geschützes und andere Bedürfnisse zuführen sollte.

Im Vertrauen alle diese Erfordernisse richtig anzutreffen, erscheint Bonaparte vor der Festung; aber wie muß sein Erstaunen gewesen seyn, als er sich von seinem eigenen Geschütze beschossen, als er seinen Schul- und Stubenfreund, den kunsterfahrnen Ritter Philipeaux, an der Spitze der Vertheidigung sah! Smith hatte nämlich diesen Mann zum Ober-Ingenieur in Acre gemacht, und jene erbeutete 44 Kanonen unverzüglich, theils auf die Wälle der Festung, theils auf Kanonenboote bringen lassen, womit er die linke Flanke der Belagerer bestrich. Ungeachtet Perree auf drei Fregatten den Franzosen neue Belagerungsbedürfnisse gebrachte; ungeachtet Bonaparte zwölfmal gestürmt, und 56 Tage lang die Belagerung getrieben hatte, so mußte er sie doch am 21. Mai 1799 aufgeben, und sah sich durch die Kunst eines Seeoffiziers gezwungen, sein eigenes Lager in Brand zu stecken, zwei Mörser und 25 Kanonen zu hinterlassen, und seinen Rückzug durch die brennenden Wüsten Syriens anzutreten. -- In wenigen Momenten der Weltgeschichte hatte das Schicksal so augenscheinlich die Hand im Spiel, wie bei der Verkettung dieser Begebenheiten, durch welche eine ungeheure Revoluzion, die Asiens Gestalt verändert haben würde -- wenigstens aufgehalten, und in sofern Bonaparte sie bewirken wollte, verhindert wurde.

Auf dem Hute Sidneys prangt nun, wie auf den Hüten Nelsons und Uschakow's ein Reigerbusch von Edelsteinen strahlend, ein Großherrliches Dank- und Ehren-Zeichen, das der junge Held in jedem Betrachte verdient hat. Seine nimmermüde Thätigkeit, seine begeisternde Anfeurungsgabe, und seine überkühne Entschlossenheit sind es, welche die Rettung Acre's und die Niederlage des Bonapartischen Heeres zugeschrieben werden muß. Als er zu Acre angekommen war, erklärte ihm, aus Furcht vor den Mamelucken-Verscheuhern, der 80 jährige Ghezar Pascha: er sey gesonnen, die Stadt zu räumen, die Engländer möchten aber sein Harem und seine Schätze in Sicherheit bringen. Smith versprach dieß, bestand aber darauf, Ghezar müsse, ehe er abreise, die Festung unterminiren, damit der Feind keine Freistätte daselbst finden könne. Sobald aber die Minen zu Stande gebracht waren, sprach der entschlossene Britte aus einem andern Tone. -- "Pascha! die Minen sind für, aber auch gegen dich gerichtet, wenn du so feig seyn solltest, aus der Festung zu fliehen." -- Aus Angst faßte Ghezar Muth.

So wenigstens wird von einigen erzählt; andere geben an, und diese Variante hat allerdings in jedem Betracht mehr Zusammenhang, Ghezar habe Sidney seine Minen gezeigt, und dabei erklärt, auch wenn die Unglaubigen siegen sollten, würde er sie springen lassen, um sich mit seinen Feinden unter den Trümmern von Acre zu begraben. Das Bonaparte Ghezarn ohne Sidney besiegt haben würde, ist in jeden Falle weniger zu bezweifeln, als ob Ghezar alsdann ein solches Versprechen gehalten hätte. Immer also war er der einzige Mann, der den glänzendsten Ruhm unserer Zeit an einer Festung, welche für Europa kaum diesen Namen verdiente, scheitern machte. In dem einzigen Mann fand sich der ganze tiefe Nazional-Haß konzentrirt, der hier jene Kraft gebahr, welche das Unmögliche möglich macht.

Zum Schlusse werden noch folgende paar Anekdoten von diesem außerordentlichen Manne nicht ohne Interesse gelesen werden.

Dieser bekannte Seeheld besuchte Tunbridge-Schule, den Ort seiner frühern Jugenderziehung. Doctor Knox behandelte seinen tapfern Schüler mit aller der seinem ausgezeigneten Muthe schuldigen Achtung. Sir Sidney konnte nicht umhin, Doctor Knox zu erinnern, daß er ihn öfters in der Schule hätte züchtigen lassen, weil er immer mit Schießpulver gespielt habe. -- So zeigten sich schon in der Kindheit die ersten Keime eines in der Folge so rühmlich entwickelten Genies.

Sir Sidney hat dem bekannten Kammerdiener des unglücklichen Ludwigs, Clery, noch einen rührenden Zug von der königlichen Prinzessin von Frankreich, mitgetheilt. Er saß bekanntlich in dem kleinern Thurme des Tempels, gerade in der Kammer gefangen, welche der königlichen Prinzessin zum Aufenthalte diente, nachdem man sie von ihrer unglücklichen Mutter gerissen hatte. Er war eine Nacht in seiner gewöhnlichen Einsamkeit, und ohne irgend einen Gegenstand, der seine Seele beschäftigten, oder seine Aufmerksamkeit fesseln konnte. In diesem Zustande fielen von ungefähr seine Augen auf ein Brett des Tafelwerks des Zimmers, worauf er etwas Gekritzeltes, das einer Handschrift glich, wahrnahm. Als er es näher untersuchte, konnte er mit einiger Mühe hier und da auf dem Getäfel, mehrere Zeilen lesen, die nicht mit einem Bleistifte, sondern mit dem Kopfe einer Nadel geschrieben zu seyn schienen. Sie lauteten so in der Uebersetzung aus dem Französischen: "Maria Theresia (hier war das Datum) vierzehn Jahr und zehn Monathe alt, vier Fuß, zehn Zoll hoch. Der Tempel-Thurm ist so schlimm als die Hölle. -- Maria Theresia war melancholisch, Tag und Nacht, und in ihren Träumen -- Maria Theresia konnte keine Nachrichten von ihrer guten Mama hören, die sie vom ganzen Herzen liebte. Sie that bei einem jeden, den sie sehen konnte, Nachfragen; aber nicht einer wollte sich mit ihr unterreden."


Worte Napoleons.

Er sprach dann von Sir Sydney Smith. "Sydney Smith, sagte er, ist ein braver Offizier. Er bewies besondere Geschicklichkeit in den Verhandlungen wegen der Räumung Aegyptens von den Franzosen. Er zog Vortheil aus dem Misvergnügen, welches unter den französischen Truppen herrschte, da sie so lange von Frankreich weg waren, und aus anderen Umständen. Er bewies großes Ehrgefühl darin, daß er dem General Kleber die abschlägliche Antwort von Lord Keith, den Vertrag zu ratifiziren, sogleich zuschickte und dadurch die französische Armee rettete. Hätte er sie 7 oder 8 Tage länger verborgen gehalten, so wäre Kairo den Türken übergeben gewesen, und die französische Armee durchaus in die Nothwendigkeit versetzt worden, sich den Engländern zu ergeben. Er zeigte auch in seinem Verfahren gegen alle Franzosen, die in seine Hände fielen, große Menschlichkeit und Ehre. Er landete zu Havre, aus einer soltise oder einer Wette, die er gemachte hatte, ins Theater zu gehen, wie einige behaupten; andere sagen; um den Kundschafter zu machen; wie dem auch sey, er wurde gefangen genommen und als ein Spion in den Tempel geperrt, und zu einer Zeit war man gar willens ihn zu verhören und hinzurichten. Kurz nachdem ich aus Italien zurückkehrte, schrieb er an mich aus seinem Gefängnisse, um mich für ihn zu verwenden, aber unter den Umständen, unter welchen er gefangen genommen worden war, konnte ich nichts für ihn thun. Er ist thätig, geistreich, ränkevoll und unermüdlich; aber ich glaube, er ist ein halber Narr."

Ich fragte ihn, ob Sir Sydney nicht große Geschicklichkeit und Tapferkeit zu Acre bewiesen habe? Napoleon erwiederte: "Ja, die Hauptursache des Mislingens war, daß er allen Batterie-Train wegnahm, den ich an Bord verschiedener kleiner Schiffe hatte. Ohne diesen Unfall hätte ich trotz seiner Acre genommen. Die Verstärkung von 4 bis 500 Seesoldaten als Kanoniere war ein großer Vortheil für die Türken, deren Muth wieder auflebte und denen sie zeigten, wie man die Festung vertheidigen müsse. Aber er beging den großen Fehler, Ausfälle zu machen, welche 2 bis 300 braven Kerls das Leben kostete, ohne die Möglichkeit eines Erfolges; denn gegen die Menge Franzosen, die vor Acre lagen, konnte er nichts ausrichten. Ich wollte wetten, er hätte seine halbe Mannschaft verloren. Er streute Proklamationen unter meine Truppen aus, die einige zum Abfall bewegten; ich erklärte ihn meiner Seits für toll und verbat mir alle weitere Verbindung. Nach einigen Tagen schickte er mir eine Ausforderung, worüber ich lachte, und ihm andeuten ließ, daß wenn er Marlborough brächte mit mir zu fechten, so wollte ich es annehmen. Dennoch gefällt mir der Charakter dieses Mannes."


Quellen und Literatur.

  • Charakterzüge und interessante Szenen aus dem Leben denkwürdiger Personen der gegenwärtigen und verflossenen Zeiten. Herausgegeben von Julius Gustav Meißner. Wien, 1800. Im Verlage bei Anton Doll.
  • Interessante Lebensgemälde der denkwürdigsten Personen des achtzehnten Jahrhunderts von Samuel Baur, Prediger in dem Dorfe Göttingen, ohnweit Ulm. Leipzig, bei Voss und Compagnie 1806.
  • Napoleon in der Verbannung, oder Eine Stimme aus St. Helena. Meinungen und Bemerkungen Napoleons über die wichtigsten Begebenheiten seines Lebens und seiner Herrschaft mit seinen eigenen Worten. Von Barry E. O' Meara, Esq. seinem gewesenen Wundarzte. Nach dem Englischen bearbeitet von Friedrich Schott. Dresden, 1822. Paul Gottlob Hilscher.