Treffen von Champaubert, Montmirail, Château-Thierry und Vauchamps

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Champeaubert (Gefechte und Rückzug von).

Weil mit der Niederlage des Generals Alsufiew bei Champeaubert, bei der Invasion in Frankreich, im Februar 1814, die unglückliche Periode begann, in welcher die Armee des F. M. Blücher einzeln angegriffen und geschlagen, und mit einem Verluste von 15,000 Mann und vielem Geschütz bis hinter die Marne zurückgedrängt ward, fassen wir das gedachte Gefecht, so wie die von Montmirail, Joinvillers und Eloges unter diesem Collectivnamen.

Die schlesische Armee, nach der Schlacht von Brienne (s. d. Art.) (2ten Februar) bestimmt, über Chalons längs der Marne gegen Paris vorzudringen, während das Hauptheer über Troyes die Seine entlang vorrückte, hatte am 5ten Febr. Chalons genommen. Da das Eintreffen des Armeecorps von Kleist und von Kapzewitsch zum 10ten Febr. zu erwarten stand, so beschloß der Feldmarschall, wo möglich Macdonald, der über Epernay zurückging, von Paris abzuschneiden, und dann alle seine Kräfte in der Gegend von la Ferté vereinigt, selbst dagegen vordringen.

Bonaparte ließ auf die Nachricht von der Gefahr, welche Macdonald drohte, 3 seiner Corps gegen das Hauptheer an der Seine stehen, und eilte mit den Garden und allen übrigen disponiblen Truppen so schnell nach der Marne, daß er am 9ten Febr. in Sezanne, also in der linken Flanke der schlesischen Armee, eintraf. Der Feldmarschall, das Gefährliche seiner Lage bei seiner Aufstellung erwägend, gab nun zwar gleich Befehle zur Vereinigung, sie konnte aber bei Bonaparte's lebhaftem Drängen erst später, nach großen Verlusten, hinter der Marne bewirkt werden.


Gefecht bei Champeaubert am 10ten Februar.

Von Sezanne aus vorrückend, stieß Bonaparte zuerst auf das Corps von Alsufiew, das sich 5000 Mann stark mit 25 Kanonen zwischen Baye und Champeaubert aufgestellt hatte; während es in der Fronte beschäftigt ward, umging ein Theil der Garde Baye und nahm es um ein Uhr Nachmittags; eine Stunde später entwickelten sich in der Ebene zwischen beiden Dörfern 5 bis 6000 Mann Garde-Cavallerie, eine andere Abtheilung versuchte Champeaubert rechts zu umgehen. Der General Alsufiew, für seine Rückzugslinie nach Chalons besorgt, sendete seine Artillerie zurück, und rückte - wahrscheinlich um ihren Rückzug zu decken, - dem Feinde in der Ebene entgegen. Dieses Manövre führte schnell die Niederlage des Corps herbei; Champeaubert ward in seinem Rücken genommen, der größte Theil des zurückgeschickten Geschützes erobert, die von allen Seiten angegriffenen Quarrés gesprengt; 3000 Mann waren theils getödtet, theils gefangen (unter den letztern der General Alsufiew nebst fast allen übrigen Generalen), 15 Kanonen und die sämmtliche Bagage wurden genommen.

Die französische Hauptmacht blieb bei Champeaubert; zwei Divisionen Cavallerie nahmen Montmirail, wohin die Corps von Sacken und York noch im Marsch begriffen waren.

Die Corps von Kleist und Kapzewitsch waren nach Fere Champenoise vorgegangen; der Feldmarschall ließ sie aber, als er am Abend Nachricht von jenem Gefechte erhielt, zur Deckung von Chalons nach Bergeres zurückmarschiren.


Gefecht bei Montmirail am 11. Februar.

Der General Sacken erhielt am Morgen die Nachricht, das Montmirail vom Feinde besetzt sey, und in der Erwartung, vom General York unterstützt zu werden, beschloß er, ihn anzugreifen. Das Gefecht begann beim Dorfe Marchais, und dauerte mit vieler Heftigkeit, bis es den Russen gelang, Blessines zu erobern.

Während nun Marchais dreimal genommen und wieder verloren ward, dirigirte Bonaparte zur Umgehung des feindlichen rechten Flügels eine Division gegen Epine au bois, andere Massen entwickelten sich unter dem Schutze eines Gehölzes gegen den linken Flügel und strebten die Straße nach Chateau Thierry zu gewinnen; jetzt eroberten die Franzosen auch nach einem überaus heftigen Gefechte Blessines zurück; Epine au bois ward von ihnen trotz des Feuers aus 40 Kanonen ebenfalls genommen, sie drangen überall ungestüm vor, und der russische rechte Flügel war bereits umgangen.

Unter diesen Umständen ward der Rückzug der Russen nothwendig, und der General Sacken faßte den Entschluß, seinen Rückzug auf der Straße von Chateau Thierry hin, zu nehmen, und sich so disseits der Marne mit York zu vereinigen; seine Truppen mußten aber in den grundlosen Feldwegen und ganz aufgeweichten Feldern, links nach jener Straße hinmarschiren, wo sie denn, vom Feinde lebhaft gedrängt, der völligen Auflösung nahe kamen.

Bei dieser Lage der Dinge traf ein Theil des Yorkischen Corps bei Fontenelles ein, und die Entschlossenheit ihres Führers rettete die Russen von ihrem gänzlichen Untergange. Der General York dirigirte sogleich eine Brigade in des Feindes linke Flanke gegen Blessines; sie rückte bis auf einige hundert Schritt davon unter dem heftigsten Feuer vor, mußte aber den Angriff aufgeben, da die Russen in diesem Momente ganz überwältigt zurückgingen. Sie zog sich deßhalb in ihre erste Aufstellung beim Vorwerke les Journeux, den Rücken nach der Straße von Montmirail, zurück, vom Feinde verfolgt, der sich im Nachdrängen eines dabei liegenden Gehölzes bemächtigte und es stark besetzte. Nach entschlossenem Widerstande ward er daraus vertrieben, ja die so sehr geschmolzene Brigade ging noch einmal vorwärts, drang bis zu den den Russen abgenommenen Geschützen vor, konnte sie aber nicht mit fortbringen und mußte der feindliche Uebermacht weichen, worauf die Nacht das Gefecht beendigte.

Die Preußen zogen sich, von ihrer Cavallerie gedeckt, bis hinter Viffort zurück.

Der Angriff jener tapfern Brigade, die sich vom linken französischen Flügel zwischen die Fechtenden schob, erreichte zwar in sofern seinen Zweck, als sich der größte Theil des Feindes, von den Russen ablassend, gegen sie wendete; es blieben dem Gegner indessen noch Truppen übrig, um jene über das Feld hinflüchtenden lebhaft zu verfolgen, und ihnen bedeutende Verluste beizubringen; der russ. preuß. Verlust war sehr bedeutend.

Die Franzosen lagerten auf dem Schlachtfelde. Bonaparte rückte am Morgen des 12ten in zwei Colonnen vor.

Um den übrigen Truppen Zeit zum Uebergange über die Marne zu geben, vertheidigten sich die beiden hinter Viffort aufgestellten Brigaden eine Stunde lang, und zogen sich dann stark gedrängt und nicht ohne schweren Verlust, zurück; zwei russische Infanterieregimenter auf den Höhen vor Chateau Thierry aufgestellt, wurden von der französischen Cavallerie größtentheils vernichtet; die Corps von York und Sacken zogen sich darauf auf der Straße nach Soissons bis Oulchy la Ville; der Feind arbeitete an einer Brücke über die Marne.

Der Feldmarschall, der während deß mit dem Corps von Kleist und Kapzewitsch bei Bergeres geblieben war, und wahrscheinlich in der Meinung stand, Bonaparte, vom General York und Sacken zurückgewiesen, lasse nur das Corps von Marmont bei Etoges stehen, um seinen Marsch nach Sezanne zu decken, beschloß am 13ten dieses anzugreifen, gegen Montmirail, wo er jene Corps vermuthete, vorzugehen, und so die Vereinigung der Armee zu bewerkstelligen. Etoges ward von der feindlichen Arriergarde nur so lange gehalten, bis die Infanterie abmarschirt war; man rückte dann, ohne Widerstand zu finden, bis Champeaubert; die Vordertruppen bis gegen Fromentieres, wo das Gros des Feindes lagerte.


Gefecht bei Joinvillers.

Am Morgen des 14ten Februars, in der angenommenen Richtung vorgerückt, fand die Avantgarde erst bei Joinvillers Widerstand. Bonaparte hatte sich früh von Chateau Thierry aus selbst darin begeben und den größern Theil seiner Truppen dahin zurückgerufen; das Dorf war von ihnen besetzt. Die Kanonade begann und bald ward Joinvillers von einem Theile der 11ten Brigade genommen. Indessen bemerkte man, daß starke feindliche Colonnen sich gegen den linken Flügel wendeten, der deßhalb verstärkt wurde; zugleich ward gemeldet, daß bedeutende Cavalleriemassen (Grouchy) den rechten Flügel zu umgehen suchten. Ehe dagegen etwas unternommen werden konnte, drang der Feind rasch vorwärts und eroberte das Dorf wieder; die daraus zurückgeworfene Infanterie ward von einer feindlichen Cavalleriemasse, die es umgangen, unerwartet umzingelt und erlitt großen Verlust; eben so ward die Cavallerie des linken Flügels bis an ihre Infanterie zurückgedrängt.

Während dieses Gefechts der Vordertruppen war das Gros eingetroffen, das Corps von Kleist bildete den rechten, das von Kapzewitsch den linken Flügel; bedeutende feindliche Colonnen bewegten sich sogleich gegen beide, besonders verfolgte Grouchy seinen schon angegebenen Zweck.

Der Feldmarschall verkannte seine Lage nicht und beschloß sofort den Rückzug; die Infanterie formirte Massen, die Batterien zwischen sich, die Cavallerie auf den Flügeln. So war die Armee unter beständigem Gefechte durch Champeaubert (das von einem Bataillon aufs äußerste gehalten werden sollte, um Zeit zu gewinnen) bis gegen den Wald von Etoges gekommen, wo abgebrochen werden mußte, weil die enge Straße den Marsch in Colonnen nicht gestattete; hier standen aber 6000 Mann Cavallerie unter Grouchy auf und neben der großen Straße, den Rückzug gänzlich abschneidend; es blieb nichts übrig, als sich durchzuschlagen. Die Artillerie beschoß den Feind, dem sein Geschütz nicht hatte folgen können, nachdrücklich; die Cavallerie warf sein erstes Treffen, ward aber vom zweiten gedrängt und rettete sich in den Wald; das Fußvolk aber, in geschlossenen Massen auf der großen Straße vorrückend, zwang den Feind, diese zu verlassen. Vergeblich versuchte er wiederholte wüthende Flankenangriffe, die Colonnen zu durchbrechen, keine einzige ward zersprengt; so erreichte Alles den Wald, und die Dunkelheit beendigte hier das Gefecht.

Der Rückzug nach Bergeres ward fortgesetzt, die zur Arrieregarde bestimmte 8te russische Infanteriedivision folgte dem Corps, gleichfalls enge zusammen geschlossen, auf der großen Straße; aber nochmals erschienen feindliche Massen - auf nähern Wegen dahin geleitet - bei Etoges, und wenn schon die Hauptcorps ihren Marsch ungestört fortsetzen konnten, so ward doch die Arrieregarde, von Grouchy's Cavallerie in den Flanken, von der Infanterie des Marmontschen Corps in der Front angegriffen, größtentheils zersprengt und gefangen; die sehr geschwächte Armee, um 10 Uhr des Abends bei Bergeres angelangt, lagerte daselbst.

Am 15ten Febr. des Morgens rückte die Armen unter dem Schutze ihrer gesammten Cavallerie nach Chalons, und lagerte jenseits der Stadt, die Vorposten in Isibin und Epernay.

Die Corps von York und Sacken, die am 13ten nach Fismes und la Fere en Tardenois, am 14ten nach Rheims und Jonchery, am 15ten nach Petites Loges marschirt waren, trafen am 16ten bei Chalons ein, wodurch die schlesische Armee wieder vereinigt war. Ueberall vereinzelt von unverhältnißmäßiger Uebermacht angegriffen, hatte sie im Laufe dieser unheilvollen sechs Tage an 15,000 Mann und einen großen Theil ihrer Artillerie verloren, aber zugleich in diesen Tagen des Unglücks einen großen Charakter entwickelt und sich mit Ruhm bedeckt.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.