Treffen von Dego

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Kampf bei Dego.

Der 15. April 1796.

Die verbreitete Meinung, dass Buonaparte sich Genuas bemächtigen wolle, bestimmte Beaulieu in die Riviera vorzudringen, und die Bochetta und Voltri zu besetzen, um die Franzosen von der Verbindung mit Genua abzuschneiden. Buonaparte auf mehreren Punkten bedroht und angegriffen, beschloss der völligen Ausführung der Operationen durch eigenen Angriff zuvorzukommen. Durch unverhältnissmässige Uibermacht gelang er ihm, Argenteau bei Montenotte und Provera bei Corseria zu schlagen. Die Franzosen, auch bei Dego Sieger, standen 20,000 Mann stark bei diesem Orte am 15. April im Lager. Eine Stunde von da in Miholio kam Oberst Vukasovich am Morgen dieses Tages mit 5 Bataillons an. Unbekannt mit den Vorfallenheiten des vorigen Tages wurde er durch die auf dem Wahlplatze liegenden Todten, und zu ihm stossenden Flüchtlinge davon bald unterrichtet. Da fasste der Tapfere einen schnellen Entschluss. Er warf sich ungestüm mit seinen 2800 Mann auf die durch den Sieg sicher gemachten, keinen Angriff vermuthenden, sorglos lagernden Feinde. Alles wurde mit dem Bajonett niedergestossen, und in wenigen Minuten 19 Canonen und 28 Munitionskarren genommen, und 700 Gefangene gemacht. Massena bemühte sich seine Truppen zu sammeln. Aber alle Angriffe desselben wurden zurückgeschlagen. So währte der seltene Kampf bis 1 Uhr Nachmittag, wo Buonaparte selbst mit einigen Halbbrigaden ankam. In erneuerten beharrlichen Kampfe musste das Heldenhäuflein, von aller Unterstützung entblösst, sich sehr vermindern. Es blieb den Uiberlebenden nichts, als ein muthiges Durchschlagen übrig, welches so gut gelang, dass sie noch im Stande waren, von den gemachten Gefangenen 300 mit zurückzubringen.


Le Mémorial de Sainte-Hélène.

VI. Treffen bei Dego, den 15ten April.

Mitlerweile kam eine Division östreichischer Grenadiere, welche von Voltri her über Sassello ihre Richtung hatte nehmen müssen, Morgens um drei Uhr in Dego an. Diese Stellung war nur noch von Vorposten besezt. Die Grenadiere nahmen mithin das Dorf mit leichter Mühe hinweg, und es entstand darüber im französischen Hauptquartier ein großer Lärmen, weil man nicht wohl begreifen konnte, wie es möglich war, daß die Feinde in Dego stünden, während wir Vorposten auf der Straße von Acqui hatten. Nach einem sehr hitzigen zweistündigen Gefechte wurde Dego wieder erobert, und die feindliche Division beinahe ganz gefangen genommen.

Wir verloren bei diesen Vorfällen den General Banel in Millesimo, und den General de Cauße in Dego. Diese beiden Generale besaßen die glänzendste Tapferkeit; sie kamen beide von der Armee der östlichen Pyrenäen, und man wußte, daß alle Offiziere, welche von dieser Armee herkamen, durch Ungestüm im Angriff und Muth sich auszeichneten. In dem Dorfe Dego fiel Napoleon zum erstenmal ein Bataillonschef auf, den er zum Obersten machte; es war Lannes, welcher nachher Reichs-Marschall, Herzog von Montebello wurde, und in welchem sich die größten Talente entwickelten. Man wird in der Folge sehen, wie er beständig an allen wichtigen Kriegsvorfällen den größten Antheil hatte.

Der französische General richtete seine Operationen gegen Colli und den König von Sardinien, und begnügte sich damit, die Oestreicher blos im Schach zu halten. Laharpe mußte bei Dego zur Beobachtung stehen bleiben, um unsern Rücken zu decken und um Beaulieu, der, sehr geschwächt, sich blos mit Wiederzusammenziehung und Wiederorganisirung der Trümmer seiner Armee beschäftigte, zurückzuhalten.

Da die Division Laharpe genöthigt war, mehrere Tage hindurch in dieser Stellung zu bleiben, so litt sie sehr durch den Mangel an Lebensmitteln, weil es an Transportmitteln fehlte, und das Land durch den Aufenthalt so vieler Truppen erschöpft war; auch entstanden daraus einige Unordnungen.

Serrurier hatte in Garessio von den Schlachten von Montenotte und Millesimo Nachricht erhalten, sezte sich in Bewegung, bemächtigte sich der Anhöhe von St. Jean, und besezte Ceva an demselben Tage, an welchem Augereau auf den Anhöhen von Monte-Zemoto erschien.

Am 17ten räumte Colli, nach einigen unbedeutenden Gefechten, Ceva, nebst den Anhöhen von Monte-Zemoto, und zog sich hinter die Cursaglia zurück. An demselben Tage verlegte der Obergeneral sein Hauptquartier nach Ceva. Der Feind hatte hier seine ganze Artillerie im Stiche gelassen, weil er nicht mehr Zeit dazu gehabt hatte, sie mit sich fortzunehmen, und sich damit begnügt, in das Schloß Besatzung zu legen.

Es war ein herrlicher Anblick, diese Ankunft der Armee auf den Anhöhen von Monte-Zemoto; man sah von hier die unermeßlichen und fruchtbaren Ebenen von Piemont. In der Ferne schlängelte sich der Po, der Tanaro und eine Menge anderer Flüsse; eine weiße Einfassung von Schnee und Eis, in einer ungeheuren Höhe, begränzte am äußersten Horizont dieses reiche Becken das gelobten Landes. Diese riesenmäßigen Schranken, gleich den Gränzen einer andern Welt, fest durch die Natur, noch fester durch die Kunst, - sie waren wie durch Zauberei gefallen! "Hannibal überstieg die Alpen," sagte der französische General, indem er seine Blicke gegen diese Berge erhob; "wir dagegen, wir haben sie umgangen." Ein glücklicher Ausdruck, der mit zwei Worten den ganzen Gedanken und zugleich das Resultat des Feldzugs aussprach!

Die Armee ging über den Tanaro. Zum erstenmale befanden wir und völlig in der Ebene, und von nun an konnte uns die Cavalerie von einigem Nutzen seyn. Der General Stengel, welcher dieselbe kommandirte, ging bei Lezegno über die Cursaglia, und durchstrich die Ebene.

Das Hauptquartier wurde nach dem Schlosse von Lezegno verlegt, auf dem rechten Ufer der Cursaglia, ganz nahe bei ihrem Einfluß in den Tanaro.



> > > VII. Gefecht bei St. Michel, Schlacht von Mondovi am 20sten und 22sten April. > > >


Schreiben von Masséna.

Im Lager von Dego, den 27ſten Germinal d. J. 4. (d. 16. April 1796.)


An Denſelben.

Der geſtrige Tag war ſehr heiß, ſehr ermüdend, aber ſehr ruhmvoll für die Waffen der Republik.

Vor Tagesanbruch griff der Feind, der zahlreiche Verſtärkungen erhalten hatte, alle Poſten von Dego an, deren wir uns Tages zuvor bemächtigt hatten. Der Widerſtand war äußerſt hartnäckig; allein nach fünfſtündigem Gefechte wurden unſere Truppen ungeachtet ihrer großen Tapferkeit genöthigt, alle Stellungen, die ſie beſetzt hielten, zu räumen; ſie nahmen ihren Rückzug auf der Linie, die wir am erſten Tage eingenommen hatten.

Ich traf Anſtalten, von Neuem anzugreifen und beſchäftigte inmittelſt den Feind durch eine große Anzahl Tirailleurs. Nachdem die Verſtärkung, die ich von Ihnen erbeten hatte, eingetroffen war, ward der Angriff allgemein. Schrecklich war das Feuer von beiden Seiten; nie war ein Kampf hartnäckiger; endlich war der Feind, angegriffen von allen Seiten, genöthigt, der republicaniſchen Tapferkeit zu weichen und ſeinerſeits alle Redouten, deren er ſich bemächtigt hatte, zu verlaſſen. Seine Niederlage war vollſtändig; auf ſeiner Flucht ward er von der Cavallerie mit Ungeſtüm angegriffen; Alles, was ſich nicht ergeben wollte, ward niedergehauen; ſein Verluſt iſt äußerſt beträchtlich, ſowohl an Todten und Verwundeten, als an Gefangenen. Die Zahl der letzteren beträgt mehr als 3000. Unſer Verluſt iſt nach Verhältniß von wenigem Belange. Wir haben den Tod des Generals Cauſſe, des Adjutanten Peyre und mehrerer andern tapfern Krieger zu beklagen. Die Brigadechefs Rondeau und Dupuis ſind verwundet, der erſtere am Bein und der letztere am Arme.

Die Truppen verdienen das größte Lob; allenthalben haben die die heldenmüthigſte Unerſchrockenheit bewieſen. Der Brigadegeneral Beaumont, Befehlshaber der Artillerie, Ihr Adjutant Murat und der Generaladjutant Vignolle, Souschef des Generalſtabes, haben ſich beſonders dadurch ausgezeichnet, daß ſie den Feind zuerſt und kraftvoll angriffen.

Der Erfolg dieſes Tages iſt der Unerſchrockenheit der Truppen und der Verſtärkung, die Sie mir geſchickt haben, zu verdanken.

Ich werde Ihnen, General, die glänzenden Thaten anzeigen, welche dieſen Tag und unſere Republicaner ehren und die Gebliebenen unſterblich machen. Ihr Andenken muß in den Jahrbüchern der Geſchichte aufbewahrt werden.

Maſſena.


Quellen und Literatur.

  • Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.
  • Denkwürdigkeiten von Sanct-Helena, oder Tagebuch, in welchem alles, was Napoleon in einem Zeitraume von achtzehn Monaten gesprochen und gethan hat, Tag für Tag aufgezeichnet ist. Von dem Grafen von Las Cases. Stuttgart und Tübingen in der J. G. Gotta'schen Buchhandlung. 1823.
  • Ungedruckte amtliche und vertrauliche Correspondenz Napoleon Bonaparte's mit fremden Höfen, Fürsten, Ministern, französischen und auswärtigen Generalen in Italien, Deutschland und Aegypten. Leipzig, 1819. J. C. Hinrichssche Buchhandlung.