Treffen von Laon

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Laon, eine Stadt im französischen Departement de l'Aisne, auf einer steilen Höhe gelegen, mit 1625 Feuerstellen und 6091 Einwohnern, welche wichtige Manufacturen in Hüten, Strümpfen, Leder, Leinwand und Baumwollenwaaren betreiben.

Sie ist in unsern Tagen besonders durch das Treffen merkwürdig geworden, welches in ihrer Nähe Napoleon dem Feldmarschall Blücher am 9. März 1814 geliefert hat.

Nach dem Treffen bei Bar sür Aube (s. d. Art.) am 27. Febr. ergriffen die Verbündeten, nachdem sie zuvor bis Chaumont zurück gewichen waren, die Offensive wieder. Auch Blücher, nachdem er seine vereinzelten Corps in Chalons vereinigt hatte, fieng an wieder vorzurücken. Sein ganzes Heer war aber kaum 45,000 Mann stark; dagegen zogen die Corps von Bülow, Winzingerode und Woronzow aus den Niederlanden hervor, um sich mit ihm zu vereinigen, wodurch sich seine Macht verdoppelte.

Napoleon, der die Schwäche der schlesischen Armee kannte, beschloß erst sie aufzureiben, und dann seine Hauptmacht gegen Schwarzenberg zu lenken. Aber Blücher wußte ihm durch geschickte Bewegungen auszuweichen, ging über die Marne, und brachte am 3. März die Vereinigung mit Bülow und Winzingerode, in Soissons, glücklich zu Stande. Deßungeachtet setzte Napoleon seine offensive Operation fort, nahm Rheims durch Ueberfall, und ging bei Berry au Bac über den Fluß. Es erfolgte am 7ten ein heftiges Treffen bei Craonne, wo die Corps von Winzingerode und Sacken, die von den andern nicht unterstützt werden konnten, einen schweren Kampf mit der ganzen feindlichen Armee, standhaft und tapfer, aber nicht ohne bedeutende Verlust, erstanden.

Blücher concentrirte nun seine ganze Macht hinter Laon, wo er entschlossen war, die Schlacht anzunehmen. Bülow besetzte die Stadt und die Bergebene; die Corps von Langeron, Sacken und Winzingerode bildeten den rechten, die von York und von Kleist den linken Flügel.

Der Feind war am 8. Abends von Soissons vorgerückt, den andern Morgen drängte seine Infanterie, während eines starken Nebels, die Posten der Verbündeten zurück, und nahm die Dörfer Semilly und Ardon. Als aber um 11 Uhr der Nebel gefallen war, ließ der Feldmarschall die Corps von Winzingerode in die Offensive übergehen; die Dörfer wurden wieder genommen, und der Feind bis Laslicourt zurück geworfen. Unterdessen hatte der Feind seine Hauptmacht gegen den linken Flügel gerichtet, und rückte mit derselben auf der Straße von Rheims vor. Sobald Blücher von dieser Bewegung Nachricht erhalten hatte, sandte er die Corps von Sacken und Langeron zur Verstärkung des linken Flügels ab, und gab dem General York Befehl, nach Ankunft derselben mit Kraft über den Feind herzufallen. Mittlerweile war dieser General schon ins Gefecht gekommen, das besonders in der Umgebung des Dorfes Athis mit Heftigkeit fortgesetzt wurde.

Schon fieng es dunkel zu werden, als die Verstärkung heran zog. Sogleich setzten die Befehlshaber des linken Flügels alle ihre Colonnen zum Angriffe in Bewegung. Ihre Anordnungen wurden mit Kühnheit und Präcision ausgeführt. Unaufhaltsam drangen die Bataillone, durch das Schlagen aller Tamboure und die Signale der Hörner in der Dunkelheit zusammmen gehalten, vor, und fielen, ohne auf das ihnen entgegen wirkende Kartätschenfeuer zu achten, ohne einen Schuß zu thun, mit dem Bajonette, stürmend über den Feind her. Zu gleicher Zeit warf sich der General Ziethen, den Säbel in der Hand, auf die feindliche Cavallerie. Die Zuversicht und das Ungestüm der Stürmenden, das Unerwartete des Angriffs und die Schrecken, die einen nächtlichen Ueberfall begleiten, brachten die Franzosen in Verwirrung. Ihre Linien wurden über den Haufen geworfen, ihr Geschütz genommen und ihre Stellung erobert.

Bald war ihre Niederlage allgemein, und alles überließ sich der Flucht. Bis um 1 Uhr in der Nacht verfolgten die Sieger die erkämpften Vortheile und drangen bis Maison-rouge vor. 46 Kanonen, über 50 Munitionswagen, und mehrere tausend Gefangene waren die Trophäen dieses Tages, und man hatte sie mit einem verhältnißmäßig geringen Verlust erkämpft.

Das größte Verdienst unter den Heerführern hatte sich der Prinz Wilhelm von Preußen und der General Ziethen erworben; jener durch den kühnen, siegreichen Angriff auf die Infanterie, womit er das Treffen eröffnete, dieser aber durch das meisterhafte Cavalleriemanöuvre, durch das er die feindliche Niederlage vollendete.

Während am folgenden Tage der linke Flügel fortfuhr seine Vortheile zu verfolgen, rückte der Feind, um den Geschlagenen Luft zu machen, gegen die Corps der Generale Winzingerode und Bülow an, beschäftigte durch Kanonen- und Tirailleurfeuer die Fronte derselben den ganzen Tag, und machte sogar noch einen Angriff auf die Stadt Laon.

Da er aber alle seine Anstrengungen an dem Widerstande der Verbündete scheitern sah, trat er in der Nacht seinen Rückzug an, und Napoleon verlegte sein Hauptquartier nach Soissons. Sein Plan, Blüchers Armee zu überwältigen, war nun, zu seinem großen Nachtheile, gänzlich vereitelt; die Verbindungen zwischen Blüchern und der großen Armee waren aufs Neue gesichert; man konnte nun die entscheidenen Bewegungen beginnen, die nachher den gänzlichen Untergang des Feindes zu Folge hatten.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.