Treffen von Lodi

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Lodi.

Passage du Pont de Lodi, von Nicolas-Antoine Taunay

Lodi, eine ziemlich große und wohlgebauete Stadt im dem zum Lombardisch-Venetianischen Königreiche gehörigen Herzogthum Mailand, an der Adda, zählte 1774 beinahe 16,000 Einwohner, unter welchen allein 795 Geistliche waren. Das dortige Bisthum steht unter dem Erzbisschoff von Mailand. Die Stadt hat ein festes Schloß. Die sogenannten Parmesankäse werden nicht in Parma, sondern einzig und allein in und um Lodi verfertigt und für die besten in Ganz Italien gehalten; auch ist die dortige vortreffliche unechte Porzellan- und Fayence-Arbeit berühmt.

Sie ist durch das treffen berühmt, welches Bonaparte 1796 bei derselben mit 60,000 Mann gegen die österreichische Armee von 25,000 Mann unter Beaulieu gewann. Die Oesterreicher hatten die Adda passirt, Lodi geräumt und standen in einer furchtbaren von 30 Kanonen vertheidigten Stellung, zu der nur eine enge Brücke führte, welche zu passiren unmöglich schien. Bonaparte erschrack nicht über diese Schwierigkeit. Er führte sein Heer in einer gedrängten Colonne, ließ seine ganze Artillerie vorbringen und rückte im Sturmschritt unter dem Ausruf: Vive la republique! vor. Das Blutbad war anfangs schrecklich; das österreichische Geschütz streckte ganze Reihen nieder; die Franzosen wankten, und der Sieg schien verloren, als Berthier, Massena, Cervoni, Dallmeyer, Lannes sich an die Spitze der Colonne stellten, über die Brücke drangen und die österreichischen Batterien nahmen. Die Oesterreicher wollten dieser Kühnheit mit gleicher Kühnheit antworten; sie thaten Wunder der Tapferkeit; der Kampf war fürchterlich; beide Heere schlugen sich mit Erbitterung, und ungewiss schwebte der Sieg zwischen ihnen. Da erschien Augereau an der Spitze seiner Division und der Tag war entschieden. Die Oesterreicher, aus ihrer Stellung geworfen, verloren einen Theil ihres Geschützes und 3000 Mann an Todten, Verwundeten und Gefangenen; aber Beaulieu rettete die Ehre seiner Waffen durch einen mit bewundernswürdiger Ordnung und Kaltblütigkeit bewerkstelligten Rückzug. Der Verlust der Franzosen betrug 12,000 Mann.

Kenner haben beide Feldherrn getadelt, Bonaparte, weil er eine Position mit so großen Aufopferungen wegnahm, deren er mit einem Zeitverlust von 24 Stunden sich leichter und sicherer bemächtigen konnte, und Beaulieu, weil er Lodi so übereilt räumte, daß er nicht Zeit hatte, die Brücke abzutragen, wodurch er der französischen Armee das weitere Vordringen würde unmöglich gemacht haben.


Treffen bey Lodi.

Den 10. Mai 1796.


Ein Folge des Waffenstillstandes, den die Franzosen am 28. April mit dem Könige von Sardinien schlossen, war, daß General Beaulieu sich hinter den Po und die Adda zurückziehen mußte. Die von Casale aus vorrückenden Franzosen fanden die Oesterreicher bey Lodi an der Adda verschanzt. Das österreichische Hauptheer hatte sich unter Beaulieu an der andern Seite der Adda in Schlachtordnung gestellt; zwischen beyden Heeren strömte die Adda. Zwar war hier eine Brücke über den Fluß; aber sie war über 100 Ruthen lang, und Beaulieu hatte am jenseitigen Ende 30 Canonen von schwerem Caliber aufpflanzen lassen. Es schien unmöglich, hier hinüber zu kommen; ein Unfall hätte das ganze französische Heer zu Grunde richten können. Dennoch wagte es Buonaparte, und mit Vergießung vieles französischen Blutes wurde die Brücke erstürmt, die Artillerie der Oesterreicher weggenommen, und ihre Schlachtordnung durchbrochen. Diesem Treffen bey Lodi scheinen die Franzosen unter ihren Siegen einen der erstern Plätze einzuräumen. Schwerlich lag es aber Beaulieu's Plan, hier einen hartnäckigen Widerstand zu leisten, da wenigstens der Vorfall bey Lodi bey der kaiserlichen Armee gar nicht unter diejenigen gezählt wurde, wobey sich die Franzosen durch Tapferkeit ausgezeichnet hätten. Indessen entschied dieser Tag das Schicksal der österreichischen Lombardie für damahls. Die Franzosen bemächtigten sich in kurzer Zeit aller Plätze derselben, bis auf das feste Mantua.


Von Reisende.

Karol Fryderyk Wojda

Mantua den 5. Juni 1798.


Dies wurden wir gewahr, als wir in Lodi ankamen, das nur drittehalb Posten von Mailand entfernt ist. Es war sechs Uhr und wir beschlossen hier zu frühstücken und alsdann die durch Buonaparte berühmt gewordene Brücke zu sehn. Zu dem Ende mussten wir in die Stadt hinaufgehn, die auf einer Anhöhe zur linken Seite des Landstrasse, an welcher die Post liegt, befindlich ist. - Die Kaiserlichen standen noch vor derselben, als der Vortrab der französischen Armee daselbst anlangte; sie hatten eine vortheilhafte Stellung inne, denn sie hielten die Anhöhen besetzt, wurden aber doch daraus vertrieben und zogen sich durch die Stadt über die Brücken, hinter welchen der General Beaulieu eine zahlreiche Artillerie und seine ganze Armee aufgestellt hatte. Jetzt kam es darauf an zu verhindern dass sie die Brücken nicht abbrachen, denn wenn dieses geschah, so würde Buonaparte mit alle seinem Glücke an einen andern Orte schwerlich so leicht über die Adda haben gehen können, als er es hier that. Und davon war er so sehr überzeugt, dass er sogleich vier Stück reitender Artillerie dahin abschickte, um das Abbrechen der Brücke zu verhindern.
Während man sich daselbst von beiden Seiten kanonirte, rückten die zum Uebergange bestimmten Divisionen heran. Die Kavallerie erhielt Befehle, oberhalb der Brücke über die Adda zu gehn und zwar an einem Orte, wo man, den angestellten Untersuchungen gemäss, diesen Fluss unmöglich passiren zu können glaubte. Der General Beaumont, der sie kommandirte, meldete dieses dem Oberfeldherrn und dessen ungeachtet blieb er bei seinem ersten gegebenen Befehle und die Kavallerie schwamm glücklich und mit wenig Verlust durch die Adda. Während dieses geschah, stürzten sich die Kolonnen auf die Brücke und gelangten, ohne sich durch ein mörderisches Kartätschenfeuer aufhalten zu lassen, an das andere Ufer des Flusses, das die Oesterreicher schon verlassen hatten, als sie kaum über die Hälfte der Brücke waren.
Dies ist in wenig Worten die Geschichte dieses merkwürdigen Ueberganges. Aber nun erlauben Sie mir auch einige Bemerkungen, die ich auf dem Terrain selbst zu machen Gelegenheit gefunden habe und wodurch Sie sich es werden erklären können, wie es zugegangen ist, dass so wenig Menschen dabei verloren gegangen sind.
Darunter rechne ich vor allen Dingen die Lage der Brücke, die auf beiden Seiten von Häusern umgeben, es zuliess, dass sich die Kolonnen formiren konnten, ohne vom Feinde gesehen zu werden. ehe man an dieselbe gelangt, kommt man in eine Strasse, die mit ihr zwei rechte Winkel bildet und von derselben bis an die Brücke hat man kaum funfzig Schritte zu gehen. So lange also die Truppen sie noch nicht selbst betreten hatten, konnte man ihnen auf keine Weise etwas anhaben und als es geschehen war, dem Kopfe der Kolonne nur allein schaden. Aber nun ist es in der Kriegskunst eine ausgemachte Sache, dass wenn man den linken Flügel einer stürmenden Kolonne nicht zum Weichen bringen kann, der rechte, wenn er auch wanken sollte, wegen dem Drucke von hinter sich nicht mehr zurückziehen kann. Ferner so hinderten die auf beiden Seiten der Brücke und ganz nahe am Flusse, befindlichen Häuser einen grossen Theil der Wirkung des kaiserlichen Artilleriefeuers. Die Oesterreicher konnten den Anfang derselben nur von der Seite bestreichen und zwar mit Kugeln, die eben nicht sehr furchtbar sind. Die Brücke selbst konnten sie, wegen ihrer Krümmung, nicht enfiliren und für den Kartätschenschuss waren ihre Batterien viel zu entfernt, als dass sie der französischen Kolonne grossen Schaden hätten zufügen sollen. Gelang es nun aber dieser, wie es hier der Fall gewesen ist, bis über die Hälfte derselben rasch vorzurücken, dann war sie schon beinah ganz aus dem Schusse der Artillerie und die feindlichen Kanoniere, um nicht bei ihren Stücken niedergestossen zu werden, mussten sie augenblicklich verlassen.
Hieraus werden Sie abnehmen, dass alles dabei nur auf Schnelligkeit in der Ausführung ankam und hierinn haben die französischen Truppen einen entschiedenen Vorzug vor allen Kriegsvölkern in der Welt. Auch dem moralischen Effekte, den eine heftige Kanonade auf den gemeinen Mann gewöhnlich hervorbringt, mussten sie widerstehn und sobald dies der Fall war, konnte der Uebergang über die Brücke bei Lodi gar nicht fehlschlagen. Ueberdies so ist sie nur gegen zweihundert und funfzig Schritte lang und diese läuft man wohl in so viel Zeit als nöthig ist, um einige Stücke zu laden und abzuschiessen. wir fanden an den Häusern noch die Spuren dieses Angriffes; die Kaiserlichen scheinen nach dem Kopfe derselben das grösse Feuer gerichtet zu haben und selbst ein Heiliger, der an der Brücke stand, hat das Unglück gehabt, von ihnen niedergeschossen zu werden. Buonaparte befand sich in einem Eckhause, dessen Fenster auf den Fluss gehen und von welchem er Alles sehr gnt übersehen und nach Befinden der Umstände neue Befehle geben konnte.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Denkwürdigkeiten aus der Geschichte der österreichischen Monarchie. Auf jedem Tag des Jahrs gesammelt. Von G. A. Griesinger. Wien. Bey J. V. Degen, Buchdrucker und Buchhändler. 1804.
  • Briefe über Italien geschrieben in den Jahren 1798 und 1799 vom Verfasser der vertraulichen Briefe über Frankreich und Paris. Leipzig bey Pet. Phil. Wolf und Comp. 1802