Treffen von Montenotte

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Montenotte, in dem ehemaligen Departement gleichen Namens, welches 1805 aus dem westlichen Theile des genuesischen Gebiets, dem Bezirk Ceva und dem Bezirk Acqui, gebildet wurde, ist in der Geschichte des Kriegs von 1796 bekannt geworden.

Die Oesterreicher unter Beaulieu hatten am 11ten April die Franzosen unter Bonaparte angegriffen; der Sieg war unentschieden geblieben. Aber am folgenden Morgen erneuerte sich der Kampf; Bonaparte, von Berthier und Massena begleitet, fiel den Oesterreichern in Rücken und Flanke und erfocht nach der hartnäckigsten Gegenwehr den Sieg.


Le Mémorial de Sainte-Hélène.

IV. Schlacht von Montenotte, am 11ten April.

Beaulieu wurde hierüber aufmerksam, und rückte in aller Eile von Mailand aus, um Genua zu Hülfe zu kommen. Er versezte sein Hauptquartier nach Novi, vertheilte seine Armee in drei Corps: das zur Rechten unter dem Befehl des Generals Colli, das aus Piemontesern bestand, hatte sein Hauptquartier in Ceva; es sollte die Stura und den Tanaro beschützen. Das Centrum, unter dem Commando von Dargentau, marschirte nach Montenotte, um die französische Armee vermöge eines Angriffs auf ihre Flanke abzuschneiden, und ihr in Savona den Weg nach der Corniche zu verwehren. Beaulieu in eigener Person zieht mit seinem linken Flügel Genua zu Hülfe und gegen Voltri.

Auf den ersten Anblick sollte man glauben, dieser Plan sey gut berechnet; allein bei näherer Untersuchung der Umstände findet man, daß Beaulieu seine Macht vertheilte, wobei jede unmittelbare Communikation zwischen seinem Centrum und seinem linken Flügel unterbrochen und nur hinter den Gebirgen herum möglich war; dagegen die französische Armee so gestellt war, daß sie sich in wenigen Stunden zusammenziehen und in Masse über das eine oder das andere der feindliche Corps herfallen konnte; war einmal eins von beiden geschlagen, so mußte sich das andere durchaus zurückziehen.

Der General Dargentau, welcher das Centrum der feindlichen Arme kommandirte, rückte den 9ten April vor, und kampirte an diesem Tage in Unter-Montenotte. Den 10ten zog er gegen Monte-Legino, um bei der Madonne herauszukommen. Der Oberste Rampon, welchem die Bewachung der drei Redouten von Monte-Legino übertragen worden war, hatte Nachricht von dem Anzug des Feindes erhalten, und ging mit einer starken Begleitung auf Rekognoscirung. Diese kam wieder zurück, der Feind folgte ihr von Mittag an bis um zwei Uhr, wo sie nun wieder die Redouten besezte. Dargentau machte den Versuch, diese auf einmal wegzunehmen; er wurde aber in drei Angriffen nach einander zurückgeschlagen; er gab dann die Sache auf. Da seine Leute abgemattet waren, so nahm er seine Stellung, und verschob es auf den andern Tag, diese Redouten zu umgehen, wo sie dann von selbst fallen würden.

Beaulieu seiner Seits rückte den 9ten gegen Genua vor. Den ganzen Tag über hatte Laharpe am 10ten mit seinen Vorposten, vorwärts über Voltri hinaus, zu thun, um ihm die Bergschlünde streitig zu machen, und ihn zurückzuhalten. Aber Abends vom 10ten zog er sich auf Savona zurück, und am 11ten mit Tagesanbruch befand er sich mit seiner ganzen Division hinter Rampon und hinter den Redouten von Monte-Legino.

In eben derselben Nacht vom 10ten auf den 11ten marschirte der Obergeneral mit den Divisionen Massena und Augereau über die Bergspitze von Cadibonne, und kam hinter Montenotte heraus. Mit Tagesanbruch wurde nun Dargentau, der sich auf diese Art von allen Seiten umgeben sah, durch Rampon und Laharpe von vornen, und durch den Obergeneral von hinten und auf der Flanke angegriffen. Die Niederlage war vollkommen; das Corps von Dargentau wurde ganz aufgerieben; gerade in diesem Zeitpunkt erschien Beaulieu bei Voltri, aber er traf hier niemand mehr an.

Erst am 12ten erfuhr dieser General das Unglück bei Montenotte, und das Eindringen der Franzosen in das Piemontesische. Da mußte er alsdann in aller Geschwindigkeit seine Truppen wieder denselbigen Marsch rückwärts machen, und auf eben den schlechten Wegen zurückgehen lassen, auf welchen er vermöge seines Plans genöthigt gewesen war, sich einzulassen.

Daraus folgte weiter, daß drei Tage nachher, bei der Schlacht von Millesimo, nur ein Theil seiner Truppen zu rechter Zeit auf dem Wahlplatze ankommen konnten.



> > > V. Schlacht von Millesimo, 14ten April. > > >


Schreiben von Masséna.

Montenotte, den 23ſten Germinal d. J. 4. (d. 12. April 1796.)


An Denſelben.

So eben haben wir den Feind aus den, zu Montenotte von ihm beſetzten Stellungen vertrieben. Sein Verlnſt iſt ſehr beträchtlich; ein gefangener Officier ſchätzt ihn auf 400 Mann; der unſrige beſteht nur aus etwa 20 Verwundeten und 5 oder 6 Getödteten.

Ich laſſe meine Truppen von den Stellungen bei Montenotte ablöſen; ich habe einen Stabsofficier mit 100 Mann auf Recognoscirung abgeſchickt, um in Erfahrung zu bringen, wo ſich der General Laharpe befindet. Iſt ſeine Operation noch nicht vollendet, ſo werde ich ihm zu Hülfe marſchiren und wir werden gemeinſchaftlich nach Carcaro und Sacello rücken, wie Sie mir in der Zuſchrift, die mir mein Adjutant ſo eben einhändigt, vorſchreiben.

Meine Truppen haben kein Brod erhalten; ich weiß nicht, ob man ſich zu Vado einiges hat verſchaffen können.

Den Tapferen, die unter meinen Befehlen ſtehen, bin ich die größten Lobeserhebungen ſchuldig.

Maſſena.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Denkwürdigkeiten von Sanct-Helena, oder Tagebuch, in welchem alles, was Napoleon in einem Zeitraume von achtzehn Monaten gesprochen und gethan hat, Tag für Tag aufgezeichnet ist. Von dem Grafen von Las Cases. Stuttgart und Tübingen in der J. G. Gotta'schen Buchhandlung. 1823.
  • Ungedruckte amtliche und vertrauliche Correspondenz Napoleon Bonaparte's mit fremden Höfen, Fürsten, Ministern, französischen und auswärtigen Generalen in Italien, Deutschland und Aegypten. Leipzig, 1819. J. C. Hinrichssche Buchhandlung.