Treffen von Ostrowno

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Treffen bei Ostrowno.

Treffen bei Ostrowno am 25sten und 26sten Junius. Ostermann gegen Murat und Eugen.

Ostermann traf den 25sten auf den Höhen von Ostrowno auf Mürats Reitergeschwader, und der Kampf begann sogleich mit großer Heftigkeit. Die Russen warfen sich auf das siebente und achte Husarenregiment, warfen beide über den Haufen und jagten hinter den Fliehenden her, als diese bei den nachrückenden Reiterdivisionen Brüyeres und St. Germain, denen die dritte Infanteriedivision zur Unterstützung diente, mächtigen Rückhalt fanden. Jetzt wendete sich das Blatt; die wilden Verfolger wurden in Unordnung von der Uebermacht zurückgeworfen, und im Getümmel eroberte die Division Brüyeres acht russische Kanonen Dieses Unglück verhinderte zwar Ostermanns ferneres Vorrücken, aber folgenden Morgens (26sten Julius) da Eugen und Mürat zu Ostrowno Abrede genommen, begann der Kampf dennoch aufs neue, und die russischen Pikets wurden, ehe noch der Tag grauete, von Eugens Truppen zurückgeworfen. In drei mächtigen Kolonnen rückten dann die Franzosen, gedeckt von ungeheuren Reitermassen unter Mürat zur Schlacht vor.

Ostermanns rechter Flügel lehnte sich an die Düna, der Mittelpunkt kreuzte die große, nach Witepsk führende Hauptstraße, der linke Flügel aber war durch eine Waldung gedeckt, in welche Ostermann beträchtliche Infanteriemassen mit zahlreicher Artillerie gestellt hatte. Der rechte französische Flügel begann den Angriff unter Eugens unmittelbaren Befehlen, indem er mit unermüdlicher Anstrengung in den Wald zu dringen und sich darin festzusetzen suchte. Allein das gut gerichtete Tirailleur- und Kanonenfeuer der Russen vereitelte dort alle jene Anstrengungen. Auf der andern Seite ließ Mürat die Division St. Germain vorrücken, um sich brigadenweise in Linie aufzustellen und ihre Artillerie aufzufahren; in demselben Augenblicke brach aber ein russisches Dragonerregiment aus dem Walde, stürzte sich auf die französische Reiterlinie und würde diese ganz durchbrochen haben, wenn nicht Mürat selbst mit dem Ausruf: wer brav ist folge mir! in gestrecktem Rennen gefolgt von zwei frischen Regimentern herbeigeeilt wäre. Diese hielten der Russen Ungestüm zurück, und das Gleichgewicht wurde wieder hergestellt. Dagegen mißlang ein, auf der Landstraße gegen das russische Centrum, vom General Ornano geleiteter Angriff völlig, wodurch denn auch Mürat bewogen wurde, die Divisionen Delzans und Broussier, nebst zwei Bataillons des achten Infanterieregiments in seine Linie rücken zu lassen, um längs des Waldes die ersten französische Kavalleriebrigade hinlänglich zu unterstützen. Kaum ward dies der russiche Feldherr gewahr, so ließ er drei Bataillone von seinem linken Flügel gegen die Front der französischen Reiterei vorgehen, den zwei französischen Bataillonen Stirn bieten, und zu gleicher Zeit das mörderische Feuer seines Geschütztes aus dem Walde verdoppeln.

Auf diese Bewegung war Mürat nicht gefaßt. In Verbindung mit Eugen und dem feurigen Marschall Junot geschah zwar das Aeuserste, damit sich die angegriffenen Regimenter, bis zur Ankunft der Division Delzons, in ihren Stellungen behaupten mögten; allein Ostermann der einmahl der Vortheil gewonnen, ließ sofort unter Begünstigung des Waldes zwölf Bataillone gegen den rechten französischen Flügel vorbrechen, und nöthigte dadurch seinen Gegner den Plan zu verlassen. Zwei dieser Bataillone hatten die Brigade rechts bereits zum Weichen gebracht, zwei andere waren rasch gegen Mürats linken Flügel vorgedrungen, und schon neigten sich die Franzosen zur Flucht, als die endlich längs der Düna herbeigekommene Division Delzons den Rücken der Russen bedrohte, wodurch Ostermann bewogen wurde, den Marsch seiner Truppen zu hemmen, und die Bataillone zur Deckung des Rückzugs ins Centrum zurückzurufen.

Die Nacht endigte den Kampf, und die Russen blieben im Besitz des gleich anfangs behaupteten Bodens. Das 8te Husaren- und das 16te reitende Jägerregiment, über welche die russische Reiterei hergefallen war und sie unter ein mörderisches Kartätschenfeuer getrieben hatte, konnten als vernichtet angesehen werden. Von den Franzosen lagen über 3000 Todte oder Verwundete, und unter den ersteren General Roussel auf dem Wahlplatze. Fast eben so bedeutend war der russische Verlust gewesen. Nicht Furcht vor dem weichenden Feinde, sondern Nothwendigkeit sich mit der Hauptarmee wieder zu vereinigen, bewog demnach Ostermann, in der Nacht das Schlachtfeld zu räumen. Bevor dies geschah, mußte Generallieutenant Konownizin mit hinlänglicher Truppenzahl vorrücken, um die Franzosen eine Zeitlang in ihrer jetzigen Entfernung zu halten, damit Barclay durch seinen Rückzug nicht den Vortheil verlöre, hinlängliche Erkundigungen von der wahren Absicht des Feindes einziehen zu können.

Konownizin führte den ihm anvertrauten wichtigen Auftrag so vollständig aus, daß, obschon er den ganzen 27sten Julius von dem überlegenen Feinde mehre Mahle aufs heftigste angegriffen wurde, er sich doch keinen Schritt Terrain abgewinnen ließ; vielmehr blieb sein Korps ein unübersteigliches Bollwerk zwischen der französischen und russischen Armee, bis der Oberfeldherr ihn abrief, um in die Linie zu rücken, wohin auch Docktorow zurück ging, nachdem er eine über die Düna gesetzte französische Heeresabtheilung geschlagen, einen Adjudanten des Vizekönigs getödtet und mehrere Gefangene gemacht hatte.


Bulletin der großen Armee.

Gefecht von Ostrowno.

Den 25sten Jul. stieß der General Nansouty mit den Divisionen Bruyeres und St. Germain und dem 8ten leichten Infanterieregiment, 2 französische Meilen vor Ostrowno auf den Feind. Es begann ein Gefecht; mehrmals hieb die Cavallerie ein, jedesmal mit Erfolg für die Franzosen; die leichte Cavallerie bedeckte sich mit Ruhm. Der König von Neapel erwähnt unter andern Corps, die sich bey dieser Gelegenheit ausgezeichnet haben, die Brigade des Generals Piré, bestehend aus dem 8ten Husaren- und 16ten Jägerregiment zu Pferde. Die russische Cavallerie, wovon ein Theil zur Garde gehörte, wurden geworfen, die Batterien, die der Feind gegen unsere Cavallerie errichtet hatte, wurden genommen. Die russische Infanterie, die zur Unterstützung ihrer Artillerie vorrückte, wurde durchbrochen und von unserer leichten Cavallerie zusammengehauen.

Den 26sten, als der Vicekönig an der Spitze der Colonnen mit der Division Delzons vorrückte, entstand ein hitziges Vorpostengefecht von 15 bis 20,000 Mann, eine französische Meile von Ostrowno. Die Russen wurden von Position zu Position vertrieben, und die Gehölze wurden mit dem Bajonnet genommen.

Der König von Neapel und der Vicekönig führen mit Lob die Generale Baron Delzons, Huard und Roussel an. Das 8te leichte Infanterieregiment, das 84ste und 92ste Linienregiment und das erste croatische Regiment haben sich ausgezeichnet.

General Roussel, ein tapferer Soldat, hatte sich den ganzen Tag hindurch an der Spitze der Bataillons befunden, und Abends um 10 Uhr, als er die Vorposten untersuchte, hielt ihn ein Plankler für einen Feind, gab Feuer auf ihn, und zerschmetterte ihn das Gehirn. Er hätte eher verdient, 3 Stunden vorher auf dem Schlachtfelde von der Hand des Feindes sein Leben einzubüßen.

Den 27sten, mit Tagesanbruch, ließ der Vicekönig die Division Broussier vorrücken. Das 18te leichte Infanterieregiment und die Brigade leichter Reiterey des Barons Piré zogen rechts. Die Division Broussier ging auf der großen Straße vorwärts, und ließ eine kleine Brücke wieder herstellen, die der Feind zerstört hatte. Mit Sonnenaufgang erblickte man den feindlichen Nachtrab, 10,000 Mann Reiterey in Echelons auf der Ebene, mit dem rechten Flügel an die Düna, und mit dem linken an ein Gehölz gelehnt, das mit Infanterie und Artillerie besetzt war. Der General Graf Broussier nahm eine Stellung mit dem 53sten Regimente auf einer Anhöhe ein, während die ganze Division das Defilee durchzog. Zwey Compagnien Voltigeurs hatten vorwärts Posto gefaßt. Ganz allein marschirten sie längs dem Ufer des Flusses hin auf jene ungeheure Masse Reiterey los, die eine Bewegung vorwärts machte, und diese 200 Mann umringte. Man glaubte sie schon verloren, und sie mußten es auch seyn, aber dennoch war es nicht so. Mit der größten Kaltblütigkeit schlossen sie sich zusammen, und blieben eine ganze Stunde lang von allen Seiten umringt, warfen fast 300 feindliche Reiter zu Boden, und gaben der französische Reiterey Zeit, heranzukommen.

Die Division Delzons zog sich rechts hin; der König von Neapel leitete den Angriff auf das Gehölz und die feindlichen Batterien; in weniger als einer Stunde waren alle Stellungen des Feindes genommen, und er selbst in die Ebene jenseits eines kleinen Flusses, der unter Witepsk in die Düna strömt, zurückgeworfen. Der Feind nahm an den Ufern dieses Flusses, eine französische Meile von der Stadt, eine Stellung ein.

In der Ebene stellte der Feind 15,000 Mann Cavallerie und 60,000 Mann Infanterie auf. Man hoffte auf eine Schlacht für den folgenden Tag. Die Russen pralten, sie liefern zu wollen. Der Kaiser brachte den übrigen Theil des Tages damit hin, das Schlachtfeld zu untersuchen und Anordnungen für den folgenden Tag zu machen; aber mit Tagesanbruch hatte die russische Armee bereits zum Rückzuge geblasen, und marschirte nach allen Richtungen auf Smolensk.

Der Kaiser befand sich auf einer Anhöhe ganz nahe bey den 200 Voltigeurs, die ganz allein in der Ebene den rechten Flügel der feindlichen Reiterey angegriffen hatten. Ihre schöne Haltung machte Eindruck auf ihn; er sandte hin, um sich zu erkundigen, von welchem Corps sie wären. Sie antworteten, vom neunten, und zu drey Viertheilen geborne Pariser. Man sage ihnen, sprach der Kaiser, daß sie brave Leute sind, und alle das Ehrenkreuz verdient haben.

Die Resultate der drey Gefechte von Ostrowno waren 10 Stück russische angeschirrte Kanonen, die nach Niedersäbelung de Kanoniere genommen wurden, 20 Munitionswagen, 1500 Gefangene, 5 bis 6000 Russen getödtet oder verwundet. Unser Verlust beläuft sich auf 200 Mann an Getödteten, 900 an Verwundeten und 50 Gefangenen.

Der König von Neapel lobt besonders die Generale Bruyeres, Piré und Ornano, so wie auch den Oberst Radzivil, Commandanten des 9ten polnischen Lanzierregiments, eine Officier von seltener Unerschrockenheit.

Die rothen Husaren der russischen Garde wurden vernichtet; sie haben 400 Mann verloren, worunter viele Gefangene. Den Russen sind 3 Generale getödtet oder verwundet worden; eine große Anzahl von Obersten und Oberofficieren ihrer Armee ist auf dem Schlachtfelde geblieben.

Den 28sten mit Tagesanbruch sind wir in Witepsk, einer Stadt mit 30,000 Einwohnern und 20 Klöstern, eingerückt. Wir haben daselbst einige Magazine, unter andern ein Salzmagazin, das auf 15 Mill. geschätzt wird, vorgefunden.



Augenzeugenbericht.

(25. July). Da Befehl zum Marsch nach Ostrowna gegeben war, so machte sich unser Generalstab dahin auf den Weg, als wir eine starke Kanonade vernahmen. Bald darauf kam ein Adjutant des General Delzons im größten Galop angesprengt, der dem Vicekönig die Nachricht brachte, man habe den Feinde bei Ostrowna angetroffen, und bei seiner Abreise habe ein hartnäckiges Gefecht begonnen. Kaum hatte der Adjutant seinen Bericht geendigt, so verdoppelte sich der Kanonendonner; sogleich gab der Vicekönig Befehl, das Gepäck seines Generalquartieres solle halt machen, und er ritt blos in Begleitung seiner vornehmsten Offiziere gegen Ostrowna hin, um zu dem Könige von Neapel zu stoßen, der die Reiterdivisionen Bruyeres und Saint-Germains bei sich hatte, welche von dem Fußvolke der 13. Division unterstützt wurden. Allein bei seiner Ankunft zu Soritza war der Ausgang schon entschieden; uns waren 14 Kanonen in die Hände gefallen, und eine große Menge Todte auf dem Schlachtfelde bezeugte den Widerstand der Besiegten, und den Muth des 7. und 8. Husarenregiments, die sich bei dieser Gelegenheit großen Ruhm erwarben.

Um drei Uhr Morgens den 26. July verfügte sich der Vicekönig von Ostrowna zum Könige von Neapel. Das vierte Corps lagerte sich in seiner Nähe; die Reiterei stand vorwärts und beobachtete die Bewegungen des Feindes. Gegen sechs Uhr begaben sich diese Heerführer in Begleitung ihrer Generalstäbe nach den Vorposten, und durchritten die Gegend, wo gestern das Gefecht vorgefallen war. Kaum hatte man sie durchritten, so meldeten alle Berichte, Ostermanns Armeecorps, das zwei Divisionen stark war, habe sich aufgestellt; sogleich gab der Vicekönig der 13. und 14. Division Befehl, die Reiterei zu unterstützen, welche der König von Neapel befehligte. Die Husaren, welche als Schützen vorgeschickt waren, und beim Eingange in einen Wald Hindernisse gefunden hatten, meldeten uns, der Feind scheine den Eingang versperren zu wollen; wirklich hörte man von allen Seiten Tirailleurfeuer, und die Kanonen der Russen, die auf dem Wege standen, bestrichen unsere Colonnen, die sich vorwärts begaben. Sogleich ließ der General Danthouard unsere Kanonen vorrücken. Der König von Neapel war allenthalben, wo seine Gegenwart nützlich seyn konnte, und befahl, mit unserm linken Flügel einen Angriff zu machen, um die Reiterei zu vertreiben, die sich am Saume eines Waldes befand. Ob schon diese Bewegung trefflich ausgedacht war, so hatte sie doch nicht den glücklichen Erfolg, den man davon erwarten durfte; die Husarenabtheilung, die sie ausführen sollte, war zu schwach, und mußte sich zurückziehen, dies that sie aber mit vieler Ordnung und ohne Verlust vor den zahlreichen Schwadronen, die zu ihrem Angriffe herbei eilten.

Während wir auf dem linken Flügel manöuvrirten, versuchten die Russen unsern rechten zu durchbrechen; der Vicekönig bemerkte dies, und ließ sogleich auf diesen Punkt die 13. Division vorrücken; sie stellte sich auf beiden Seiten der Straße auf, und that ihren Fortschritten Einhalt. Die Artillerie unserer Regimenter, die vortheilhalt auf einigen Erhöhungen aufgeführt war, welche der Boden darbot, gewährte uns die Sicherheit, daß diese Linie nicht durchbrochen werden würde.

Unser rechter Flügel schien gut verwahrt zu seyn, als ein plötzlicher Angriff und ein schreckliches Geschrei sich gegen unsern linken Flügel und unsern Mittelpunkt hin vernehmen ließ; der Feind war mit Macht vorgedrungen, und hatte unsere im Walde aufgestellten Tirailleurs zuzückgetrieben, und die Artillerie genöthigt, sich eilig zurückzuziehen, während die russische Reiterei eine kleine Ebene benutzte, die sich auf unserm linken Flügel befand, um auf die Croaten und das 84. Regiment einen kräftigen Angriff zu thun; zum Glück traf der König von Neapel gerade noch zur rechten Zeit ein, um diese Fortschritte aufzuhalten; zwei Bataillons vom 106. Regiment, die in Reserve standen, unterstützten die Croaten, während der General Danthouard, der im höchsten Grade Einsichten und Bravour mit einander verbindet, mit Hülfe des Commandanten Demay und des Capitäns Bonardelle, den Muth der Soldaten von neuem belebte, und sie durch kluge Anordnungen wieder angriffsweise verfahren ließ, was sie auf einen Augenblick aufgegeben hatten.

Als die Sachen auf dem linken Flügel und im Mittelpunkte wieder hergestellt waren, besuchte der König von Neapel und der Prinz Eugen den rechten Flügel, und ließen ihn vorrücken. Der Feind, der in einem Wald versteckt war, setzte dem 92. Regimente den lebhaftesten Widerstand entgegen, das, obschon auf einer vortheilhaften Anhöhe aufgestellte, doch unthätig blieb. Zu seiner Aufmunterung schickte der Vicekönig den Adjutant-Commandanten Forestier ab, dem es gelang, es zum Vorrücken zu bringen; da aber sein Marsch dem ungeduldigen Muthe des Herzogs von Abrantes zu langsam vorkam, so sah man diesen unerschrockenen Heerführer, der als Obergeneral zu befehligen gewohnt war, den Prinzen verlassen, um den Muth des Regiments nochmals zu beleben, auf das wir alle Augen gerichtet hatten. Seine Gegenwart, oder vielmehr sein Beispiel, begeisterte Aller Herzen, und in einem Augenblicke sah man das tapfere 92. Regiment, mit dem General Roussel an der Spitze, Im Sturmschritte vorrücken, alles, was sich ihm widersetzte, vor sich niederwerfen, und endlich in den Wald eindringen, dessen Eingang uns der Feind durch seinen Muth verwehren zu wollen schien.

Als wir auf unsern äußersten rechten Flügel blickten, sahen wir, daß sich eine russische Colonne, die uns zu umgehen abgeschickt war, zurückzog, seitdem wir das Holz weggenommen hatten; dann befahl der König von Neapel der Reiterei, auf diese Colonne loszustürzen, um sie abzuschneiden, und sie die Waffen zu strecken zu nöthigen; die Schwierigkeiten des Bodens hielten die Reiterei einen Augenblick auf, allein der König, der vermöge seines schnellen Ueberblicks gewünscht hätte, daß die Ausführung so geschwind als der Gedanke geschehe, gab seinem Pferde die Sporn, zog seinen Degen aus der Scheide, und rief in einem Tone voll Feuer aus: "die Bravsten folgen mir!" Diese heldenmüthige Bewegung erfüllte uns mit Bewunderung, jeder eilte zu seiner Unterstützung herbei, und man würde Gefangene gemacht haben, wenn unsere Schwadronen nicht tiefe Schluchten und dickes Gebüsch aufgehalten, und der feindlichen Colonnen Zeit zum Entkommen und zur Vereinigung mit dem Corps verschaft hätte, von dem sie abgeschickt war.

Obschon der glückliche Ausgang des Gefechts gesichert war, so wagte man doch nicht durch den großen Wald vor uns zu gehen, an dessen Ende die Hügel von Witepsk lagen, wo die ganze Macht der Russen gelagert seyn sollte. Man berathschlagte noch über diesen wichtigen Durchgang, als sich hinter uns ein großer Lerm erhob; niemand wußte die Ursache davon, und Unruhe mischte sich unter die Neugierde, allein als man Napoleon in der Mitte eines glänzenden Gefolges erblickte, verschwanden unsere Besorgnisse: aus dem Enthusiasmus, den seine Gegenwart erregte, schloß man, daß er das Werk eines so schönen Tags vollends krönen werde. Der König von Neapel und der Vicekönig ritten ihm entgegen, und theilten ihm Nachricht von den Vorgängen, die sich so eben ereignet hatten, und von den ergriffenen Maßregeln mit. Um das Ganze besser beurtheilen zu können, ritt Napoleon schnell nach den äußersten Posten unserer Linie hin, und beobachtete, von einer Anhöhe herab, lange die Stellungen des Feindes und die Beschaffenheit des Bodens; seine Scharfsicht führte ihn bis ans Lager der Russen, und er errieth ihre Entwürfe; sogleich traf er neue Anordnungen, die mit Kaltblütigkeit anbefohlen, mit Ordnung und Schnelligkeit ausgeführt wurden, und die Armee mitten in den Wald brachten. Wir folgten ihr, und kamen, immer im schnellen Trabe gegen die Hügel hin, in dem Augenblicke heraus, als der Tag zu Ende zu gehen begann.

Die 13. Division, die bei diesem Manöuvre mitwirkte, indem sie durch den Wald marschirte, erfuhr von Seiten des Feindes einen ziemlich harten Widerstand; er zog sich nur nach und nach zurück, und bei seinen zahlreichen Plänklern kam uns der Boden theuer zu stehen, den wir gewannen. Bei Einem von dieser eben so unerwarteten als unglücklichen Gefechten, näherte sich dem General Roussel ein rusisscher Dragoner, und schoß einen Pistolenschuß auf ihn ab, der ihn niederstreckte. Selten stellten die Russen ihre Dragoner als Plänkler auf, und dieser Umstand gab Anlaß zu dem Gerüchte, der General Roussel wäre von einem der Unserigen erschossen worden; allein die Zeit entdeckte die Wahrheit, und wir überzeugten uns, daß wir uns den Tod dieses braven Generals nicht vorzuwerfen hätten, der in der That, sowohl wegen seiner kriegerischen Eigenschaften, als wegen seiner Privattugenden, unser Bedauern verdiente.

Die Division Broussier (die 14te) folgte der Heerstraße, und traf in ihrer Stellung, zwischen der Straße und der Dwina, sehr spät ein. Die 15. Division und die italienische Garde, welche den Rest des Fußvolks des 4. Corps ausmachten, waren etwas hinter der 14. Division in Reserve aufgestellt worden.

Als die Armee zu agiren aufgehört hatte, schlug Napoleon sein Hauptquartier im Dorfe Kukowiatschi auf; der König von Neapel und der Vicekönig nahmen ihre Wohnung in einem kleinen schlechten Schlosse, in der Nähe des Dorfs Dobrijka; um sie her lagen die Corps unter ihren Befehlen.

Den andern Morgen, den 27. July, marschirten unsere Truppen mit Tagesanbruch auf Witepsk; die Russen zogen sich nach dieser Stadt zurück, und thaten einige Kanonenschüsse, die wenig Schaden anrichteten; hierauf breiteten sie sich oberhalb einer großen platten Erhöhung bei der Stadt aus, die alle dahin führenden Straßen beherrscht. Von den Hügel herab, auf dem wir standen, entdeckte man leicht die Linien des Feindes, besonders seine zahlreiche Reiterei, die am Ende der Ebene in Schlachtordnung aufgestellt war.


Quellen und Literatur.

  • Leipziger Zeitung Nr. 166. Dienstags den 25. August 1812.
  • E. Labaume's Escadronchef's Ausführliche Erzählung von dem Feldzuge in Rußland im Jahr 1812. Leipzig, 1815. in der Baumhärtnerischen Buchhandlung.
  • Rußlands und Deutschlands Befreiungskriege von der Franzosen-Herrschaft unter Napoleon Buonaparte in den Jahren 1812 - 1815. von D. Carl Venturini. Leipzig und Altenburg: F. A. Brockhaus. 1816.