Treffen von Saalfeld

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Rapport.

von dem Gefecht bey Saalfeld den 10ten Oct. 1806, besonders in Ansehung des unter meinem Commando dabey befindlich gewesenen 2ten Bataillon Churfürst Infanterie.

Nach dem ersten Vorrücken und Aufmarsch des Regiments bekam das Bataillon seine Stellung hinter einer Königlich Preußischen schweren Batterie. Bald aber befahl der commandirende General Prinz Louis Königl. Hoheit dem Regimente rechts abzumarschiren, und indem wir das zu thun in Begriff waren, ersuchte mich der Commandant jener Batterie, doch seine rechte Flanke nicht zu entblössen, und einen Theil des Regiments stehen zu lassen. Ich meldete das sogleich dem Herrn Obristlieutenant v. Hartitzsch, welcher es genehmigte, da ich mit dem linken Flügel meines 2ten Bataillons stehen blieb, der aus den zwey Compagnien: Major v. Buttitz und Hauptmann v. Belau bestand.

Sogleich avancirte ich und setzte mich mit der Batterie en Linie und bald darauf erschien noch ½ Batterie die mir zur Rechten sich setzte. Die Batterien feuerten nun heftig, und wurden wir von Französischen Geschütz eben so wieder beschossen. Meine Schützen, die vorher ehe die halbe Batterie eintraf, meine rechte Flanke gedeckt hatten, gingen nun freywillig den überzähligen Tirailleurs, welche meine ganze Fronte beschossen und bedrohten, entgegen, und fochten sehr unerschrocken mit ihnen, so lange als diese Affaire gedauert hat.

Als wir, das Gewehr beym Fuß, von ungefähr 10 Uhr Morgens, bis wenigstens 3 Uhr nach Mittags, unter solchem Feuer auf eine Stelle gestanden, und bereits die Regimenter, so rechts von uns in großen Zwischenräumen aufgestellt waren, sich zurückgezogen hatten, entfernte sich die zur Rechten stehende halbe Batterie. Noch behauptete die mir links befindliche Batterie und das Preußische leichte Bataillon von Rabenau mit mir, den Platz, wie aber endlich auch diese Batterie anfing sich zurück zu ziehen, blieb ich immer fort ihr zur Seite, und so setzte sie sich, von Distanz zu Distanz, und feuerte jedesmal auf den Feind. So veränderten wir auch unsre Direction links; und ich deckte dann mit der Wendung, die Flanke. Ich muß bezeugen, daß mein Bataillon beständig in der besten Ordnung geblieben, und auf der Stelle mein Commando Wort befolgt und allemal mit Festigkeit Front gegen den Feind gemacht hat.

Ein Preußischer General-Adjutant kam vom Prinzen und bezeugte uns seine Achtung über das gute Verhalten meiner braven Untergebenen, und äußerte zugleich, es werde bald Soutien erscheinen, der jedoch nicht eintraf.

Die Batterie fiel nun in die Rudolstädter Straße, so hier einen Hohlweg bildete. Ich sahe, daß wegen anderer umgeworfener Canonen und Hindernisse, sie nicht fort konnte, und setzte mit ihr zur Rechten auf jener Seite des Hohlwegs über, wo ich so lange blieb, bis sich feindliche Husaren auf der entgegengesetzten Seite dieses Hohlwegs zeigten, worauf ich also hinüber marschirte, und gegen dieselbe Front machte.

Indem selbige auf mich los gingen, commandirte ich an mein Bataillon: Fertig! und in einer Entfernung von etwa funfzig Schritt, gaben wir eine solche Generalsalve, daß die, welche nicht stürzten, Umkehrt machten. In diesem Augenblick erschienen einige Escadrons von unsern Sächsischen Husaren, welche indeß herbeygekommen, und attakirten, angeführt vom Prinzen Louis selbst und ihrem Obristen v. Pflugk; allein, wie der Hr. Obrist mir nachher gesagt, hatten ihn andre feindliche Husaren im Rücken attakirt, und in wenig Augenblicken warf sich diese ungeheure Masse von unsern und feindlichen Husaren auf mein halbes Bataillon und ritten uns übern Hauffen. Man hieb alles zusammen, und machte die übrigen zu Gefangenen. Dies Schicksal hatte ich, Lieutenant v. Strauwitz und v. Bernewitz unverwundet; Major v. Buttitz, Lieutenant v. Egidy, Fähndrich v. Zettwitz und der Fahnenjunker v. Wolfersdorf aber verwundet.

Unterofficiere und Gemeine haben diese zwey Compagnien, 6 Todte auf dem Platz, 95 Blessirte und 80 Gefangene gehabt. Noch bin ich den Herren Officieren schuldig zu sagen, daß sie allesammt als brave, ehrliebende Männer sich bewiesen, die ihren Leuten das schönste Beyspiel gaben, welches auch seine Wirkung nicht verfehlte, indem kein einziger Mann, während der ganzen Affaire, seinen Platz ohne Befehl, oder Blessur verlassen, sondern mein Commando pünctlich befolgt hat. Der Fahnenjunker v. Wolfersdorf hat seine Fahne tapfer zu erhalten gesucht, sich mit derselben gewehrt, endlich, da er verwundet und schwach geworden, sich auf dieselbe gelegt, und nachdem er noch mehr in dem Kopf gehauen, und das Bewustseyn verloren, ist erst die Fahne unter ihm weggenommen worden.

Major v. Steindel.


Beytrag zur Geschichte des Krieges.

Friedrich von Cölln.

Vier und zwanzigster Brief.

Saalfeld.


Ich eilte durch unwegsame Gebirge und Furthen ohne Zahl, welche die sich stets windende Saale darbietet, hierher, und mein erster Gang war auf das Schlachtfeld, wo unser königlicher genialischer Louis fiel.

Damit Du Dich orientiren kannst, nimm den Bericht des Augenzeugen der Schlacht von Jena zur Hand, der auch hier mein Wegweiser war.

Saalfeld liegt in einem Thale zwischen den Thüringer Waldgebirgen und der Saale auf der linken Seite dieses Stroms, worüber eine steinerne Brücke führt. Dieß Thale ist die letzte Abdachung des Gebirges, und ist etwa eine halbe Meile breit. Auf der rechten Seite des Stroms befinden sich unmittelbare hohe Sandgebirge auf dem Wege nach Neustadt. Die Saale scheint vor sich keinen Ausweg zu finden, da hohe Gebirge eine Meile weit von Saalfeld sich ihr bey Schwarze gerade gegenüber stellen. Sie wendet sich dann in einer Kluft rechts nach Rudolstadt.

Aus den Gebirgen des Thüringer Waldes, vis a vis von Saalfeld, öffnet sich bey Garnstet ein Schlund, welcher die Landstraße von Coburg nach Saalfeld enthält. Aus diesem Schlunde stiegen nach und nach 70000 Franzosen, dehnten sich rechts und links im waldigten Gebirge aus, und verschlangen die Handvoll Preußen, die sich ihnen am Fuß des Berges, die Saale und ihre Sandberge des rechten Ufers dicht im Rücken, entgegenwarfen. Ueberdieß ist das ganze Terrain mit Hohlwegen angefüllt. Wenn die Franzosen Walzen von den Bergen herabrollten, so mußten sie ohne Schuß die Preußen in die Saale hinabdrängen.

Louis hatte eine gute feste Position bey Schwarza, um jenen französischen Truppen den Durchgang aus dem Thale von Saalfeld in das von Rudolstadt zu erschweren; nur Verzweiflung oder Tollkühnheit konnte ihn bewegen, seine Truppen zwischen Woelsdorf und Graba (einen Dorfe nahe an Saalfeld) aufmarschiren zu lassen, Front gegen Garnsdorf und Beulwiz, zwey Dörfer auf der Höhe, wo der Wald sich endet, eine halbe Meile von einander, wo die Franzosen sich ausdehnten, machen zu lassen. Ihm blieb keine Retirade, als auf der Straße nach Rudolstadt, und da die Franzosen die Berge besetzten, und Louis diese Straße nicht hinter sich, sondern in seiner rechten Flanke hatte, so war nichts leichter, als ihn davon abzuschneiden, und die Armee in die Saale zu stürzen, so wie es auch geschah.

Wenn der Prinz selbst die Franzosen schlug, so war kein anderer Erfolg davon zu erwarten, als ein Rückzug seiner Truppen zum Hauptcorps, und war seine Bestimmung, den Feind aufzuhalten und zu harzeliren, so konnte er dieß an vielen Punkten, besonders bey Schwarze, weit besser, als auf jenem Abhange einer Berges, den der Feind besetzt hatte, bewirken; wurde dieser geschlagen, so zog er sich in den Wald. Ueber Garnsdorf und Beulwiz hinaus gab es keine Operationslinie für den Prinzen mehr.

Das Detail der Schlacht lies in dem Bericht des Augenzeugen nach.

Daß die Preußen und Sachsen, besonders das Regiment König, und die preußischen Füselier tapfer gefochten haben, daß sie selbst das Unmögliche versuchten, darüber ist in Saalfeld nur Eine Stimme.

Ich kann und darf, der Wahrheit getreu, den Prinzen nicht loben, daß er diese widersinnige, diese tollkühnste aller Schlachten begann; ich kann darin auch gar nichts Genialisches finden. Es war, ich weiß selbst nicht was, die Ursache; die Wirkung war das unnütze Blutvergießen einer Menge Menschen, und die Muthlosigkeit, welche sich gleich nachher der ganzen Armee mittheilte. Man sagt, der Prinz habe einen Rausch gehabt; das ist aber nicht wahr! Der Gastwirth zum Anker in Saalfeld hat mir selbst versichert, der Prinz habe bey ihm am 10ten ein Frühstück bestellt, gehabt und sey schon auf der Mitte des Markts angekommen gewesen, um es zu sich zu nehmen, als mehrere Ordonanzen ihm das Andringen des Feindes gemeldet und ihn vermocht hätten, nüchtern die Schlacht zu beginnen.

Ueber die Art seines Todes ist in Saalfeld kein Zweifel.

Unterhalb Wohlsdorf unweit der Saale ist ein Acker über einem Hohlwege, an welchem eine Wiese flößt (dieser Hohlweg führt auf einem Nebenwege nach Rudolstadt), auf diesen stellte der Prinz die Ueberreste seiner Cavallerie, um den Rückzug zu decken; er führte sie selbst an den Feind; sie wurde von den rothen Pariser Husaren zersprengt; Louis war ohne Adjutanten, allein, und sich selbst überlassen.

Er setzte mit seinem Pferde über eine grüne Hecke in dem oben bemerkten Wege, wahrscheinlich um nach Rudolstadt zu entkommen; indem er diesen Sprung macht, erhielt sein Pferd von hinten einen Schuß, und macht noch einige Sätze bis zu einem Busch in der Wiese; hier stürzt es. Louis nimmt seine Pistolen besonnen vom Sattel, und statt durch die Saale zu schwimmen, läuft er wieder in jenen Weg, um nach Rudolstadt zu entkommen. Unweit eines Schlagbaums, hart unter dem Dorfe Wohlsdorf, erreicht ihn ein Wachtmeister und ein gemeiner Husar von den Feinden. Er schießt nach ihnen, und der Husar flucht; der Wachtmeister bietet ihm Pardon, er antwortet: Sieg oder Tod! Sie kämpfen. Der Franzose ein Hercul und zu Pferde, der Prinz zu Fuß; lange bleibt der Sieg zweifelhaft, endlich erhält der Prinz einen Hieb ins Genick, und sinkt. Der Husar springt vom Pferde und durchbohrt ihm das Herz. Er ist verschieden. Der Husar entkleidet ihn, und ruft einen Bauer, der dem Kampf mit zusah, um den Leichnam nach Saalfeld zu schaffen. Der Bauer wickelt ihn in ein Betttuch, legt ihn in eine Strohbettstelle, und schafft ihn nach Saalfeld. Hier tragen die Franzosen seine Kleider jubelnd umher, setzen aber den Leichnam unter militairischer Begleitung in der Kirche bey. Den Platz, wo er fiel, bezeichnet ein einfacher Stein, den der Rath zu Saalfeld dort eingraben ließ. Ganz Saalfeld erzählte eben so diese Geschichte. Es waren also keine Augenzeugen bey dem Fall und Tode des Prinzen, sie waren so wie seine Leute geflohen, und kamen sämmtlich nach Jena. Möglich, daß Nostiz für ihn kämpfte, ehe der Prinz vom Pferd fiel; nachher ist es nicht geschehen.

Des Prinzen Leichnam wird heute noch vielen Neugierigen gezeigt, welche ein Andenken von ihm aus dem Sarge mitnehmen. Auch Himmel, sein musikalischer Freund, war hier.

Die Geschichte der Schlacht von Saalfeld mag mich wegen meiner Charakteristik des Prinzen rechtfertigen, und gegen die Bezüchtigungen des Berliner Apologisten in Schutz nehmen, der mir Schuld giebt, ich hätte den Prinzen nach Hörensagen beurtheilt. Nein! sage ich, ich habe ihn gewiß richtig beurtheilt; ich habe aus sichern Quellen geschöpft. Längst schon war das geistige in ihm dem Fleische unterthan; was hilft Bravour ohne Disposition?

Louis mußte nach der Strenge der militairischen Gesetze, wegen seiner begangenen ungeheuern Fehler bey Saalfeld, erschossen werden.

Wahrscheinlich hat ihn Verzweiflung an dem Schicksal seines Vaterlandes, und an dem Fortblühen seines Stamms dazu gebracht, so und nicht anders zu handeln: warum blieb er aber nicht bey Schwarza, eine Meile rückwärts, wo die Vortheile des Terrains sich mit seiner Tapferkeit und der seine Truppen vereinigen konnten?

Unkundige behaupten, es sey schlecht von Hohenlohe gewesen, daß er ihn ohne Unterstützung ließ, das ist lächerlich, denn es war nicht möglich. Hohenlohe war vier Meilen von Saalfeld bey Kahla postirt; wenn er auch mit der ganzen Armee hineilte, so kam er doch nur zur Todtenfeier des Prinzen.

Schlecht ist es aber, daß der General Pellet, der 1 Bataillon und 3 Eskadrons braune Husaren bey Blankenburg kommandirte, und der General Schimmelpfennig, der ein Bataillon Husaren bey Pößneck hatte, nicht zu Hülfe eilten. Beide schützen aber Contreordres vor, was nicht gut begreiflich ist.

Hatten die Preußen bey Saalfeld mehr Cavallerie, als 3 Eskadrons, so war ihr Rückzug gesichert.

Der Verlust der Aktion von Saalfeld zog den der Schlacht von Jena nach sich, denn sie benahm dem gemeinen Mann den Muth; daß aber die preußischen Feldherren, nach den Vorgängen bey Schlaiz und Saalfeld, immer noch nicht das linke Saalufer verließen, und glaubten, der Hauptangriff werde von Erfurt herüber kommen, ungeachtet Tauenzien rapportirte: Napoleon sey den 8. October in Ebersdorf zwischen Lobenstein und Saalfeld gewesen, dieß ist unbegreiflich.


Quellen und Literatur.

  • Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts. Herausgegeben von J. W. v. Archenholz.Im Verlage des Herausgebers und in Commission bey B. G. Hoffmann in Hamburg. Jahrgang 1807.
  • Vertraute Briefe über die innern Verhältnisse am Preussischen Hofe seit dem Tode Friedrichs II. Dritter Band. Amsterdam und Cölln 1808. bey Peter Hammer.