Tribunal révolutionnaire

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Revolutionstribunal.

Dieses schreckliche Gericht der Tyrannei und des unerhörtesten Blutdurstes entstand, als mitten in der Gährung der französische Revolution im Nationalconvente die Parteien des Berges und der Gironde sich stritten, und die erstere die Oberhand erhielt. Seiner Einrichtung und Absicht gemäß sollte das Revolutionstribunal alle diejenigen bestrafen, die gegen den Gang der Revolution waren, sich als Anhänger des Königshauses verdächtig machten.

Es läßt sich denken, welcher ungeheure Spielraum der Bosheit, dem Haß und dem Verfolgungsgeiste durch Errichtung eines solchen Gerichtshofes freigegeben wurde, der an keine Formalitäten sich band, immer nur das Todesurtheil sprach, nie die wahren Punkte der Anklage, zuletzt kaum mehr die Namen der unglücklichen Schlachtopfer untersuchte, die eine höllische Rotte von Angebern (an deren Spitze das Ungeheuer Fouquier-Tinville stand) ihm täglich zuführte.

Trotz dessen, daß von seinem ersten Entstehen an das Revolutionstribunal fast unaufhörlich seine Hände in Blut tauchte, schien doch bald den immer grimmiger wüthenden Jacobinern das Verfahren dieses Gerichtshofes noch zu umständlich und langsam, und als im J. 1794 die Girondisten völlig gestürzt waren, ein Robespierre und ähnliche Ungeheuer präsidirten, da trug der Wohlfahrtsausschuß, unzufrieden über das langsame Verfahren des Revolutionstribunals, darauf an, daß das Tribunal mit der Hinüberspedirung der Menschen in die andre Welt sich hinführo mehr beeilen solle; ein Vorschlag, der auch vom Convente gebilligt wurde. Von jetzt an hörte bei diesem entsetzlichen Gerichtshof jede einzelne Anklage auf. Fouquier-Tinville und seine Rotten reichten täglich lange Listen Unglücklicher ein, die des Hochverraths an der Republik beschuldigt wurden. Ohne zu untersuchen, ob, in wie weit, und auf welche Art die Armen diese Anklage verdienten, wurden sie vor den höllischen Richterstuhl geschleppt, einer ganzen Schar immer auf einmal das angeschuldigte Verbrechen und zugleich das Todesurtheil vorgelesen, ihre Vertheidigung nicht gehört, ja selbst nicht einmal darauf Rücksicht genommen, ob diese Elenden wirklich die waren, die die Anklageliste benannte, oder ob (welches häufig der Fall war) eine bloße Namensverwechslung Statt finde, und dann zur Guillotine geführt.

Wie ungeheuer die Zahl der täglich Gemordeten war, erhellt daraus, daß man im Juni 1794 sich genöthigt sah, die Guillotine auf einen andern Platz hinzuschaffen, da der, auf dem sie bis dahin stand, von dem Blute der Erwürgten so naß und schlüpfrig geworden war, daß die Henker keinen sichern Tritt mehr thun konnten.

Außer diesem zu Paris bestehenden Revolutionstribunale wurden auch in den größern Städten der Provinzen ähnliche errichtet, und Nantes, Lyon, Arras, Straßburg und viele andre Städte sahen in ihren Mauern das blutige Schauspiel wiederholen, das Paris täglich gab. Daß aber mit dieser Art, die angeblichen Feinde der Republik zu morden, die Ungeheuer, die damals Frankreich beherrschten, noch nicht zufrieden waren, ist bekannt, und da das Beil der Guillotine ihnen immer noch zu langsam mordete, so nahmen sie ihre Zuflucht zu den Füsilladen, Mitrailladen und sogenannten revolutionären Hochzeiten, wo zu Hunderten, Paar und Paar an einander gebunden, in den Wellen umkamen.

Als endlich das Ungeheuer Robespierre und mit ihm die Bergpartei gestürzt wurde, da befahl der etwas menschlicher gewordene Convent dem Revolutionstribunale mehr Mäßigung und Schonung, und im Anfang des Jahrs 1795 erntete, von demselben Mordgerichte verdammt, dem er so viele Schlachtopfer zugeführt hatte, Fouquier-Tinville (vergl. d. Art.) mit einem Haufen seiner Helfershelfer ihren Lohn. Noch in demselben Jahr wurde das Revolutionstribunal ganz aufgehoben, an dessen Stelle eine Militärcommission Gesetz, deren Wirksamkeit aber auch bald darauf blos auf militärische Verbrechen eingeschränkt wurde. Früher, als das zu Paris, hörten die in den andern Städten Frankreichs errichteten Revolutionstribunale auf.

Quellen und Literatur

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.