Tribunat

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Tribunat.

Die französische Republik hatte gleich nach ihrer Entstehung, wenn auch selten in der Sache, doch in den Namen eine Menge Einrichtungen der alten Republiken Roms und Griechenlands nachgeahmt, unter welcher sich denn auch das Tribunat befand, ein Körper von 100 Personen, bestimmt über die vorgeschlagenen Gesetze zu debattiren, die Gründe dafür und dagegen aber und besonders das Resultat seiner Untersuchungen dem gesetzgebender Körper vorzulegen, der denn schweigend stimmen, und das Gesetz annehmen oder verwerfen sollte.

Dies war wenigstens Zweck und Verfahren des Tribunats, als Napoleon Buonaparte Consul wurde, und die Constitution neu gegründet hatte.

Die Mitglieder selbst sollten von Zeit zu Zeit zum 5ten Theil heraustreten, und durch neue ersetzt werden.

In so fern nun alle neuen Gesetzvorschläge hier die Musterung passiren mußten, und die besten Köpfe hier einen weiten Spielraum hatte, ihre Talente glänzen zu lassen, so war dies Corps ein Schutzpfeiler der Freiheit, und mußte seinem Zweck um so mehr genügen, je mehr die größten Rednertalente und freisinnigsten Männer in demselben mit einander wetteiferten. Namentlich zeichneten sich Lucian Buonaparte, Carnot, Benjamin Constant aus. Allein ihre freimüthigen Ansichten und Erörterungen, ihre festen, muthigen Erklärungen gegen die Schritte des consularischen Despotismus scheiterten gar bald an der Macht, an der Festigkeit der inzwischen emporgekommenen kaiserlichen Gewalt, an der Bestechlichkeit des gesetzgebenden Körpers, der ihren Resultaten erst das Siegel aufdrücken konnte, an den Cabalen, die Buonaparte anwandte, die besten Köpfe zu entfernen, als ein Fünftheil erneuert weichen mußte, und statt ihrer solche zu wählen, welche nachgiebiger waren.

Bei seiner Wahl zum Kaiser finden wir daher die letzten krampfhaften Zuckungen dieses republikanischen Instituts in Carnots Reden gegen dieselbe. Späterhin versank das ganze Institut so sehr, daß ohne den Namen, wohl aber die Sache vernichtet zu sehn, derselbe doch kaum genannt wird. Ohne Zweifel war dies die Folge davon, daß das Tribunat mit dem gesetzgebenden Körper fast ganz in Eins zerschmolz; denn die beim Antritt der kaiserlichen Regierung gegebene Constitution betrachtete und bestimmte es nur als inhärenten Theil desselben, das gesetzgebende Corps selbst aber war in der ganzen napoleonschen Regierung so gut wie nicht vorhanden, bis es 1813 von Napoleon berufen war, in der höchsten Noth die Stimme der Nation zu gewinnen, die dadurch repräsentirt werden sollte.

Um jeder großen Discussion auszuweichen, untersagte überdies die Constitution dem Tribunat jede Generalversammlung für Erörterung von Gesetzesentwürfen; es sollte nur in einer besondern Section dem versammelten gesetzgebenden Körper beiwohnen, und durch seine Redner einen Gesetzesentwurf lobpreisend empfehlen.

Die Unthätigkeit des gesetzgebenden Körpers bedingte folglich auch die des Tribunats dem größten Theile nach, und die Geschichte der letzten zehn Jahre weiß von ihm wenig mehr, als -- nichts.


Das Tribunat.

[1801]

Besteht aus 100 Mitgliedern, deren jedes 15,000 Franken Gehalt hat.

Tribunen: Goupil-Prefein, (Sohn). Sedillez. Laloi. Laussat. Chassiron. Caillemer. Daunou. Boullay (aus d. Meurthe-Depart.) Chazat. Chenier. ChabaudLatour. Jacqueminot. Emil Gaudin. Barra (vom ArdennenDep.) Thiessé. Ludot. Thibaut. Arnould (aus d. SeineDepart.) Berenget. Mathieu. Gourlay. Beauvais. Barret (vom LysDepart.) Despierre. Malarme. Fabre (aus d. AudeDepart.) Jard-Panvilliers. Picault. Challan, (aus d. Depart. der Seine u. Oise) Bose (aus d. AudeDepart.) Vezin. Carret (aus d. RhoneDepart. LecointePuyraveau. Chenard (aus dem Maas-Depart.) Dieudonné. Jean-Debry. Bouteville-Dumetz. Courtois. Chabot (aus d. AllierDepart.) Gultinger. Huguet. Leharry. Lejourdan (Rhone Mündung Depart.) Mouricault. Miot. Mongez. Leroi. Roujoux. Andrieux. Bailleul. Garat-Mailla. Jubé. Imbet (vom Seine- u. Marne Depart.) Barthelemy (aus d. CorrezeDepart.) Bezard. Birouze-Linieres. Grenier (aus d. Puy de DomeDepart.) Cambe. Coste. Curée. Duchesne. Eschasseriaux d. ält Faure. Favart. Gillet-Lajacqueminiere. Gillet (vom Seine- u. OiseDep.) Guinard. Labrouste (aus d. GirondeDepart. Legier, (des Foréts). LeGoupil-Duclos. Males. Malherbe. Parent-Real. Penieres. Porliez (aus d. OiseDepart.) Gallois. Deshousseaux. Benj. Constant. Ganisch. Demeuniers. Trouvé. Ginguené. Jarry (ält. Sohn). Chauvelin. J. B. Say. Jacquemont. Noet. Lagouidec. Perrée (a. d. MancheDepart.) Boisjolin. Adet. Laromignieres. Dubois (aus d. VogesDepart.) Desrenaudes. Defermont. Jaucourt. Duveryrier. Riouffe. Savoye-Rollin.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Genealogisches Reichs- und Staats- Handbuch auf das Jahr 1801. Frankfurt am Main, bey Varrentrapp und Wenner. 1801.