Württembergische Armee (1812)

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Württembergisches Armeekorps.

Bei dem Ausbruch des Krieges zwischen Frankreich und Rußland im Frühjahr 1812. stellte der König von Würtemberg als Mitglied des Rheinbundes zu der Armee Napoleons ein Corps, welches -- einschließlich des schon im Jahr 1811. nach Danzig ausmarschirten 7ten InfanterieRegiments und ArtillerieDetaschements mit zwei 6pfünder Kanonen, so wie der dem ArmeeCorps nachgeschickten Ergänzung und Trains, -- sich auf 15,800 Mann und 3,400 Pferde belief, an Geschütz 32 Piecen mit sich führte, und aus folgenden Truppen zusammengesetzt war.

Als
An Cavallerie:
Den Regimentern: Nro. 1. Chevauxlegers; Nro. 2. LeibChevauxlegers; Nro. 3. Jäger Herzog Louis; Nro. 4. Jäger König; 2 berittenen Batterien, zu 4 6pfünder Kanonen und 2 7pfünder Haubitzen; 2 Fußbatterien, zu 2 12pfünder 2 6pfünder Kanonen, und 2 7pfünder Haubitzen; Einem ReservePark von 2 12pfünder- und 4 6pfünder Kanonen;
An Infanterie:
Den Regimenter: Nro. 1. Prinz Paul; Nro. 2. Herzog Wilhelm; Nro. 4. ; Nro. 6. Kronprinz; den beiden Jäger- und den beiden leichten Infanterie-Bataillons.


Das Commando über dieses ArmeeCorps wurde vom König seinem Kronprinzen übertragen, und war dasselbe in eine CavallerieDivision zu zwei-, und eine InfanterieDivision zu drei Brigaden folgendermasen eingetheilt:

Cavallerie.
Divisionär: GeneralLieutenant von Wöllwarth.
Ite Brigade.
Brigadier: GeneralMajor von Walsleben; die Regimenter Nro. 2 und 4.
IIte Brigade.
Brigadier: GeneralMajor von Breuning; die Regimenter Nro. 1 und 3.


Infanterie.
Divisionär: GeneralLieutenant von Scheler.
Ite Brigade.
Brigadier: GeneralMajor Ernst v. Hügel; die Regimenter Nro. 1 und 4.
IIte Brigade.
Brigadier: GeneralMajor v. Koch; die Regimenter Nro. 2 und 6.
IIIte Brigade.
Brigadier: GeneralMajor v. Brüsselle; die beiden Jäger- und die beiden leichten InfanterieBataillons.


Sämmtliche Artillerie stand unter dem ObristLieutenant von Brand; die FußArtillerie unter dem speziellen Befehl des ObristLieutenants von Bartruff *).


Anmarsch.

Das ArmeeCorps brach am 11. März aus seinen CantonirungsQuartieren bei Heilbronn auf, und marschirte in 4 auf einander folgenden Colonnen über Mergentheim, Marktbreit, Wiesentheid, Neuseß, Haßfurth und Ebern, nach Coburg, wo solches vom 19. bis 22. März eintraf. Von da rückte dasselbe über Judenbach, Gräfenthal, Saalfeld und Neustadt, den 25. März in Gera, und den 28. in Leipzig ein, von wo aus zwischen der Mulda und der Elbe, bei Wurzen CantonirungsQuartiere bezogen wurden.

Das ArmeeCorps wurde zur 25sten Division der großen Armee erklärt, und bildete unter dem Marschall Ney, mit der 10ten und 11ten französischen InfanterieDivision -- Ledru und Razout -- das 3te Corps derselben.

Den 4. April wurde aus den Cantonirungen bei Wurzen mit der Bestimmung aufgebrochen, über Eulenburg, Torgau, Herzberg, Hohen-Buckau, Luckau, Lieberose, Friedland und Mühlrose, den 14. April in Frankfurth an der Oder einzutreffen. Diß wurde dahin abgeändert, daß vom 13. bis 15. in dem Lebus'schen Kreis Cantonements bezogen wurden; Das HauptQuartier in Lebus, die Cavallerie und der ArtilleriePark in dem sogenannten Oderbruch, die leichten InfanterieBrigade in der Gegend von Selow, die erste Linien InfanterieBrigade bei Münsterberg, und die zweite bei Fürstenwalde.

Mit der BrigadeEintheilung der Cavallerie gieng hier folgende Veränderung vor:
Das CavallerieRegiment Nro. 3. wurde auf Verfügung des Kaisers von der Würtembergischen Division getrennt, und mit einem Königlich Preussischen Uhlanen- und einem Pohlnischen HusarenRegiment, als 16te leichte CavallerieBrigade (sogenannte Brigade Etrangére) der großen Armee, dem 2ten Cavallerie ReserveCorps zugetheilt.
Dieses CavallerieReserveCorps hatte mit mehreren dergleichen ReserveCorps die Bestimmung, unter dem Oberbefehl des Königs von Neapel, während die die große Armee im Marsch begriffen, die Avantgarde derselben, -- und im Treffen -- die Reserve zu bilden. //Anmerkung . . .//
Die drei bei der Würtembergischen Division gebliebenen CavallerieRegimenter wurden zur 25sten CavallerieBrigade erklärt.

Vom 2. bis 3. Mai wurde eine Veränderung in der bisherigen Stellung vorgenommen.

Die Infanterie und der ArtilleriePark kamen zwischen Zilenzig und Frankfurth, und die Cavallerie, zwischen Landsberg an der Weichsel und Cüstrin, auf den nach Posen führenden Straßen zu stehen. Das HauptQuartier in Frankfurth.

Aus dieser Stellung wurde den 10. Mai aufgebrochen, und über Drossen, Meseritz, Pinne, Sendzino, Posen, Pudwitz, Gnesen, Inovrazlaw und Gniewkowo, den 21. Mai in die Gegend von Thorn marschirt. -- Das HauptQuartier in Stezellno; -- Von wo aus am 26. Mai zwischen Gollup jenseits, -- und Gnievkowo disseits der Weichsel, eine Cantonirung, und solche Stellung von dem 3ten ArmeeCorps genommen wurde, daß der Vormarsch gegen den Pregel und Niemen auf den ersten Befehl erfolgen konnte; das HauptQuartier in Thorn.

In diesen Cantonements traf ein der Division auf 52 Wagen nachgeschickter ZwibacksTransport nebst einem Bäckermeister und 30 Bäckern bei derselben ein.

Vom 1. bis 3. Juni vertauschte die Würtembergische Division die Cantonements bei Gollup xc. gegen andere bei Strasburg, Kowalewo, Culmsee, Rehden und Jablonowo, (das HauptQuartier in Strasburg), welche es aber schon am 5. wieder verließ, um sich vorwärts Strasburg bis Neumark, Kauernick und Lebau zu concentriren, und der in dieser Stadt einrückenden Kaiserlichen Garde Platz zu machen.

Um die Subsistenz der Truppen bei dem bevorstehenden Marsch zu sichern, wurde befohlen, solche auf 16 Tage mit Zwiback, Mehl, Reis und Schlachtvieh zu versehen, auch mußten, da vorauszusehen war, daß beim Vorrücken die Pferde auf grünes Futter würden gesetzt werden, für die Eskadrons Sensen und Sicheln angeschaft werden.

Als DepotPlätze waren dem 3ten ArmeeCorps Cüstrin und Thorn angewiesen, wo dasselbe seine Kranken und entbehrlichen Effecten bei dem Vormarsch zurücklassen sollte. In letzterem Platz wurde hiefür von der Infanterie Major v. Gaupp zurückgelassen; die CavallerieDepots waren in Culm und Elbing errichtet, und dabei Lieutenant von Siegel 1te vom Regiment Nro. 1. geblieben.

Auf Befehl des Kaisers mußte die Würtembergische CavallerieBrigade mit der ersten berittenen Batterie, zu der 9ten und 14ten leichten Französischen CavallerieBrigade stoßen, und nach Bischoffsburg marschiren, von wo aus dieselbe am 15. Juni zu Insterburg einzutreffen und gegen Gumbinnen CantonirungsQuartiere zu beziehen hatte. Das Commando der Cavallerie blieb jedoch vorerst noch dem GeneralLieutenant von Wöllwarth.

Den 8. Juni wurde die Würtembergische Infanterie bei Gilgenberg im Bivouac concentrirt, und setzte von da den Marsch den 9. Juni nach Hohenstein, den 10. nach Allenstein, den 11. nach Seeburg, den 12. nach Bischofstein, den 13. nach Schippenbeil, und den 14. nach Gerdauen fort. Das Hauptquartier kam nach Schackenhof bei Friedenberg.

Schlacht von Borodino.

Nachrichten von der großen Armee.

Eine Beylage zur Stuttgarter Zeitung vom 24sten Oct. enthält unterm 23sten Oct. Folgendes: Se. königl. Majestät haben durch den gestern als Courier aus dem königl. würtembergischen Hauptquartiere angekommenen Stabsrittmeister von Speth folgende Nachrichten von den königl. Truppen im Lager vor Moscau vom 20sten Sept. erhalten:

Bey dem Vorrücken der französischen Armee am 25sten Aug. hatte die königl. Division die Queue der mittlern Colonne, welche Marschordnung mit geringen Abweichungen bis zum 14ten Sept. beybehalten wurde.
Bey den Städten Dorogobusk, Wiazma und Ghiat erwartete man eine Schlacht, welche jedoch nicht statt fand, sondern es fielen nur leichte Arrieregardegefechte vor.
In der Nacht vom 5ten auf den 6ten wurde die Armee concentrirt; die königl. Division bezog mit dem 3ten Armeecorps in dem Centrum in dieser Nacht ein Lager, etwa 1000 Schritte hinter einer genommenen Redoute, und blieb den 6ten ruhig.
Den 7ten früh 6 Uhr traten alle Truppen unter Gewehr, und nachdem ihnen eine Proclamation Sr. Majestät des französischen Kaisers vorgelesen war, und worauf es von den Würtembergern: Es lebe der König! erschallte, wurde zur Schlacht angetreten.
Das erste Armeecorps, unterstützt durch die Cavallerie des Königs von Neapel, bildete das erste Treffen im Mittelpuncte, und als 2te Treffen folgte das 3te Armeecorps, wovon das Centrum die königl. Division bildete; den rechten Flügel der ganzen Armee hatte das polnische Armeecorps; das Centrum der Armee hatte mehr freyes Terrain vor sich als die beyden Flügel, welche der Feind mit 2 Redouten gedeckt hatte. Um diese beyden Redouten zu nehmen, wurde denselben gegenüber eine bedeutende Batterie aufgeführt, wozu das königl. Armeecorps 8 Haubizen unter dem Obersten von Bartruff gegeben hatte; 6 königl. Zwölfpfünder nebst einer französischen Zwölfpfünderbatterie hatten die nämlichen Bestimmung. Nachdem das Feuer auf diese Redouten gegen 2 Stunden mit Effect gedauert hatte, formirte das erste Treffen 2 Colonnen, um dieselben zu stürmen. Die feindliche Infanterie in den Redouten und die Artillerie machte ein mörderisches Feuer, während die feindliche Cavallerie und Infanterie die Redouten zu souteniren bemüht waren; die Redouten wurden aber dennoch genommen, und somit der Schlüssel zu der feindlichen Position. Der Feind zog hierauf seine in 2 Treffen und Colonnen aufgestellte Infanterie zurück, und etablirte auf einer dominirenden Anhöhe vor seiner Fronte eine neue Batterie von einige zwanzig Kanonen; zugleich aber hatte er auf andern verschiedenen Puncten seiner ganzen Stellung größere oder kleinere Batterien errichtet, so daß feindlicher Seits wenigstens 250 Kanonen im Feuer waren.
Da vorzüglich die italienische Armee den feindlichen rechten Flügel zu tourniren suchte, und sich daher links zog, so folgte das 1ste Armeecorps schnell dieser Bewegung, wodurch die bereits genommenen 2 Redouten von den diesseitigen Truppen degarnirt wurden; und da sie von dem 1sten Armeecorps nur schwach besetzt blieben, so profitirte der Feind schnell von dieser Lücke, formirte einige Infanteriecolonnen, von Cavallerie und Artillerie unterstützt, um die Redouten wieder zu nehmen; in eben diesem Augenblicke wurde das 3te Armeecorps vorgezogen, um den Feind aufzuhalten; er hatte aber die linke liegende Redoute bereits genommen und mit Infanterie besetzt, welche demselben wieder genommenen wurde. Um diese Redouten entstand ein mörderischer Kampf; Abends 7 Uhr war der Feind aus seiner ganzen Position, welche ihm viele Vortheile gab, vertrieben.
Was das Benehmen der königl. Truppen anbelangt, so hat der bey dieser Schlacht gegenwärtig gewesene Theil bewiesen, daß er den Kern der königl. Truppen enthält. Viele französische Officiere bezeugten laut ihre Achtung. Se. Majestät der Kaiser schickten während der Schlacht einen Adjutanten an den General Marchand, welcher von französischer Seite dem Generallieutenant von Scheeler beygegeben ist, und ließen denselben nach dem Gange der Dinge fragen. General Marchand sagte dem Adjutanten: Melden Sie dem Kaiser, daß die Würtemberger die Schanzen trotz der wiederholten heftigsten Angriffe behauptet, und dadurch Se. Majestät den König von Neapel von der Höchstdemselben gedrohten Gefahr befreyt haben. Se. Majestät der König von Neapel kam nämlich bey dem Rückzuge der Cavallerie ins Gedränge, indem Derselbe durch mehrere Kürassiers und Cosaken persönlich verfolgt wurde; der König ritt auf die diesseitige königl. Infanterie zu, welche plötzlich auf die verfolgenden Feuer gab, und durch Herunterschießen von Mehrern Sr. Majestät Luft machten; da aber die feindliche Cavallerie sich bereits in Flanken und Rücken zeigte, so warf sich der König in die Redoute hinein, und vertraute Sich somit dem Schutze der würtembergischen Division, wobey Derselbe Zeuge des guten Benehmens dieser Truppen war, und solchen vielen Beyfall zu erkennen gab.
Nur einige hundert Schritte vom Lager entfernt kam schon die ganze Division in das Kanonen- und Cartätschenfeuer einer feindlichen Batterie von 20 Pieçen, in welchem circa 1000 Schritte bis zur Redoute avancirt werden mußte; hier hat die Division den größten Verlust erlitten. Je geringer aber der Zeitraum des größten Verlust war, desto mehr wurde die Haltung der Truppen erprobt, die sich im Avanciren keinen Augenblick aufhalten ließen, und immer Reih und Glieder hielten. Kaum war die Division bey der Schanze angelangt und kaum hatte Generallieutenant von Scheeler die Infanterie zu deren Besetzung befehligt, als er einen Schuß durch eine Kleingewehrkugel an der Hals erhielt, welche ihn besinnungslos vom Pferde stürzte, so daß er hinweggebracht werden mußte, als er kurz darauf wieder zur Besinnung gekommen und verbunden worden war, übernahm er während der Schlacht das Commando wieder, und hat solches bis dato behalten.
In der Nacht vom 7ten auf den 8ten und vom 8ten auf den 9ten bivouakirte die Armee auf dem Schlachtfelde.
Den 10ten setzte sich dieselbe wieder in Bewegung, ohne daß etwas weiteres als Arrieregefechte den 10ten, 11ten, 12ten und 13ten vorfielen, obschon man gewiß glaubte, daß der Feind vor Moscau eine zweyte Schlacht annehmen würde; es hatte auch derselbe an mehrern Stellen, vorzüglich aber eine Stunde vor Moscau, angefangen, Verschanzungen und Verhaue anzulegen, jedoch deren Vertheidigung immer wieder aufgegeben; die feindliche Armee hatte auch wirklich in dieser Schlacht den Kern ihrer alten Truppen verloren.
Den 14ten Abends kam die Armee nach einem sehr starken Marsche eine halbe Stunde vor den Barrieren von Moscau an, woselbst ein Bivouac bezogen wurde.
Den 15ten und 16ten waren nur die kaiserl. Garden in der Stadt, andern Truppen war der Eingang verboten; den 17ten in der Nacht aber wurde der Befehl gegeben, auch von allen andern Corps Detaschements hineinzuschicken, um von den dem Feuer preisgegebenen Vorräthen zu profitiren, und somit konnten auch die in einem Dorfe hinter dem Schlachtfelde versammelten Blessirten der königl. Division in Hinsicht ihrer Verpflegung gut besorgt werden.
Seit 2 Tagen sind das 3te Armeecorps und daher auch die königl. Truppen in der Vorstadt Moscaus auf der Straße nach Kasan im Quartier.
Die königl. Cavallerie, welche meistens zertheilt war, hat gleichfalls den rühmlichsten Antheil an der Schlacht vom 7ten Sept. und den solcher vorangegangenen und gefolgten kleinern Gefechten genommen.
Der Verlust des königl Armeecorps besteht in 5 gebliebenen und 42 verwundeten Officiers; 64 gebliebenen, 534 verwundeten und 29 vermißten Unterofficiers und Soldaten, und in 472 todten, 71 verwundeten und 4 vermißten Pferden.


Quellen und Literatur.

  • Tagebücher aus den zehen Feldzügen der Würtemberger unter der Regierung Königs Friderich. Ludwigsburg. Im Verlag bei Friedrich Nast. 1820.
  • Leipziger Zeitung Nr. 216. Dienstags den 3. November 1812.