Westpreußische Reserve-Korps

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Fragmente einer handschriftlichen historischen Nachricht von den Kriegs-Schicksalen der Preussischen Reserve-Armee im October 1806.

Der diese Reserve-Armee commandirende Oberbefehlshaber, Prinz Eugen von Würtemberg, -- der bekanntlich nach seinem Kriegsunglück von Kennern und Nichtkennern sehr strenge beurtheilt worden ist -- hat mir aus Carls-Ruh bey Oppeln die Erlaubniß ertheilt, Bruchstücke aus seinem in vorigen Heft der Minerva erwähnten Manuscript, das ursprünglich nicht fürs Publicum bestimmt war, bekannt zu machen. Dies ist hier geschehn, wobey man bloß einige Bemerkungen, die in unserm, noch nicht zur Freymüthigkeit gestimmten, Zeitalter, mißfallen könnten, aber nichts Wesentliches, weggelassen hat.
Das Nachstehende ist also ein wichtiger Beytrag zu dieser in allen ihren Theilen höchst sonderbaren Kriegsgeschichte.
v. A.


"Es genügt mir, mich in den Augen rechtschaffener Menschen zu rechtfertigen, nicht aber einen unnützen Federkampf zu beginnen. Uebrigens kann und muß ich Ihnen hier vieles sagen und offenbaren, das nicht vor das Publicum gehört. *) Ich werde mich bemühen, mich kurz zu fassen, doch ohne etwas Wichtiges hinweg zu lassen."
"Das Westpreußische Reserve-Corps, wie es eigentlich hieß, ward mir in Berlin im August anvertraut, indem es Ordre zu seiner Mobilmachung erhielt, und ich eben von Stuttgardt zurück kam, woselbst ich in Familien-Angelegenheiten beym Könige, meinem Bruder, mich befand, und auf die bloße Nachricht, des Obersten und General-Adjutanten von Kleist, daß mein Regiment mobil gemacht würde, zurückkehrte. Dieses Corps sollte bestehen aus 3 Grenadier, 3 Füsilier und 12 Musketier-Bataillons, 10 Escadrons Dragoner und 10 Escadrons Husaren, 3 Batterien 12 Pfünder und 2 reitenden Batterien, wovon mir jedoch eine der letztern gleich anfangs wieder abgenommen wurde, da beyde in Berlin mobil gemacht wurden. Die Mobilmachung der Truppen ging zu des Königs und meiner großen Unzufriedenheit durch einige Versäumnisse eines Ministers, und unnütze Weitläuftigkeiten der Kammern, ja selbst durch die leidige Penibilité einiger Chefs, langsamer, als man hoffen durfte. Es ging dadurch eine edle Zeit verloren; denn was hätte ich mit dem Corps nicht thun können, wenn ich, statt den 17ten bey Halle erst versammlet zu seyn, es schon am 12ten gewesen wäre. Oft liegt im Anfange einer Sache der Fehler, den man in der Folgezeit zu finden glaubt. Der General-Quartiermeister, Generallieutenant von Geusau, hatte den Auftrag das Marsch-Tableau für das Corps zu entwerfen, und nach solchem muste es in die bestimmten Cantonirungsquartiere bey Cüstrin hinter der Oder den 15ten October versammlet seyn. Kurz darauf erhielt ich Ordre, die Mobilmachung und den Marsch der Truppen so viel als möglich zu beschleunigen, und dieser Befehl ward wiederholend erneuert; es gelang mir in der Art, daß das Corps um vieles früher an die Oder hätte ankommen können; allein auch dieses ward nicht abgewartet, vielmehr erhielt ich Befehl, die Truppen nicht mehr hinter der Oder, sondern an der Spree bey Fürstenwalde einstweilen zu sammlen, ohne erst ihre General-Sammlung bey Cüstrin abzuwarten."
"Ich war froh, mich hier sammlen zu dürfen, da ich mich von dort aus gegen jeden Punct der Elbe hinwenden konnte. Doch auch hiezu ward mir keine Zeit gelassen, sondern ein neuer bestimmter Befehl berief mich nach Magdeburg, und dieser Ort ward mir nun zum Sammelplatz angewiesen. Als ich daselbst den 12ten Abends ankam, und die Truppen in verschiedenen Colonnen über Berlin, Baruth und Dessau noch erst im Anmarsch waren, erhielt ich wiederum einen neuen Befehl nach Halle zu marschiren, um mich dort zu sammlen. Ja, den 13ten Abends ward mir durch einen Courier anbefohlen, über Leipzig nach Dresden zu eilen, um mich daselbst wo möglich mit dem General Tauenzien zu vereinigen. Ich stellte vor, es sey durchaus nothwendig, die Truppen zu dieser Expedition erst zu sammlen, wenn man sie nicht den Unglück aussetzen wollte, durch einen der Leichtigkeit und Energie seiner Bewegungen bekannten Feind en detail aufreiben zu lassen."
"Am 17ten October war es erst möglich das Corps beysammen zu haben, und an keine Operation also war vor dem 19ten zu denken. Man hatte mir von den Bewegungen und der Stellung des Feindes gar nichts, sondern blos von muthmaaßlichen Absichten desselben etwas gesagt, und es blieb ein unverzeihlicher Fehler, ein Corps von 18 Bataillons und 20 Escadrons, in der nähe und gleichsam Angesichts des Feindes, sich sammlen zu lassen; da nichts dem Feinde entgegen gestellt werden muß, das nicht im Stande sey, gleich zu agiren; und wie wenig ein erst im Sammlen begriffnes Corps dazu geeignet ist, wird ein jeder von selbst ermessen können. Dieser Fehler kann mir aber wohl schwerlich zur Last gelegt werden, da ich nur Höhern Befehlen gehorchen muste. Aber leider! ist es zu vermuthen, daß diejenigen, die mir Befehle ertheilten, selbst nicht die besten und zuverläßigsten Nachrichten hatten. Obgleich mit nie irgend etwas von dem eigentlichen Operations-Plan bekannt gemacht worden ist, sondern nur in einzelnen Briefen Einiges dahin abzielendes mitgetheilt wurde, so war es doch leicht anzusehen, daß nie ein wirklicher Zusammenhang in den Ideen statt gefunden hat. Bald sollte der Generallieutenant von Rüchel durch Thüringen ins Würzburgsche eindringen, und die Armee ihm folgen; bald die Saale behauptet, dann aber, wie leider! geschehen, verlassen werden; anderer sich ganz widersprechender Ideen nicht zu denken. Das Sonderbarste hiebey aber war, daß man mir endlich schrieb: "daß da man vermuthen müste, durch den Feind umgangen zu werden, man auf ihn wohl los gehen, wobey ich einen großen Nutzen stiften könnte, wenn ich eine Position von Halle aus bey Merseburg nähme, die mir selbst vorgeschrieben ward."
"Man wuste, daß dieses vor dem 18ten nicht möglich gemacht werden konnte, und demohngeachtet lieferte man die Bataille von Jena den 14ten, an eben dem Tage, wo ich mit zwey Bataillons, als der Tete des Corps in Halle gegen Abend ankam. Man hatte daselbst und wir sämtlich auf dem Marsch die heftige Canonade bey Kösen gehört, konnten aber durchaus nichts erfahren. Ich zog zwar sogleich, noch spät Abends, 100 Pferde des Husaren Regiments Usedom an mich, um Feld-Wachen vor Halle zu halten, und Patrouillen so weit als möglich vor zu poussiren, und irgend eine Nachricht zu erhalten, allein umsonst. Es kam zwar ein von mir an den König abgeschickter Courier zurück, der aber den König schon den 12ten Abends verlassen hatte, und mir den Befehl überbrachte, 100,000 Brodte und Schlachtvieh in Bereitschaft zu halten, aber natürlich mir keine andere Nachrichten geben konnte."
"Einige erfahrne Artilleristen glaubten mit Gewißheit, der immer zunehmenden Entfernung des Schalls wegen, uns einen erfochtenen Sieg verkündigen zu können, und ich gestehe, daß wir uns dieser angenehmen Täuschung enigermaaßen überließen, als wir den 15ten des Abends, durch mehrere Versprengte des in Halle garnisonirenden Regiments Renouard, und durch den schwerverwundeten Major von Naefe, eben dieses Regiments, sehr mißliche Nachrichten erhielten; welchen jedoch nicht völligen Glauben beygemessen werden konnte, da es augenscheinlich war, daß mehrere derselben das Schlachtfeld noch vor völliger Beendigung des Treffens, verlassen hatten, und Major von Naefe, der dabey sehr schwach war, konnte nur dessen erwähnen, was um und neben ihm vorgefallen war, und vom Einzelnen ließ es sich nicht aufs Ganze schließen. Daß indessen an allen Enden Patrouillen, ja selbst ganze Partheyen unter dem Rittmeister von Kalbow, Lieut. von Breßler und dem Lieut. von Klitzing vom General-Staabe, ausgeschickt wurden, war natürlich. Sie brachten Gefangene ein, die aber nach Art der Franzosen, entweder nichts sagen wollten oder konnten, und die meistens von einer Streif-Parthey waren, die keinen Antheil an der Bataille genommen hatte. Eine artige Antwort einer dieser Gefangenen kann ich nicht unterlassen hier mitzutheilen. Ich befragte ihn über manches, ihre Stärke, Absichten u. s. w. "Prince -- war sein Antwort -- "si je Vous disois un mensonge, j'en aurois honte et cela ne Vous serviroit à rien; si je Vous disois la verité, j, agirois contre l'honneur et mon dévoir. Vous ne l'exigerez pas."
"Obgleich in der schrecklichsten Ungewißheit über alles, was vorgegangen war, ward nichts verabsäumt, um so viel als möglich zum allgemeinen Besten beyzutragen. Während sich die Truppen nach und nach sammleten, ward Leipzig mit 1 Bataillon und 100 Pferden, Merseburg mit 1 Bataillon und 50 Pferden, und der Uebergang bey Scopau mit 2 Compagnien Füsiliers besetzt; theils um gegen Streifzüge zu sichern, als auch um das Corps selbst zu decken. Auf verschiedenen Wegen wurden Officiere und Jäger abgesendet, um zum König] zu gelangen, und der Lieutenant v. Trabenfeld, vom Generalstaabe, an den Herzog von Braunschweig abgeschickt. Alles umsonst! nur ein Officier, mein Adjutant der Rittmeister von Wollzogen, fand den König, aber erst in Magdeburg, nachdem er die schrecklichsten Umwege über den Harz hatte machen müssen. Nirgends keine Nachrichten, denen man bestimmten Glauben hätte beymessen dürfen, und kein General, der nur eine Zeile geschrieben hätte."
"Nachmals eröfnete mir der Generaladjutant, Oberst v. Kleist, er habe vom Platze an den Gouverneur von Magdeburg geschrieben, und ihn gebeten, mich von allem zu unterrichten. Dies unterblieb aber von Seiten dieses Mannes, aus mir wahrlich sehr unbekannten Ursachen, *) und erst als ich den 19ten mit dem Corps an den Thoren von Magdeburg ankam, erhielt ich zwey Briefe dieses Generals, mit der Anzeige einiger vom Könige getroffenen Verfügungen während Seiner Anwesenheit daselbst. Als den 16ten endlich immer mehr Versprengte von sehr verschiedenen Regimentern und selbst einige Officiere ankamen, welche die bösen Nachrichten bestätigten, zog ich alle bereits anwesenden Bataillons in ein Lager auf den Galgen-Höhen zusammen, nachdem ich schon Tages vorher mit dem eben anwesenden Staatsminister von Angern zweckmäßige Anordnungen zur möglichen Fortschaffung des beträchtlichen Magazins getroffen hatte."
"Halle selbst war durch 1 Grenadier und ein Füsilier-Bataillon besetzt, und 5 Escadrons Dragoner nach Passendorf vordetaschirt, das Bataillon aber und die 100 Pferde, welche Leipzig besetzt hielten, wurden wieder angezogen. Merseburg blieb jedoch noch besetzt."
"In dieser Lage waren die Sachen, als den 17ten früh ein Officier vom Sächsischen General-Staabe mit der traurigen Nachricht, der völligen Niederlage der Hohenlohschen und Rüchelschen Corps, zu mir kam, um nach Dresden zu eilen, und mir zugleich anzeigte, daß es schiene, als wenn alles sich nach Magdeburg wenden wollte; denn leider! da gar keine eigentliche Retraite bestimmt worden war, so hatte dies die traurigen Folge, daß die, außer der Reserve des Grafen v. Kalkreuth, völlig versprengte Armee und ihre verschiedenen Corps, theils nach Halle, Auerstädt, Buttelsstädt, Erfurt, Weimar und dem Harz flüchteten. Eine Zeitlang, und zwar bis zum 17ten früh, glaubte ich, daß geschlagene Armee die Saale vielleicht noch zu gewinnen suchen würde, und deshalb den Weg über Halle nehmen möchte, und diese Meynung, verbunden mit der Nothwendigkeit das Magazin fortzuschaffen, und bestärkt in meiner Idee durch den Königlichen Befehl, Ihm 100,000 Brodte und Schlachtvieh bereit zu halten, veranlaßte und nöthigte mich, Halle besetzt zu halten, und nicht eher zu verlassen, als bis ich dort vertrieben würde, oder sichere Nachricht von der Direction des Rückzuges der Königlichen Armee und der mit solcher in Verbindung stehenden Corps erhielte."
"Obgleich nun die Nachricht, des Sächsischen Officiers keine völlige Gewißheit gewährte: so schien es mir doch wohl das Natürlichste, daß man Magdeburg zum allgemeinen Sammelplatz wählen würde, und faßte ich daher alsbald den Entschluß, mich nunmehr auch sogleich dahin zu ziehen. Die Befehle zum Aufbrechen wurden gegeben, obgleich das Infanterie-Regiment v. Treskow und Dragoner-Regiment v. Heyking noch nicht angekommen waren; auch das eine Bataillon nebst 100 Pferden, die Leipzig besetzt gehabt hatten, und die 12pfündige Batterie v. Hardt, erst eingerückt waren. Die Detaschements sollten nur noch abgewartet, und die Bagage, diese leidige Last der Preussischen Heere, abgeschickt werden, als mir der Anmarsch des 6000 Mann starken Corps des General Düpont gemeldet wurde. Das Dragoner-Regiment, Gr. Herzberg, das eben Ordre erhalten hatte, von Passendorf, wo es eine halbe Meile vor Halle auf Vorposten stand, abzumarschiren, ward kurz darauf, als es sich in Marsch setzte, durch solches lebhaft attakirt. Es versuchte sich zu halten, welches ich aber verhinderte, und dem Regiment befahl, sich abzuziehen, das auch in gröster Ordnung und nur mit Verlust einiger Mannschaft geschah. Ich zog das Regiment durch Halle durch, während dem ich die Saalbrücke durch das Grenadier-Bataillon v. Crety, 6 Compagnien Füsiliers und die reitende Batterie v. Holzendorf besetzte. Hier erfolgte bald ein sehr lebhafter Angriff, der aber muthig ausgehalten wurde."
"Während dem kam das Corps des Marschall Bernadotte heran, und suchte mich zu umgehen, welches ich aber durch eine retrogade Schwenkung des linken Flügels zu verhindern wuste. Das Gefecht an der Saalbrücke ward immer lebhafter; und um diesen Truppen, die schon viel verloren hatten, den Rückzug zu erleichtern, detaschirte ich ihnen das 2te Bataillon v. Ratzmer noch zum Soutien."
"Hier tadle man mich nicht, und sage: warum hattest Du daran nicht genug, und gingst dann Deine Wege? Ein jeder Militär von Kriegserfahrung weiß, daß wenn man erst eine Affaire angefangen hat, es schwer ist zu bestimmen, wenn man endigen will."
"Ich ward angegriffen; ich muste mich vertheidigen, und eine Vorposten-Affaire ward hier, wie öfters, zum allgemeinen Gefecht, das ich eben nicht herbey gesucht haben würde. Während dem noch ein Gefecht in den Straßen von Halle statt fand, ward ich selbst auch schon in meiner Position angegriffen, und dadurch das Gefecht allgemein. Die zwey Bataillons, Regiment v. Treskow, fehlten noch, so wie das Dragoner-Regiment v. Heyking, welches letztere erst während der Affaire zu mir stieß, so wie ein Bataillon Füsilier, das Merseburg gesetzt hatte, und zwey Compagnien, welche bey Scopau standen, und während dem Marsch zu mir stoßen sollten. Ich hatte also statt achtzehn Bataillons nur dreyzehn und ein halb Bataillon bey mir, da ein Bataillon, zur Bedeckung der Bagage, abgeschickt war. Sechs Stunden währte das Gefecht, und dreymal ward der beynahe viermal überlegene Feind repoußirt, wodurch ich Luft bekam, und den Zeitpunct gewann, mich abziehen zu können, nachdem ich alles an mich gezogen hatte. Dem Regiment v. Treskow hatte ich zweymal Ordre geschickt, stehen zu bleiben, mich abzuwarten, und sich durchaus in nichts einzulassen. Demohngeachtet engagirte es sich leider! thörigter Weise und erlebte das traurige, leicht vorherzusehende, Schicksal, theils aufgerieben, theils gefangen zu werden. Da beyde an solches abgeschickte Officiere nicht zu mir zurück kamen, so muste ich glauben, daß sie entweder geblieben, oder gefangen genommen worden sind. Der Rückzug ging in schönster Ordnung vor sich, und ward durch die Cavallerie gehörig gedeckt. Bey dem Gefecht selbst haben die Truppen äußerst brav gethan."
"So kam ich glücklich über die Elbe bey Dessau, oder vielmehr bey Roßlaw. Die Brücke ward völlig abgebrannt. ein gleiches sollte mit der bey Wittenberg auf meinen Befehl geschehen, und der dahin commandirte Lieutenant Solenz steckte sie in Brand; allein die Bürger löschten das Feuer. Alle Fähren und Fahrzeuge von Wittenberg bis Schönebeck sind auf meinem Befehl, ohne irgend einen Auftrag deshalb gehabt zu haben, gänzlich vernichtet worden. Ich kam den 19ten früh mit dem Corps in Magdeburg an, als: mit
"Ueberrest des Grenadier-Bataillon v. Crety, da solches an der Saalbrücke viel verloren hatte."
"Grenadier-Bataillon Vieregg, hatte 80 Mann verloren."
"Grenadier-Bataillon Schmeling, hatte 86 Mann verloren."
"Regiment Natzmer, hatte 140 bis 150 Mann verloren."
"Regiment Larisch, hatte 65 Mann verloren."
"Regiment Mannstein, Hatte 160 Mann verloren."
"Regiment Kalckreuth, hatte 45 Mann verloren. (Ein Bataillon war bey der Bagage commandirt.)"
"Regiment Kauffberg, hatte etwas über 200 Mann verloren."
"Füsilier-Bataillon Hinrichs, hatte mit zwey Compagnien des Füsilier-Bataillons Knorr, 240 Mann verloren."
"Regiment Gr. Hertzberg Dragoner, hatte 24 Mann verloren."
"Regiment Heyking Dragoner, hatte 15 Mann verloren."
"Regiment Usedom Husaren, hatte 40 bis 50 Mann verloren."
"Reitende Batterie v. Holzendorff, ihr waren fünf Canonen und eine Haubitze demontirt worden."
"Die 12pfündige Batterie v. Mayer, der drey Canonen demontirt worden waren."
"Die 12pfündige Batterie v. Hardt, und die 12pfündige Batterie v. Zikorsky, blieben complet.
"Mein ganzer Verlust bestand also in 8 demontirten Canonen und 1075 Mann, und ich glaube nicht zu viel zu thun, wenn ich behaupte, daß unter dieser Anzahl mir als Todte oder Vermißte Gemeldeten, wenigstens dreyhundert, theils Deserteurs, theils sich aus andern Ursachen Entfernte, befindlich gewesen seyn mögen."
"So viel über das Ganze, über mein Benehmen dabey, und hauptsächlich über die veranlassenden Ursachen. Nun nur noch einige allgemeine Bemerkungen. -- Mein Westpreußisches Reserve-Corps, war selbst den 17ten noch nicht als ein würkliches Corps zu betrachten, da es noch nicht zusammen, also unfähig zu irgend einer Art Operation war. Von der Weichsel an bis nach Halle sind die Truppen in einem Lauf, den Marsch kann man es wohl nicht nennen, Bataillon- und Escadronweise, begriffen gewesen, und der wenig zusammenhängende Plan des Ganzen, mag es wohl verursacht haben, daß mir erst die Gegend bey Cüstrin, dann Fürstenwalde, hierauf Magdeburg, und endlich Halle zum Sammelplatz vorgeschrieben, immer mit dem ausdrücklichen Beysatz: nicht erst abzuwarten, daß alles heran sey, sondern gleich mit den Teten abzumarschiren. Was mir aber immer das allerunbegreiflichste bleibt, ist, daß wenn man ja die Absicht hatte, mich bey Halle zu brauchen, warum man mich den so höchst unnöthigen, zeitverderbenden Marsch nach Magdeburg unternehmen ließ. Ich will mich nicht unterstehen, hierüber zu urtheilen, allein es scheint mir, als wenn der Befehl, mich nach Magdeburg zu wenden, nicht vom Könige Herrühre. Vielleicht liegen hier Beweggründe zum Grunde, die man ahnen möchte, ohne sie aufdecken zu dürfen. -- Wenn ich nicht nach ganz bestimmten Befehlen hätte handeln müssen, und nachdem man gesehen hat, wie das Corps, einzeln, Bataillon und Escadronweise, in Halle und dessen Gegend angekommen ist, so hat man mich nichts anders als der grösten und unbesonnensten Unvorsichtigkeit beschuldigen müssen. Allein die Schuld lag nicht an mir; ich hatte bestimmte Befehle, ich muste gehorchen. Wie traurig ist das Schicksal eines Generals, der ein großes Corps führen soll, und dem jeder Schritt und Tritt bestimmt vorgeschrieben wird, und der hierauf den Beschuldigungen des Publicums preis gegeben wird, das weder seine Lage, noch seine Verhaltungsbefehle und das so äußerst fehlerhafte derselben kennt. Auf diese Art kömmt man um Ehre und guten Namen, nachdem man zwey und dreißig Jahrege dient, und in diesem Zeitraum die Zufriedenheit dreyer Monarchen verdient hat."
"Der große Friedrich war mein vorzüglichster Gönner; unter seinen Augen und seiner Führung machte ich die Campagne von 1778 zu seiner Zufriedenheit, theils unter dem damaligen General-Adjutanten von Anhalt, der mir immer sehr wohl wollte. In der Campagne in Pohlen, darf ich mit Wahrheit sagen, viel zum Siege bey Raffka, oder Selze, beygetragen zu haben, welches König Friedrich Wilhelm II. bewog, mir eigenhändig den schwarzen Adler-Orden umzuhängen. Der große Friedrich ernannte mich selbst noch in seinem Sterbejahr 1786 zum General, nachdem er mich vier Jahr vorher zu den Husaren, eine damals besondere Ausnahme für Prinzen, versetzt hatte. Der jetzige König, den ich vom siebten Jahre an kenne und habe aufwachsen sehen, hat mich von jeher geschätzt und als einen Freund behandelt. Nach alle dem, und geachtet vom grösten Theil der Armee, und vorzüglich von dem alten, würdigen Feldmarschall Möllendorf, und dem braven kenntnißvollen General Rüchel, der mein besonderer Freund ist, sehe ich mich in der traurigen Lage so falsch beurtheilt, und öffentlich als denjenigen Befehlshaber angeklagt zu werden, der eigentlich den Ruin der Preussischen Staats herbey geführt haben, soll, und so muß ich die Schuld der Fehler tragen, die ich wahrlich nicht beging, sondern die man mir zu begehen hieß. Dabey ist es doppelt schmerzhaft für mich, diese Beschuldigungen tragen zu müssen, da ich solche nicht anders von mir abwenden könnte, als indem ich gegen die Achtung fehlen müste, die ich hohen Personen schuldig, und denen ich zu sehr verpflichtet und ergeben bin, als daß ich zu meiner Rechtfertigung ihre Befehle und Fehler öffentlich bekannt machen könnte." -- -- -- -- "Es sey mir erlaubt, nur noch einiges hier anzuführen."
"Das politische Benehmen Preussens hat mehr als dessen militärisches, sein Unglück herbeygeführt. Es hat das Cabinet keinen festen Plan angenommen, sondern immer sich schwankend betragen. Preussen, das zwischen Rußland, Oesterreich und Frankreich stand, muste eine entscheidende Parthie ergreifen, da an keine Neutralität mehr zu denken war. Ich maaße mir nicht an, zu bestimmen, welche; aber eine muste ergriffen werden. Dabey hätte man den jetzigen Krieg unternehmen wollen, so hätte man ihn blos defensive führen sollen, bis die Russen 1a portée gewesen wären uns gehörig zu unterstützen, nicht aber isolirt uns einem so mächtigen, gewandten, und leider! sieggewohnten Feinde entgegen stellen sollen. Ich hatte vor Anfang des Krieges eine lange Unterredung desfalls mit einem Manne der großen Einfluß hat, der aber auf meine Vorstellungen blos aus dem Grunde nicht hören wollte, weil, wie er behauptete, es Vorsatz wäre, dem Feinde zu beweisen, daß von keiner Coalition die Rede wäre. Der Feind hat es darum nicht weniger geglaubt, und hat selbst diese im Manifest geäußerte Bekanntmachung in allen öffentlichen Blättern lächerlich gemacht, wie man es vorher vermuthen konnte. Ueberdies da Preussen einmal seine Zustimmung zum Rhein-Bunde gegeben hatte, hätte es dabey bleiben müssen, und sich nur mit der Organisation des Nordischen Bundes beschäftigen sollen. Dem sey übrigens wie ihm wolle, da einmal der Krieg beschlossen war, so hätte er defensiv angefangen, und dieserhalb die Saale mit dem Gros der Armee, und die Elbe mit der Reserven besetzt gehalten werden sollen. Wer den Herzog von Braunschweig besonders in den letzten Zeiten gekannt hat, muste auf einen solchen Defensiv-Plan, sicher rechnen, und dennoch -- -- -- -- -- "Er glaubte nicht, daß es möglich sey, daß der Feind ihn zuvor kommen und ihn eher attakiren könne, als er dies bewerkstelligen möchte. Einige mir wohl bekannte einsichtsvolle Männer, suchten ihn darauf aufmerksam zu machen, allein sie konnten ihn nicht überzeugen. Unbegreiflich ist es mir, wie der sonst so vorsichtige Herzog so handeln konnte, da er selbst in jeder seiner Reden mit Vorsicht zu Werke ging, und immer bey jeder Gelegenheit sagte: "il faut être bien en mesûre pour entreprendre quelquechose contre un pareil Ennemi; il ne faut pas de demi moyens, mais un grand ensemble pour espérer de roussir." -- -- --
-- -- -- "Die Armee selbst ward freylich nicht geführt, wie es zu wünschen gewesen wäre. An sich selbst aber hat sie den alten Ruhm der Tapferkeit bey allen Vorfällen bewährt. Nur ist nicht zu läugnen, daß der eigentliche Ernst, der gewisse Nachdruck, die zu Friedrichs Zeiten der Armee eine gewisse Würde gaben, die allgemein verehrt und anerkannt wurde, in etwas verloren gegangen ist, daß eine Art leichten Sinnes an die Stelle getreten war, welche der Subordination sehr nachtheilig wurde; daß selbst die Umgebungen der Generale oft mehr mitsprachen, als sie gedurft hätten; daß, mit einem Wort, mit dem Tode des großen Mannes, der es so sehr verstand, durch Furcht und Liebe, und durch eine ihm nothwendig schuldige Verehrung alles in Ansehen und Respect zu halten, und denen, die er seines Zutrauens würdigte, im Respect bey seinen Untergebenen zu erhalten wuste, daß sage ich, mit diesem sehr viel verloren gegangen ist, was nur durch ein neues, eben so ausgezeichnetes, Genie, aber freylich im Geiste der Zeit, nur wiederum für die Preussische Armee gewonnen werden kann. Leider! eine Wahrheit, die jeder Patriot mit mir lebhaft fühlen muß."
"Daß bey allen glücklichen Ereignissen, die noch statt finden können, der Preussische Staat und die Armee ihr ehemaliges Ansehen wieder erhalten möchten, scheint mir nicht wohl möglich; da nur fremde Mächte Preussen zu seinem Verlust wieder verhelfen können, und selbst hiebey noch schmerzhafte Opfer gebracht werden müssen; auch Preussen immer von seinen Rettern abhängig bleiben wird. Gesetz aber auch, es gelänge den Russen und England, den König in dem grösten Theil, ja selbst in allen seinen Staaten wieder einzusetzen, wie sehr sind diese sämmtlich durch Lieferungen, Requisitionen und Contributionen in ihrem Innern erschöpft, und wie viele Jahre werden dazu gehören, um diese tiefen Wunden zu heilen, und sie in den Stand setzen, die schon an sich beträchtlichen Abgaben wiederum abführen zu können, um zu den Staatsbedürfnissen zu dienen. Nur neue Umwälzungen, die man weder fürs Wohl der Menschheit und des ganzen wünschen und hoffen darf, könnten vielleicht einst Preussen zu seiner ehemaligen Größe zurückführen. Bis dahin wird wohl alles bey frommen Wünschen bleiben müssen. -- Unser Geist ist entflohn!" -- -- -- --
"Carls-Ruh in Schlesien bey Oppeln, den 5ten April 1807."
"F. H. Eugen, Herzog zu Würtemberg."


Quellen und Literatur.

  • Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts. Herausgegeben von J. W. v. Archenholz. Für das Jahr 1807. Im Verlage des Herausgebers und in Commission bey B. G. Hoffmann in Hamburg.