Wichard von Möllendorff

From NapoleonWiki
Jump to: navigation, search

Wichard Joachim Heinrich von Möllendorf.

Möllendorf (Wichard Joachim Heinrich von), königlich preußischer Generalfeldmarschall, geb. 1724 zu Lindenberg in der Prignitz, einem Gute seines Vaters, der die Stelle eines königlichen Deichhauptmann in dieser Provinz bekleidete.

Er besuchte die Ritterakademie zu Brandenburg bis zum Jahre 1739. Im J. 1740 wurde er von Friedrich II. als Page angenommen, und begleitete den Monarchen im ersten schlesischen Feldzuge, in welchem er den Schlachten bei Wolwitz und Chotusitz beiwohnte. Im J. 1743 wurde er Fähnrich beim ersten Bataillon Leibgarde; 1744 Flügeladjutant des Königs. "Der junge Möllendorf, Adjutant seiner Majestät des Königs," sagt Friedrich im zweiten Theile der Geschichte seiner Zeit, "erhielt unter sehr schwierigen Umständen den Befehl, mit 300 Mann Infanterie einen großen Provianttransport zu escortiren, den Franklini, der von allen österreichischen Offizieren die genaueste Kenntniß der Wege, die von Böhmen nach Schlesien führen, besaß, mit 4000 Mann Panduren zwischen Chatzlar, und Trautenau angriff. Möllendorf hielt alle Angriffe des Feindes aus und bemächtigte sich eines Kirchhofes, des das Defilé beherrschte. Von hier aus beschützte er die Wagen und vertheidigte sich drei Stunden lang, bis ihm Herr Dumoulin zu Hülfe kam, der ihn gänzlich frei machte. Zwar sind,"fügt der König hinzu, "Vorfälle der Art nur unbedeutend, aber sie machen der Nation und denjenigen, die dabei waren, zu viel ehre, um solche Thaten in Vergessenheit begraben zu lassen, die bei der Nachkommenschaft ein Keim zur Nacheiferung werden können."

Möllendorf befand sich im zweiten schlesischen Kriege bei der Belagerung von Prag und in den Schlachten bei Hohenfriedberg und Carr, in welcher letzteren er stark verwundet wurde. Im J. 1746 wurde er Hauptmann und erhielt eine Compagnie bei dem Regiment Garde. 1757 war er bei der Belagerung von Prag und in den Schlachten bei Roßbach und Leuthen gegenwärtig. In der letztern zeichnete er sich durch einen muthigen Angriff des Dorfes Leuthen, welcher Einfluß auf das Schicksal des Tages hatte, aus, und erwarb sich dadurch den Orden pour le Mérite. Er wohnte der Belagerung von Breslau bei, wurde 1758 Major und Commandeur des dritten Bataillons Garde, und war bei dem Ueberfalle von Hochkirch gegenwärtig. 1760 wurde er Commandeur des Garderegiments und focht mit demselben in der Schlacht bei Liegnitz, nach welcher ihn der König zum Oberstlieutenant erhob. In der Schlacht bei Torgau am 3ten November desselben Jahres war er es, der zu einem Manöuvre rieth, das die glücklichsten Folgen hatte, und das Schicksal dieses großen Tages entschied. Doch hatte er dabei für seine Person das Unglück, gefangen zu werden, wurde aber im Anfange des Jahres 1761 wieder ausgewechselt, und einige Monate darauf zum Obersten bestellt. 1762 im Sommer, kurz nach der Belagerung von Schweidnitz, eroberte er mit seiner Brigade den wichtigen verschanzten Posten bei Burkersdorf und avancirte darauf zum Generalmajor. 1774 ward er Generallieutenant.

Im bayerschen Erbfolgekriege stand er bei der Armee des Prinzen Heinrich in Sachsen und Böhmen, und befehligte ein eignes Corps, mir dem er 1779 mitten im Winter eine glückliche Expedition bei Bautzen ausführte, und zur Belohnung den schwarzen Adlerorden erhielt.

1783 wurde er Gouverneur von Berlin und wirkte sehr auf eine mildere Behandlung des gemeinen Soldaten, die damals im preußischen noch gar nicht berücksichtigt wurde. In den letzten Lebensjahren des großen Friedrich befand er sich oft um dessen Person, und war vielmals sein alleiniger Gesellschafter. Im Jahr 1787 wurde er General der Infanterie.

Er war nicht für den Krieg mit Frankreich und stand deshalb 1791 gewissermaßen bei dem Hofe in Ungnade. Dennoch übertrug man, nachdem der Herzog von Braunschweig im J. 1794 das Obercommando der preußischen Armeen am Rhein niedergelegt hatte, dem nunmehrigen Feldmarschall Möllendorf dasselbe, welcher, wiewohl ohne große Siege, das Gleichgewicht gegen die übermächtigen französischen Armeen stets zu behaupten wußte.

Obwohl ein Greis über 80 Jahr, folgte er dennoch in jenem verhängnißvollen Kriege vom Jahre 1806 der Stimme des Vaterlandes und dem Rufe seines Königs gegen seine Ansicht, und gerieth, nachdem die Schlacht von Jena unglücklich für Preußen entschieden, zu Erfurt erkrankt in französische Gefangenschaft; doch wurde er mit Achtung, die seinen Verdiensten und Jahren gebührte, behandelt, und erhielt die Erlaubniß, nach Berlin zurückzukehren.

Er beschloß seine Tage zu Havelberg, wo er eine Dompropstey hatte, im Jahr 1816.


Möllendorf.

Feldmarschall Mölendrf übernimmt das Kommando der preußischen Rhein-Armee! Eine wichtige Zeitung, und die uns berechtigt hier einige Nachrichten von diesem Feldherrn zu geben. Er ist allgemein als Soldatenfreund bekannt, und geliebt; als Gouverneur von Berlin, gab er die menschenfreundliche Ermahnung, wegen gelinder Behandlung der Gemeinen, die in alle Sprachen übersetzt zu werden verdient; auch in Pohlen wurde seine Menschenliebe so geschätzt, daß eine Dame beym Abschied zu ihm sagte: "Ehe Sie kamen, fürchteten wir uns vor Ihnen; jetzt fürchten wir uns, Sie verlieren zu müssen." -- Als Krieger durchwanderte er die ersten Stufen, und in der blutigen Schlacht bey Leuthen 1757, war er es, der an der Spitze der Garde, als ältester Kapltain, dieses langvertheidigte Dorf eroberte, und dadurch den Sieg entschied. Ein gleiches that er auf Siptitz Höhen bey Torgau. In den folgenden Schlachten und Feldzügen, erwarben ihm seine Kenntnisse, Talente und Tapferkeit, die Achtung des großen Friedrichs! Und welche Lorbeern warten nun seiner am Rhein!


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Fliegende Blätter. Dem französischen Krieg und dem Revolutionswesen unsrer Zeiten gewidmet. Januar 1794.