Wilhelm Friedrich von Meyern

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Meyern (Wilhelm Friedrich), gegenwärtig kaiserl. österreichischer Hauptmann im Generalstabe.

Dieser Mann ist seinen genauern Lebensumständen nach wenig bekannt. Um das J. 1760 in Franken geboren, erhielt er früh eine Erziehung, die seiner Neigung zum Soldatenstande, wie zum gelehrten Denken und praktischen Forschen gleich günstig war. Nachdem er eine Zeitlang in der Artillerie gedient, nahm er den Abschied, machte große Reisen in England, Schottland, Deutschland, Polen, Ungarn, ganz Italien und Griechenland, und hielt sich längere Zeit in Constantinopel und in Sicilien auf, über welche Länder er die richtigste und tiefste Kunde erwarb, indem er eben so sehr die Lebensart, den Charakter, die Gesetze und Verfassungen der Völker, als die Natur in ihren mannichfachsten Beziehungen erforschte. Nicht geringere Aufmerksamkeit widmete er den Anstalten des Verkehrs, dem Kriegswesen, der Staatswirthschaft, der Geschichte und besonders der bildenden Kunst.

Aus solchen Anschauungen und Forschungen schuf sein regsames, tiefergriffenes Gemüth das eben so geistreiche als originelle Werk: Dya-Na-Sore in fünf Theilen, das in der deutschen Literatur nicht geringe Sensation erregte. Leidenschaftlich sind die Ideen von Vaterland, Freiheit und Tapferkeit in diesem Buche wirksam, und große Gesinnungen zeigen sich hier als Vorläufer einer bessern Zeit, die für uns Deutsche angebrochen ist.

Meyern setzte seine Reisen wie seine Studien fort, überall thätig eingreifend, ohne seinen Namen anzuknüpfen.

Früh rieth er in Oesterreich Landwehr und Landsturm an, und als späterhin 1809 die Volksbewaffnung wirklich eintrat, war er durch Rath und That vorzüglich dazu behülflich, und trat selbst wieder förmlich in Dienst. Die wichtigsten Ausarbeitungen über allgemeine militärische Gegenstände wurden ihm übertragen, und was er lieferte, war stets eigenthümlich, geistreich und praktisch zugleich. Im Kriege 1809 bethätigte sich aufs neue seine vielfache Einsicht. In der Schlacht von Wagram würde die frühere Befolgung seiner nützlichen Angaben manche Nachtheile verhindert haben.

Seine Plane gingen oft mit kühnem Schwunge in großartige Absichten über, deren Ausführung weder schwierig noch bedenklich seyn konnte, aber meist durch die Unumgänglichkeit fremden Beitritts gehindert blieb. Der geringe Erfolg so rastlos wiederholter und beseelter Anstrengungen mußte nur beitragen, einen schon ohnehin nach innen gedrängten Charakter noch mehr auf sich selbst zurückzuwerfen.

Im J. 1813 gewann seine Kraft in Ausführung alter Ideen neues Leben; er half am Rhein eifrigst das Volk bewaffnen und in den Waffen üben.

Im J. 1815 wurde seine große Kunstkenntniß Veranlassung, daß er österreichischer Seits in Paris den Auftrag bekam, die Rücklieferung und Wegsendung der aus Italien von den Franzosen geraubten Kunstwerke zu besorgen. Gegenwärtig befindet er sich mit dem österreichischen Gesandten Grafen Kaunitz in Madrid.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.