Wilhelm I. (Hessen-Kassel)

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Hessen-Cassel, (Wilhelm) Landgraf und zuletzt Churfürst, war Feldmarschall in Preußischen Diensten, gebohren den 3. Juny 1743, vermählt mit einer dänischen Prinzessinn, von der er zwey Kinder hat.

Er trat seine Regierung über die Grafschaft Hanau den 13. Oktober 1764, und über ganz Hessen den 32. Oktober 1785 an.

Da er der Koalition gegen Frankreich beygetreten war, erließ Cüstine 1792 eine Proklamation gegen ihn, weil er sich geweigert, seine gegen Frankreich dienenden Truppen zurückzuziehen. 1792 schloß er einen Subsidientraktat mit England und stellte 8000 seiner Unterthanen an diese Macht. Zur selben Zeit kommandirte er in eigner Person seine bey der preußischen Armee stehenden Truppen gegen Frankreich.

1794 entwarf er mit dem Markgraf von Baaden und andern deutschen Fürsten den Plan zur Vertheidigung der deutschen Reichsverfassung. Demungeachtet weigerte er sich im folgenden Jahre die Römermonate zu zahlen und schloß im September einen Frieden, den der Konvent ratifizirte. Doch sandte er erst 1796 einen bevollmächtigten Minister nach Paris, den das Direktorium empfing.

Den 17. April 1803 wurde er durch den Entschädigungsvertrag zum Churfürsten ernannt.

Bey dem Wiederausbruche der Feindseligkeiten zwischen Oesterreich und Frankreich zogen die französischen Truppen aus Hannover durch das Hessische, und der Marschall Bernadotte wurde von dem Churfürsten in Cassel empfangen. Dennoch machte derselbe Fürst darauf Zurüstungen zum Kriege und übernahm das Kommando der preußischen Armee in Westphalen. Er begab sich selbst nach Berlin und befand sich bey der Ankunft des Kaisers Alexander daselbst. Nach mehrern langen Konferenzen mit dem Könige von Preußen kehrte er im Januar 1806 in seine Staaten zurück und errichtete zu Cassel das Hauptquartier der vereinigten neutralen Armee, deren Kommando er erhielt.

Der Ausbruch des Kriegs zwischen Preußen und Frankreich machte bey der geographischen Lage von Churhessen, die Verhältnisse desselben in mancher Hinsicht kritisch. Man hatte zwar mit der Neutralität geschmeichelt; das schon oft bewiesene schwankende Betragen des Churfürsten aber hatte Napoleon mißtrauisch gemacht, und seine Hoffnung der Neutralität verschwand bald.

Am ersten November erschien plötzlich die Avantgarde von dem Armeekorps des Marschall Mortier, welches bey Frankfurt war formirt worden, über Fulda zu Cassel. Auch Truppen von der Nordarmee trafen, so wie der König von Holland, zu Cassel ein. Man hatte bey der vorhabenden Besetzung der Churhessischen Lande Widerstand erwartet; allein dieser unterblieb, da das Blutvergießen fruchtlos gewesen seyn würde. Die brave hessische Armee wurde entwaffnet. Der Churfürst verließ mit dem Churprinzen die Stadt Cassel, nach der Ankunft des Reichsmarschalls Mortier daselbst, und begab sich einstweilen nach Schleswig.

Bald darauf wurde die Dynastie dieser Linie des hessischen Hauses durch ein Dekret von Napoleon für geendet erklärt, und die Churhessischen Lande sind in dem Tilsiter Frieden zu den neu errichteten Königreich Westphalen geschlagen worden.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.