Wilhelm I. (Niederlande)

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Biographien.

(1811) Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.

(1819) Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.


Wilhelm Friedrich, Erbprinz von Oranien.

Oranien, (Wilhelm Friedrich, Erbprinz von), geboren den 24. August 1772, folgte bey der Revolution von 1787 seiner Familie in ihren Zufluchtsort nach Nimwegen, und kehrte mit ihr unter dem Schutze der preußischen Armee nach Amsterdam zurück.

Er vermählte sich 1791 mit einer Tochter des Königs von Preußen, Friedrich Wilhelm II., kommandirte als ein 21jähriger Jüngling, die seit den Aachener Frieden unthätig gebliebene holländische Armee, stellte sie durch seine Festigkeit und seinen Muth wieder her und ließ sie zu allen Fortschritten der Alliirten im Sommer 1793 beytragen.

Nachdem er sich lebhaft jedem Expeditionsplane auf Dünkirchen widersetzt hatte, zu Menin aber verlassen und folglich von der Uebermacht überwältigt worden war, führte er die Trümmer seiner Armee in bester Ordnung zur Blokade von Maubeuge, mit welcher sich dieser Feldzug endete.

Den 16. Aprill 1794 stieß er in den Ebenen von Foren zu den Oesterreichern, bemeisterte sich bald des verschanzten Lagers von Landrecies, belagerte und nahm diesen Platz in eigner Person, erhielt das Kommando der österreichischen Armee an der Samber und entsetzte Charleroi, nachdem er den Sieg von Gosselins davon getragen hatte.

Da er, trotz des Erfolgs, den seine Kolonne erhalten hatte, den Rückzug von Fleurus nicht hatte verhindern können, leistete er den Oesterreichern seine letzte Unterstützung im Gefechte von Waterloo und kehrte mit seinen Truppen auf das Gebiet der holländischen Republik zurück, das von seinen Alliirten verlassen und kurz darauf in Folge der Gefrierung der Flüsse von dem Feinde überschwemmt wurde.

Nachdem ihn der Statthalter, sein Vater, des Kommandos der Armee entlassen hatte, schiffte er sich den 18. Januar 1795 nach England ein und trat in preußische Dienste als Generallieutenant.

Er befand sich bey der Expedition von Nord-Holland 1799, aber ohne Titel, der ihm versprechen konnte, einen thätigen Antheil daran zu nehmen.

Im Februar 1802 erschien er unter dem Namen eines Grafen von Nassau-Dietz zu Paris und wurde durch den Minister der auswärtigen Angelegenheiten dem ersten Konsul vorgestellt.

1803 ward er, in Folge des Entschädigungsvertrags, der seinem Vater das Fürstenthum Nassau-Dietz gab, Fürst von Fulda.

Nach dem Tode seines Vaters im Aprill 1806 sollte ihm, der Erbfolge gemäß, auch das erledigte Fürstenthum Nassau-Dietz zufallen. Ehe er aber Besitz davon nehmen konnte, sah er es von französischen Truppen besetzt; und kurz darauf sah er sich selbst in dem Besitze seines eigenen Fürstenthums durch den Ausbruch des preußischen französischen Kriegs gestört, der ihn, als preußischen General und Schwager des Königs von Preußen, Kraft des Tilsiter Friedens, ganz aus der Reihe regierender Fürsten gestrichen hat.


Wilhelm I. König der Niederlande.

Wilhelm I. (Wilhelm Friedrich von Oranien), König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg, geboren im Haag den 24sten August 1772.

Sein Vater, Wilhelm V., Fürst von Oranien und Nassau, Erbstatthalter der vereinigten Niederlande (st. 9. Apr. 1806), stammte ab von Johann, dem jüngsten Bruder des großen Wilhelm von Oranien (s. d. A.). Seine Mutter, Frederike Sophie Wilhelmine, des Prinzen August Wilhelm von Preußen Tochter, lebt noch. Er dankt ihr seine Bildung.

Sein Großvater, der erste Erbstatthalter der vereinigten Niederlande (1747), hatte die vier Landestheile des nassau-ottonischen Stammes, Hadamar, Siegen, Dillenburg und Dietz, wieder zusammen an seine, die Dietz'sche, Linie gebracht.

Der holländische Schriftsteller Tollius war des Prinzen Lehrer, und der General von Stamford, ein guter Taktiker und Staatsmann, war sein Führer.

Im J. 1788 machte der Erbprinz eine Reise nach Deutschland, und blieb eine Zeit lang zu Berlin, an dem Hofe seines Oheims, des Königs Friedrich Wilhelm II. Hierauf studirte er seit 1790 zu Leyden.

Nach seiner Vermählung (1. Oct. 1791) mit Friederike Luise Wilhelmine, des Königs Friedrich Wilhelm von Preußen Tochter, machte er sich, nebst seinem späterhin als Feldherrn ausgezeichneten Bruder Friedrich, um die Verbesserung der holländischen Landmacht verdient; allein der innere Zwiespalt, indem die 1787 durch preußische Waffen unterdrückten Patrioten dem Hause Oranien insgeheim entgegenwirkten, verhinderte vieles.

Jene hatten sich zum Theil nach Frankreich geflüchtet, und der Nationalconvent erklärte, um sich mit Hülfe der Patrioten des reichen Hollands zu bemächtigen, den 1sten Febr. 1793 an den Erbstatthalter de Krieg.

Dumouriez eroberte das holländische Brabant; doch befreite es der Erbprinz - der den Oberbefehl über die holländischen Truppen führte, zu welchem ein Heer der Bundesgenossen gestossen war - in Folge des Sieges bei Neerwinden, den der kaiserl. Feldmarschall, Prinz von Coburg, über Dumouriez den 18ten März erfochten hatte. Hierauf hielt der Erbprinz die französische Nordarmee von dem Eindringen in Westflandern ab. Allein am 13ten Sept. ward er in seiner Stellung zwischen Menin und Werwick von dem Feinde mit solcher Uebermacht angegriffen, daß er, da der österr. General Kray zu spät eintraf, und das Heer unter Beaulieu (weil es noch nicht abgekocht hatte) ganz ausblieb, nach dem tapfersten Widerstande, in welchem Prinz Friedrich, sein Bruder, der den rechten Flügel befehligte, verwundet wurde, sich mit Verlust nach Gent und hinter die Schelde zurückziehen mußte.

Im Feldzuge 1794 eroberte der Erbprinz Landrecies den 30sten April, hierauf warf er an der Spitze eines niederländisch-österreichischen Heeres von 50,000 Mann den Feind über die Sambre; allein in der großen Schlacht am 26sten Juni, als er schon mit dem rechten Flügel siegreich vorgedrungen war, mußte er, da die Franzosen Charleroi erstürmt und den linken Flügel bei Fleurus geschlagen hatten, nach der Anordnung des Prinzen von Coburg, sich ebenfalls zurückziehen.

Hierauf wichen (21. Juli) die Oesterreicher vor Pichegru und Jourdan bis hinter die Maas, und dem Erbprinzen blieb bei seinem geschwächten Heere nichts übrig, als in Verbindung mit dem Heere des Herzogs von York, das aus Engländern, Hannoveranern und Hessen bestand, die Gränzen der Republik zu decken. Allein die Festungen fielen und die Kälte baute dem Feinde Brücken über die Waal, so daß Pichegru schon den 17. Januar in Utrecht einrückte.

Die Partei der Patrioten begünstigte den Feind, und der Erbstatthalter sah sich außer Stand, die von ihren Bundesgenossen verlassene Republik zu retten. Seine Söhne legten daher den 16ten Januar ihre Befehlshaberstellen nieder, und Wilhelm V. schiffte sich den 18ten und 19ten mit seiner Familie und einigen Getreuen zu Scheveningen auf 19 elenden Fischerpinken nach England ein.

Hier ward dem unglücklichen Fürstenhause Hamptoncourt als Wohnsitz eingeräumt; allein beiden Brüder gingen bald wieder auf das feste Land zurück, um eine Schaar ausgewanderter Niederländer auf Englands Kosten zu bewaffnen. Doch nach dem Basler Frieden zerstreute sich diese kleine Heer. Prinz Friedrich trat in österreichische Dienste, und der Erbprinz begab sich mit seiner Familie nach Berlin, wo er von dem diplomatischen Einflusse des mit Frankreich befreundeten preußischen Hofes eine günstige Wendung seines Schicksals erwartete.

Uebrigens beschäftigte er sich mit der Erziehung seiner Söhne, mit den Wissenschaften und mit der Verbesserung seiner in der Gegend von Posen vom Fürsten Jablonowski erkauften Herrschaften, wohin er Colonisten zog, und auf welchen er die Leibeigenschaft aufhob. Auch erwarb er in der Folge einige Landgüter in Schlesien.

Da sein Vater inzwischen die durch den Reichsdeputationsschluß ihm zugefallene Entschädigung in Deutschland, Fulda, Corvey, Dortmund, Weingarten u. a. O. m., an seinen Sohn, den Erbprinzen, den 29. Aug. 1802 abgetreten hatte, so nahm dieser davon am Ende des Jahrs Besitz, und wohnte seitdem in Fulda, brachte jedoch einen Theil des Winters in Berlin zu. In seinen neuen Staaten stellte er nach Beseitigung fast endloser Hindernisse, durch eigne zweckmäßige Thätigkeit, mittelst einer sparsamen und einfachen Verwaltung und besonnenen Abschaffung vieler Mißbräuche, ohne raschen Neuerungen, einen gut geordneten Zustand wieder her. Sein Rechtssinn und die Humanität, mit welcher er Diener und Unterthanen, ohne Unterschied der Religion, behandelte, erwarben ihm die Liebe seines Volks. Unter mehrern Verbesserungen müssen vorzüglich die an die Stelle der unbrauchbaren Universität zu Fulda von Meißner (aus Prag) und Gierig neu eingerichtete höhere Schulanstalt (Lyceum) und die Stiftung eines Landkrankenhauses genannt werden, wozu der Fürst die Fonds von zwei eingezogenen Klöstern verwandte.

Nach dem Tode seines Vaters (9. Apr. 1806) übernahm der Fürst die Regierung seiner nassauischen Stammländer. Als er aber die von Paris aus ihm gegebenen Winke, zu dem Rheinbunde zu treten (dessen Bildung, ohne Preußens Vorwissen, Lucchesini und Haugwitz für unmöglich hielten), im Gefühl der Würde eines deutschen Fürsten nicht beachtete, verlor er die Hoheit über die oranischen Lande, welche seine Stammvettern Nassau-Usingen und Weilburg, und Murat, Großherzog von Berg, erhielten. Die Oberherrschaft über das schöne Weingarten hatte sich der neue König von Würtemberg von Napoleon erbeten. Auch Fulda sollte er verlieren, wenn er nicht zu jenem Bunde träte, in welchem Falle er Vergrößerung (durch Würzburg) hoffen durfte. Allein der Fürst beschloß: es sey besser mit Ehren zu fallen, als den Namen Oranien durch Unterwerfung unter ein fremdes Joch - dafür erkannte er den Rheinbund schon damals - zu schänden. Alle Anträge von Nassau, von Murat u. A., wurden abgelehnt.

Hierauf ging der Fürst im August 1806 nach Berlin, wo er, als Inhaber eines preuß. Regiments und Generallieutenant, späterhin im Septbr. den Oberbefehl über eine Abtheilung [XX] des rechten Flügels des preußischen Heeres zwischen Magdeburg und Erfurt erhielt. Nach der unglücklichen Schlacht bei Jena mußte er dem Feldmarschall Möllendorf nach Erfurt folgen und gerieth durch Capitulation, welche der verwundete muthlose Greis abschloß, in Kriegsgefangenschaft; doch durfte er sich bei seiner Gemahlin in Preußischen aufhalten. Allein Napoleon erklärte ihn, so wie den Churfürsten von Hessen und den Herzog von Braunschweig, seiner Länder für verlustig, und Fulda mußte schon den 27sten Octbr. dem französischen Kaiser huldigen; Corvey, Dortmund und die Grafschaft Spiegelberg wurden 1807 dem Königreiche Westphalen einverleibt. Selbst in der Bundesacte ihm vorbehalten Domänen wurden von Berg und Würtemberg eingezogen; nur Bayern that dies nicht, und die andern rheinischen Bundesfürsten versprachen wenigstens den reinen Ueberschuß an den beraubten Fürsten auszahlen zu lassen. Dieser war unterdessen mit seiner Gemahlin und Familie nach Danzig gegangen.

Als der Krieg der Weichsel sich näherte, wollte er nach Berlin zurückkehren; allein nur seine Gemahlin, die krank war, durfte daselbst wohnen. Er selbst mußte über die Oder zurück und begab sich nach Pillau. Im Frieden zu Tilsit ward seiner nicht gedacht. Ihm blieb nur der Besitz seiner Güter im Herzogthume Warschau. Er lebte aufs Neue ganz den Wissenschaften und seiner Familie in Berlin, wo sein ältester Prinz in der Militärakademie erzogen und dann nach England geschickt wurde, wo er unter Wellington in Spanien durch Heldenmuth sich auszeichnete.

Im Kriege Frankreichs mit Oesterreich 1809, begab sich der Fürst mit seinem Jugendgefährten und stetem Begleiter, Fagel, als Freiwilliger zum Heere des Erzherzogs Carl und focht in der Schlacht bei Wagram mit. Darauf kehrte er nach Berlin zurück.

Unterdessen hatte das Unglück der holländischen Nation die Sehnsucht nach der Rückkehr des Hauses Oranien immer mehr genährt. Mehrere einflußreiche Männer (Hogendorp, Maasdam, Limburg Stirum, Hoop Driel, Jonge u. A. m.) bereiteten Alles vor, wenn günstige Ereignisse eintreten sollten. Als nun Napoleon bei Leipzig geschlagen war, arbeiteten jene in Amsterdam, Haag, Rotterdam Zwolle u. a. a. O. an der Wiederherstellung des Hauses Oranien mit souveräner Gewalt, unter einer freien Verfassung. Wilhelm Friedrich, davon unterrichtet, begab sich nach England, um mit der brittischen Regierung Maßregeln wegen Unterstützung der Niederländer zu verabreden. Hierauf brach, als die Sieger von Leipzig den Gränzen Hollands nahten, den Aufstand des Volks in Amsterdam aus (d. 15. und 16. Novbr.); und mitten unter französischen Kriegshaufen erklärte sich den 17ten auch der Haag für den Prinzen, in dessen Namen der Graf Limburg Stirum an die Spitze der Zwischenregierung trat. Auf die davon erhaltene Kunde schiffte sich der Fürst ein, und landete den 29sten Novbr. bei Scheveningen. Das Volk begrüßte ihn mit Jubel als seinen souveränen Fürsten, und Amsterdam, wo der Fürst den 1sten Decbr. einzog machte diesen Beschluß feierlich kund. Aber noch waren 23 feste Plätze in den Händen der Franzosen, die bei Utrecht im Lager standen. Allein bald befreiten die Bundesheere das Land.

Wilhelm Friedrich beschleunigte die Bewaffnung des niederländischen Volks, und übertrug einer Commission die Entwerfung eines Verfassungsgesetzes, das den 29sten März 1814 von den Abgeordneten des Volks angenommen und darauf von dem Fürsten beschworen wurde. Auch seine deutschen Erbländer hatte er schon vor Ende des J. 1813 wieder in Besitz genommen.

Darauf sprach der Wiener Congreß die Vereinigung Belgiens und Lüttichs mit den vereinigten Niederlanden als ein Königreich aus, und der Fürst wurde unter dem Namen Wilhelm I. zum König der Niederlande und zum Großherzog von Luxemburg den 16ten März 1815 im Haag ausgerufen. Allein er mußte seine treuen Stammländer in Deutschland für den Besitz von Luxemburg, das seit dem 22sten Juli 1815 zum deutschen Bunde gehörte, an Preußen abtreten.

Seitdem hat er mit Festigkeit und freisinniger Gerechtigkeit die neue Verfassung gegründet. Den 21sten Juni 1816 ist er dem heiligen Bündnisse beigetreten. Im J. 1814 wurde er österreichischer Feldmarschall, stiftete den niederländ. Wilhelms-Militärverdienst- und im J. 1815 den Civilverdienstorden des belgischen Löwen. Er residirt abwechselnd in Brüssel und im Haag.

Man vergleiche die interessante Biographie diese Monarchen von einem seiner ehemaligen Staatsdiener, dem verdienstvollen J. v. Arnoldi, in den Zeitgenossen, Nr. VI. Leipzig 1817.


Quellen und Literatur.

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
  • Zeitgenossen. Biographieen und Charakteristiken. Zweiter Band. Leipzig und Altenburg: F. A. Brockhaus. 1818.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.