Wilhelm von Dörnberg

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Dörnberg oder Dörrenberg, aus einem alten hessischen freiherrlichen Geschlechte, war unter der königl. westphälischen Regierung Oberster der Jäger von der Garde des Königs von Westphalen geworden. Empört durch den Druck seines Vaterlandes, gab er den Plan zur Befreiung desselben zu wirken, nicht auf, zu welchem er sich ins Geheim mit mehreren edlen Familien verbunden hatte. Man rechnete dabei auf die Unterstützung deutschgesinnter Gemüther in sonst preußischen und westphälischen Ländern des westphälischen Reichs.

Als 1809 der Kampf Oesterreichs gegen Frankreich begann, und alle Deutsche zur Theilnahme an demselben von Oesterreichs Kaiser und seinen Heerführern kräftig aufgefodert worden, bewegte sich hier und da das unterdrückte deutsche Volk, von muthigen Männern angeführt, gegen seine Zwingherrn. So auch vorzüglich in den zusammengeworfenen Provinzen, welche das Königreich Westphalen bildeten. Doch es war die Zeit des Gerichts noch nicht gekommen. Schon hatte das Wagstück des preußischen Hauptmann Katt die Aufmerksamkeit der französischen Regierung erregt. In Cassel, Braunschweig und Magdeburg wurden Millitärcommissionen angeordnet, um über die etwanigen gewaltsamen Störungen des bestehenden Zustandes binnen 24 Stunden zu richten; Katt selbst ward mit Steckbriefen als ein gemeiner Räuber verfolgt. Da kamen aber die Nachrichten vom Vordringen der Oesterreicher in Bayern, Italien und Warschau, von der Insurrection der Tyroler, und in Geheim von einer bevorstehenden Theilnahme der preußischen Nation; und trotz der Militärgerichte brach in der Nähe Cassels die Flamme aus. Die Dorfgemeinde von Wallhausen streckte zuerst die Fahne des Aufruhrs aus. Er war am 21. April 1809, als die Sturmglocken tönten. Hieronymus Napoleon schickte seinen Gardenobersten Dörrenberg mit seinem Corps den Insurgenten entgegen, sie zu besänftigen oder zu zerstreuen. Dörrenberg, des Himmels Fügung in diesem Zufall wähnend, eilte zur Vereinigung mit ihnen; eine kräftige Anrede sollte seine Jäger bewegen, ihm zu folgen; doch der größte Theil derselben, zurückbebend vor der Kühnheit des Gedankens, im Geiste schon die furchtbaren Folgen des Mißlingens erblickend, eilte in die Hauptstadt zurück und meldete der Regierung, was sich begeben habe. Dörrenbergs Plan, durch die Gefangennehmung des Königs selbst, mit Einem Schlage den Hauptzweck zu erreichen, konnte nun freilich nicht gelingen, doch stellte er sich an die Spitze einiger 100 Bauern, und begab sich mit ihnen auf den Marsch nach Cassel. Auf halbem Wege stieß er mit dem ihm entgegengesandten Detachement westphälischer Truppen zusammen. Keine seiner Auffoderungen fand Eingang. Nicht lange konnte seine Schaar Widerstand leisten. Sie zerstreute sich.

Dörrenberg rettete sich mit einigen Vertrauten nach Böhmen, wo zwei ehemalige Reichsfürsten, der Churfürst von Hessen und der Herzog von Braunschweig-Oels, den Ausgang jener Bewegung erwarteten.

Der Obergewalt in Westphalen gelang es noch ein Mal, die äußere Ruhe wieder herzustellen und ihre Macht zu sichern. Dörrenberg ward mit den andern als Verräther gegen König und Vaterland in Contumaciam zum Tode verurtheilt, nun konnte man das Urtheil nicht vollstrecken; denn Dörrenberg hatte sich schon glücklich nach Böhmen gerettet.

Als nun nach geendigtem Feldzuge 1809 Herzog Wilhelm von Braunschweig den kühnen Zug durch Sachsen und Westphalen, umgeben von Schaaren der Feinde, bis zu dem Strand des Meeres vollführte, befand sich auch Dörnberg in dem Geleite seiner Getreuen, welchem sich die kühnsten Männer Deutschlands anschlossen, und rettete sich mit diesem auf die Insel, wo damals fast allein die Freiheit wohnte.

Ob Dörnberg nachher in Spanien gegen die Franzosen gefochten, wissen wir nicht. Das ist gewiß, daß in den Jahrbüchern des Jahres 1813 sein Name glänzend eingeschrieben steht. In demselben schwang er mit der deutschen Legion sein kühnes Schwert für Deutschlands Freiheit, und setzte an mehreren Orten der frechen Uebermacht den ungebeugten Muth des deutschen Freiheitsinns entgegen, vernichtete bei Lüneburg 1813 das morand'sche Corps, und stand zuletzt vor Thionville. Arndt sang von ihm das schöne Lied vom Dörnberg.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.