Giuseppe Zurlo

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Zurlo (Giuseppe, Graf von), ein berühmter italienischer Staatsmann der neuern Zeit, war 1759 zu Neapel geboren.

Alte Literatur und Philosophie beschäftigte ihn schon in einem frühen Alter und er entwickelte schnell seine glücklichen Anlagen.

Als die Regierung sich bemühte, den unglücklichen Folgen des Erdbebens vom Jahre 1783 abzuhelfen, und Männer von den anerkanntesten Verdiensten an die Spitze der verheerten Provinzen rief, ward Zurlo dem Vicarius des Königs als Rathgeber zugeordnet. Die großen Talente und schönen Eigenschaften, die er hier entwickelte, gründeten seinen Ruf. Von nun an trat er in die wichtigen Richterstellen, und wurde 1798 zum Finanzminister berufen. Aus zarter Rücksicht für seinen Vorgänger lehnte Zurlo diese Ernennung ab, ohne jedoch seinen Rath zur Verbesserung des Finanzzustandes seinem Vaterlande zu entziehen.

Als bald darauf der Hof nach Sicilien flüchten mußte, ließ der König ihn zur Verwaltung der Finanzen zurück. Seine Thätigkeit war von sehr kurzer Dauer. Das Volk, das einen ungerechten Verdacht gegen ihn hegte, bemächtigte sich seiner Person und verwüstete sein Haus; nur mit Mühe rettete er sein Leben.

Schon nach einigen Monaten wurde die königliche Regierung wieder eingesetzt, und jetzt ernannte der König Zurlo zum Finanzminister. Das Land war mit Papiergeld überschwemmt, der Credit vernichtet, und die Bedürfnisse eben so groß als dringend. Zurlo stellte in kurzer Zeit die Finanzen wieder her, indem er dem Papiergelde hypothekarische Sicherheit gab. Die ihm dafür angebotene Belohnung lehnte er uneigennützig mit der Erklärung ab, daß er sich um so weniger durch das allgemeine Unglück bereichern möchte, als er sich stets durch seine Armuth geehrt gefühlt habe. Sein Ministerium endigte im Jahre 1803.

Zurlo lebte von den öffentlichen Geschäften entfernt, bis 1809 der neue Regent des Landes ihn zum Justizminister ernannte. Während der wenige Monate, die er in diesem Posten blieb, richtete er alle Zweige der Gerechtigkeitspflege wieder ein, und schrieb selbst eine Prozeßordnung und ein Strafgesetzbuch, welches die neue Criminalgesetzgebung dieses Landes bildete. Bald aber schien der Regierung des Justizministerium ein zu beschränkter Wirkungskreis für Zurlo, und sie übertrug ihm die innere Staatsverwaltung, welche nicht bloß wieder eingerichtet, sondern von neuem geschaffen werden mußte. Zurlo traf die zweckmäßigsten und wohlthätigsten Maaßregeln für die Staatswirthschaft, Künste und Manufacturen, öffentlichen Unterricht, schöne Künste u. s. w., die wir jedoch hier nicht ins Detail verfolgen können. Seine rühmliche Thätigkeit endigte mit der Auflösung der damaligen Regierung.

Von Madame Murat, der bisherigen Königin, aufgefodert, sie zu begleiten, war er edelmüthig genug, sich auch diesen wünschen zu fügen. Er trennte sich von ihr in Triest, überstand zu Venedig eine schwere Krankheit, von der langsam genesend er sich mit gelehrten Bemerkungen zu einer anonymen Uebersetzung des Anakreon beschäftigte, die dort erschien, verlebte dann drei Jahre in der Zurückgezogenheit zu Rom und erhielt endlich 1818 Erlaubniß zur Rückkehr in sein Vaterland.


Quellen und Literatur.

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.